Von Kai Lange
Worauf Anleger achten sollten
mm.de: Wie viel Geduld muss ein Investor mitbringen?
Vorndran: Im Jahr 2008 blickt die Welt auf die Olympischen Spiele in Peking. China ist daran gelegen, sich bis dahin im besten Licht zu präsentieren.
Nach Berechnungen von Credit Suisse First Boston wird sich China bis zum Jahr 2012 zum viertgrößten Aktienmarkt der Welt hinter den USA, Japan und Großbritannien entwickeln, also einen Platz vor Frankreich und Deutschland einnehmen. Wer fünf bis zehn Jahre Geduld hat, kann mit seinem Investment den Index-Trackern zuvorkommen, die die weltweit wichtigsten Märkte abbilden.
Auf mittlere Sicht winken außerdem Währungsgewinne: Die asiatischen Währungen dürften in dem Maße gegenüber Euro und Dollar aufwerten, wie die US-Volkswirtschaft und die europäischen Länder als Handelspartner an Bedeutung verlieren. Die chinesische Währung ist klar unterbewertet und derzeit noch in einer engen Spanne an den US-Dollar gekoppelt: Möglich ist, dass China kurz vor den Olympischen Spielen diese Spanne ausweitet, um für neue Fantasie bei Investoren zu sorgen.
mm.de: Welche Branchen bergen die größten Chancen?
Vorndran: Einzelinvestments sind riskanter, da der Markt von Europa aus kaum zu durchschauen ist. Wer unbedingt Schwerpunkte in einzelnen Branchen setzen will, könnte sich Unternehmen anschauen, die in den Bereichen Transport, Infrastruktur oder Telekommunikation tätig sind. China steht vor gewaltigen Infrastrukturprojekten, zudem sind einige Transportunternehmen noch recht günstig bewertet. Etablierte Unternehmen wie etwa China Mobile bringen es da schon auf eine höhere Bewertung - allerdings hat dieses Unternehmen rund 170 Millionen Kunden und gewinnt derzeit rund vier Millionen neue Kunden pro Monat.
mm.de: Dennoch: Die Emerging Markets gelten als riskant. Warum sind Sie so zuversichtlich, dass sie sich von ihren jüngsten Kursrückschlägen erholen werden?
Vorndran: Die Risiken für die Märkte in den USA und Europa sind langfristig höher als in den asiatischen Emerging Markets. Die asiatischen Märkte sind deutlich günstiger bewertet - hier hat die Asien-Krise 1997/98 Spuren hinterlassen, die sich nach unserer Einschätzung aber nicht so schnell wiederholen wird. Europa ist nahe der Stagnation, während Asien stabile und hohe Wachstumsraten bietet: Gemessen an der Gewinnentwicklung der Unternehmen ist es sogar weltweit die günstigste Anlageregion. Schwankungen und Kursverluste wie in den vergangenen Monaten gehören zum normalen Wachstumszyklus eines dynamischen Emerging Markets dazu.
Wir sollten nicht den Fehler machen, China von oben herab aus dem Blickwinkel einer westlichen Industrienation zu betrachten: Wir haben es mit einer sehr selbstbewussten, jahrtausendealten Hochkultur zu tun, die nach anderen Maßstäben funktioniert und die sich sehr ehrgeizige Ziele gesetzt hat. Die Industrienationen haben auf lange Sicht deutlich mehr zu verlieren.
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