Von Kai Lange
Die hohen Ölpreise treffen China und die gesamte Wachstumsregion Asien stärker als die Industrienationen. Der Hang Seng hat seit dem Frühjahr deutlich nachgegeben, Anleger befürchten eine harte Landung der boomenden chinesischen Volkswirtschaft. Zu Recht?
Vorndran: Richtig ist, dass Emerging Markets wie China durch steigende Energiepreise kurzfristig stärker beeinträchtigt werden als entwickelte Märkte. Mit dem Wachstum steigt der Energiebedarf, und die Energie wird noch nicht so effizient genutzt wie in den Industrienationen.
Die Betonung liegt allerdings auf kurzfristig: Wir sprechen beim Thema China über eine Volkswirtschaft, deren Bruttoinlandsprodukt im Schnitt um 9,3 Prozent pro Jahr gewachsen ist - und das nun schon seit 25 Jahren.
Anders gesagt: Wir blicken auf einen riesigen Dampfer, der über einen Zeitraum von vielen Jahren mächtig in Schwung gekommen ist und schon einige Stürme überstanden hat. Er hat viel zu viel Eigendynamik entwickelt, um auf Grund einiger Bugwellen abrupt zu stoppen. Derzeit drosselt die Regierung die Motorleistung, um die Temperatur im Maschinenraum zu senken: Ein Luxusproblem im Vergleich mit europäischen Volkswirtschaften, die fast bewegungslos dahindümpeln. Selbst wenn es zu dem gefürchteten "hard landing" käme, die Wirtschaftsleistung Chinas also binnen kurzer Zeit stark abkühlen sollte, bliebe immer noch ein Wachstum von rund 5 Prozent übrig. Das sind Raten, von denen wir in Europa nur träumen können.
mm.de: Lohnt es sich also, trotz der Unkenrufe weiterhin in China zu investieren?
Vorndran: Vielen bleibt gar keine andere Wahl. Ausländische Unternehmen haben im vergangenen Jahr 53 Milliarden Dollar in China investiert. Damit sind die Direktinvestitionen höher als in jedem anderen Emerging Market. Die Unternehmen müssen investieren, um sich einen Anteil an dem gigantischen Wachstumsmarkt mit mehr als einer Milliarde Menschen zu sichern. Dieser Druck ist stärker als die begründete Sorge, dass sie auf diese Weise gleichzeitig ihre eigene Konkurrenz aufbauen.
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