Von Kai Lange
Zu schnelle Öffnung ist riskant
Ein Wachstum von rund acht Prozent pro Jahr dürfte China nach Ansicht des HVB-Experten Heigl noch einige Jahre fortsetzen. Unter Mao Tse Dong habe sich das Land viele Jahre in einer Entwicklungsstarre befunden: China habe trotz seiner Aufholjagd noch einen weiten Weg vor sich, so dass sich weitere Wachstumsdynamik entfalten könne.
Für Anleger biete sich damit auf mittlere Sicht weiterhin die Chance, renditeträchtig zu investieren. Zwar wachse mit China langfristig auch ein gewichtiger Konkurrent auf dem Weltmarkt heran: "Doch wir sollten auch die Chancen dieses Aufholprozesses nutzen, ohne die Aufgaben des Landes zu unterschätzen."
Der Aufgabenzettel ist noch lang
Der Aufgabenzettel der chinesischen Führung ist nach einer Studie der Dekabank noch sehr umfangreich. Die Umwandlung von Staatsunternehmen in funktionierende Privatunternehmen steht erst am Anfang. Der Bankensektor braucht eine funktionierende Aufsicht sowie eine unabhängige Kreditvergabe. Der Aufbau einer sozialen Basis-Sicherung müsse jetzt gestartet und durch ein ausgeklügeltes Schuldenprogramm finanziert werden.
Das autoritäre Regime in China berge zudem ein politisches Risiko, das nur durch eine glaubhafte, behutsame politische und wirtschaftliche Liberalisierung reduziert werden könne. Die verbreitete Korruption muss abgebaut werden, dem Finanzmarkt fehlt noch immer eine effiziente Kontrolle. "China braucht für die Lösung dieser Aufgaben noch viel Zeit und sehr viel Geld", betont Schlotthauer. Die Abschottung des Landes, oftmals kritisiert, biete während dieses Prozesses auch einen Schutz. "Eine unmittelbare Öffnung des Landes wäre zu riskant. China muss sich weiter schrittweise entwickeln - eine rasche Liberalisierung des Finanzmarktes würde die Stabilität im Land gefährden."
Investoren sind gut beraten, mit Blick auf die Veränderungen im Land nicht zu stark auf das schnelle Geld zu spekulieren. Ein Riese, der zu rasch aufsteht, kann ins Straucheln geraten. Der eigene und auch eigenwillige Weg Chinas, Schritt für Schritt über die Steine im Fluss, könnte sich auch für ausländische Investoren als der beste Weg erweisen.
© manager magazin online 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH