Samstag, 23. Februar 2019

Zahlungsdienstleister in Turbulenzen So rächt sich der Dax-Aufstieg Wirecards für viele Anleger 

Wirecard-Werbung auf einer Messe in Köln: Der Konzern befindet sich unter Druck, nach dem Die "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen berichtet hat.

Ein Minus von fast 20 Prozent am Mittwoch vergangener Woche, ein weiterer Kurssturz um 30 Prozent zwei Tage später, und, nach zwischenzeitig leichter Erholung, ein weiterer massiver Verlust am Ende dieser Woche: Wenn die populäre Formulierung von der Achterbahnfahrt eines Aktienkurses je eine Berechtigung hatte, dann wohl in diesen Tagen in Bezug auf das Papier des Zahlungsabwicklers Wirecard.

Auslöser der Turbulenzen waren mehrere Artikel der "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen durch Mitarbeiter des IT-Konzerns in Singapur. Wirecard wies die Vorwürfe zwar bereits in der vergangenen Woche zunächst per Statement und dann in einer rasch anberaumten internationalen Telefonkonferenz entschieden zurück. Zudem geht das Unternehmen inzwischen juristisch gegen die Zeitung vor. Die Aktionäre, die das Wirecard-Papier in ihren Depots liegen haben, dürfte das aber vorerst wenig trösten: Sie müssen einen empfindlichen Verlust verbuchen, von dem keineswegs klar ist, ob er je wieder aufgeholt werden wird.

Doch nicht nur Anleger, die direkt in Wirecard Börsen-Chart zeigen investiert haben, sind von dem Kursverlust betroffen. Seit dem September vergangenen Jahres ist das Unternehmen Mitglied im exklusiven Kreis der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften, die von der Börse im Leitindex Dax zusammengefasst werden. Damit trifft die aktuelle Wirecard-Misere eine Vielzahl weiterer Anleger, und zwar jene, die an Fonds beteiligt sind, deren Zusammensetzung sich am Dax orientiert.

Insbesondere in Deutschland dürfte es sich dabei um eine Vielzahl von Investoren handeln: Die Geldanlage an der Börse gilt hierzulande zwar vielen als riskant und unvernünftig. Wer den Aktienmarkt dennoch in seine Finanzplanung einbezieht, tut dies jedoch zumeist auf dem indirekten Wege über Fonds.

Viele dieser Investoren dürften angesichts der aktuellen Turbulenzen bei Wirecard nun ebenfalls zumindest ein leichtes Ruckeln in ihren Depots verspüren. Zwar verfügt das Tech-Unternehmen mit einem Anteil von knapp 1,8 Prozent am Dax Börsen-Chart zeigen nur über ein vergleichsweise geringes Gewicht in dem Index. Zum Vergleich: Schwergewichte wie der Software-Konzern SAP Börsen-Chart zeigen oder der Versicherungsriese Allianz Börsen-Chart zeigen kommen auf Anteile von rund 9 sowie beinahe 10 Prozent am Dax-Kuchen. Die schwache Gewichtung von Wirecard ist im aktuellen Fall jedoch nur ein schwacher Trost. Denn wenn ein Aktienkurs im zweistelligen Prozentbereich einbricht, dann wirkt sich dies auch bei kleinen Dax-Werten merklich auf die Index-Performance aus.

Zu den betroffenen Fondsinvestoren zählen dabei keineswegs ausschließlich die Käufer von Indexfonds auf den Dax. Diese sogenannten ETFs (Exchange Traded Fonds) bilden die Dax-Zusammensetzung eins zu eins nach und sind daher praktisch gezwungen, auch Wirecard-Aktien zu halten.

Vielmehr gibt es auch viele Manager aktiv verwalteter Investmentfonds, die sich bei ihren Kauf- und Verkaufentscheidungen zumindest am Dax orientieren. Auch in den Portfolios dieser Fonds dürften sich also vielfach die Papiere von Wirecard befinden.

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