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06.09.2013
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Finanzmärkte
Die Suche nach dem Spielmacher

Von Arne Gottschalck

Taktgeber: An Fed-Chef Ben Bernanke orientierten sich die Investoren. Sein Abschied steht fest - nicht aber sein Nachfolger
REUTERS

Taktgeber: An Fed-Chef Ben Bernanke orientierten sich die Investoren. Sein Abschied steht fest - nicht aber sein Nachfolger

Die möglichen Nachfolger von Fed-Chef Ben Bernanke bringen sich in Stellung, Angela Merkel und Peer Steinbrück ringen derweil ums Kanzleramt - und Investoren weltweit schauen hin. Denn Personalwechsel können Märkte prägen.

Hamburg - Während die Fußballwelt über den Transfer von Mezut Özil von Real Madrid zu Arsenal London spricht, stehen für Börsianer derzeit ganz andere Personalrochaden im Vordergrund. Wer führt künftig Deutschland, das die Konjunkturlokomotive in Europa ist? Und vor allem - wer folgt auf Ben Bernanke, der die einflussreichste Notenbank der Welt leitet? Wie wichtig dieser Spielmacher im weltweiten Finanzgefüge ist, zeigen die jüngsten Entwicklungen der Weltbörsen.

Kaum signalisierte der Fed-Chef im Frühsommer, die Anleihenkaufprogramme nicht ewig fortsetzen zu wollen, zuckten Investoren zusammen. Die Börsen sind derzeit so stark von der Geldflut, der "wall of money" abhängig, dass schon der Einstieg in den Ausstieg für eine Verkaufswelle sorgen kann.

Bernanke-Nachfolge: Larry Summers oder Janet Yellen?

Kein Wunder also, wenn die Hauptaspiranten auf Bernankes Thron, Larry Summers und Janet Yellen, ihre Glaubenssätze eher wolkig formulieren. Auch, um Investoren nicht zu irritieren. Gerade im Fall Summers wird gemunkelt, er sei im Vergleich zu Yellen ein "Falke", ein Hardliner also, der unter Umständen Leitzinsen schneller wieder anheben würde.

Finanzexperten wie George Goncalves von Nomura begründen die aktuelle Anleihenschwäche mit eben jener Möglichkeit, dass Summers an die Macht käme. Der Markt, eine einzige Interpretationsmaschine. Das zeigt auch die Wahl in Deutschland.

"Große Koalition wäre europafreundlicher"

Immerhin ist Deutschland das wirtschaftlich stärkste Land der Euro-Zone und damit am ehesten in der Lage, Hilfsprogramme für den Süden Europas zu beschließen und durchzuführen. Und mit einer rot-grünen Regierung unter Peer Steinbrück wäre das wahrscheinlicher als mit einer schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel.

"Eine große Koalition unter Einbeziehung der Sozialdemokraten dürfte etwas europafreundlicher ausfallen als eine Fortsetzung der schwarzgelben Koalition", sagt Gabriel Panzenböck, Rentenexperte der Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management. "Doch die wahre Bedeutung liegt darin, dass dann die Leichen im Keller nach oben gebracht werden und die drängenden Fragen angegangen werden, die der Bankenunion zum Beispiel oder nach einer Wirtschaftsförderung in Südeuropa."

Viel Raum also für Interpretationen. Derzeit fällt das Urteil der Investoren über Deutschland & Co. verhalten aus, der Dax Chart zeigen pendelt seit drei Monaten seitwärts. Keine schlechte Nachricht in der Welt der Investoren, die stets in Relationen rechnen - der türkische Leitindex ISE 100 büßte im gleichen Zeitraum 15 Prozent an Wert ein.

Kapitalflucht aus Emerging Markets

In der Tat sind die starken Kursverluste in der Türkei und in weiteren Emerging Markets so etwas wie ein Kollateralschaden der jüngsten politischen Entwicklungen. Sie leiden nicht nur unter der Syrien-Krise, sondern weiterhin unter den Ankündigungen von Noch-Fed-Chef Bernanke, das Anleihenkaufprogramm bald zu drosseln.

Überraschend ist die Kapitalflucht nicht, viel mehr eine Entwicklung wie aus dem Lehrbuch. Denn viele dieser aufstrebenden Länder haben ein hohes Leistungsbilanzdefizit - und sind abhängig vom Geld externer Investoren. Bleibt das Geld aus, kriseln die Länder. Die Amerikaner wollen sich mit ihrer Geldpolitik aber eben nicht der Probleme der Welt annehmen, schreibt Allianz-Experte Jörg Naumer.

"Merkels Mangel an Visionen ist Europas Achillesferse"

Unsicherheit hält Investoren davon ab, Geld zu investieren. So begrüßen die meisten Investoren auch das Bekenntnis der Europäischen Zentralbank zur "forward guidance", einer deutlicheren Kommunikation ihrer Zins- und Währungspolitik. "Ich lese etwas lieber in den Protokollen als erst später in den Erhebungen der Bundesbank", sagt Fondsmanager Panzenböck. Mehr Kommunikation könnte die Spekulation dämpfen.

"In meinen Augen ist Europas Achillesferse die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel", sagt Lars Christensen, Mitgründer und Vorstand der Saxo Bank. Er kritisiert vor allem Merkels "Mangel an Visionen" für den einheitlichen Währungsraum. "Politiker sollten auch neue Ideen und Visionen erarbeiten und nicht nur der Volksmeinung folgen. Das muss Merkel noch tun", so Christensen.

Die Sehnsucht nach einem Spielmacher, der eine klare Strategie ausgibt und keinen Raum für Zweifel lässt - sie herrscht nicht nur auf dem Fußballplatz.

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