Sonntag, 17. Dezember 2017

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Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Warum Anleger jetzt einen Blick auf Airbus werfen sollten

Airbus A350 in Kuala Lumpur: Der Flugzeugbauer hat Probleme, doch der langfristige Ausblick ist positiv

Wer dieser Tage die Wirtschaftsnachrichten überfliegt, könnte schnell zu dem Urteil kommen, dass die weltweite Luftfahrtindustrie in einer großen Krise steckt. Anders wäre es wohl kaum zu erklären, weshalb die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin Insolvenz anmelden musste und seit Jahren die Fluggesellschaften die Flugpreise senken, im Kampf um jeden Kunden. Doch hintergründig stecken allein ein ruinöser Wettbewerb der Fluggesellschaften untereinander und unternehmensspezifische Gründe bei Air Berlin hinter den Negativmeldungen, denn das weltweite Passagieraufkommen steigt weiterhin und zwar weltweit dynamisch an.

Markus Zschaber

Wer davon profitieren will, kann natürlich in Fluggesellschaften investieren, welches hinsichtlich der vielen verschiedenen Unwägbarkeiten wie Streiks, Unfällen und einer ungewissen Ölpreisentwicklung wenig verlockend klingt. Viel interessanter könnte da ein Investment in Flugzeugbauer wie Boeing Börsen-Chart zeigen und Airbus Börsen-Chart zeigen sein, die den Markt duopolartig unter sich aufteilen.

Vor allem wenn man sich die aktuellen Prognosen zum weltweiten Flugaufkommen einmal anschaut. Denn bis 2035 soll sich die Anzahl von Flugzeugen von heute 20.000 Maschinen auf 40.000 Maschinen weltweit verdoppeln. Zusätzlich werden bis 2035 etwa zweidrittel der heutigen Flugzeuge durch neue ersetzt werden müssen. Grund genug sich den europäischen Flugzeugriesen Airbus einmal etwas genauer anzuschauen.

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Airbus bündelt als zweitgrößter Flugzeugbauer der Welt sein Geschäft in drei verschiedene Sparten, in "Kommerzielle Luftfahrt", "Helikopter" und "Verteidigung und Raumfahrt". Der Gesamtumsatz von Airbus belief sich im Jahr 2016 auf rund 66,5 Milliarden Euro, wovon rund dreiviertel im Bereich der kommerziellen Luftfahrt erzielt wurden. Das Ebit sank 2016 um 44 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Grund dafür waren vor allem Probleme mit dem Militärtransportflugzeug A400M und diverse Restrukturierungskosten. Diese schwache Gewinnentwicklung führte dann 2016 auch zu einer eher verhaltenen Entwicklung der Aktie. Auch das Zahlenwerk des ersten Halbjahrs 2017 war, wie zuvor allerdings auch erwartet, eher enttäuschend.

Der Umsatz stagnierte und die Erträge in allen Sparten waren rückläufig. Da die niedrigen Erwartungen an das Ergebnis allerdings übertroffen wurden und Airbus die Jahresziele 2017 bestätigte, konnte sich die Airbus-Aktie aus der Seitwärtsbewegung nach oben lösen. Ein weiterer Grund für die schwächeren Zahlen liegt bei einem Triebwerkzulieferer von Airbus, der mit technischen Problemen seiner neuen, sparsameren und leiseren Triebwerke kämpft. Somit konnten im zweiten Quartal weniger Flugzeuge als geplant ausgeliefert werden, was das Zahlenwerk des ersten Halbjahres verzerrt. Daher sind die aktuellen Probleme nicht ausschließlich bei Airbus, sondern auch beim Zulieferer zu suchen. Doch nun fragen sich viele Anleger selbstverständlich, wie es weiter geht und wie lange die Durststrecke beim größten europäischen Flugzeugbauer noch anhalten wird.

Der selbst aufgestellte Ausblick des Unternehmens verspricht zumindest eine deutliche Belebung und Aufhellung in der zweiten Jahreshälfte. So will Airbus im Gesamtjahr erstmals in der Historie mehr als 700 Flugzeuge innerhalb eines Jahres an seine Kunden ausliefern. Das um Sondereffekte bereinigte Ebit und der bereinigte Gewinn pro Aktie sollen im mittleren einstelligen Bereich zulegen. Dies sind durchaus ambitionierte Ziele im Hinblick auf das Zahlenwerk des ersten Halbjahres und auch wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Triebwerksprobleme immer noch nicht endgültig gelöst sind.

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Diese Probleme führen nämlich dazu, dass die Fluggesellschaften nur sehr zaghaft die Maschinen in Betrieb nehmen, teilweise sogar die Übernahme von bestellten Flugzeugen von Airbus verweigern, bis die Probleme endgültig beseitigt werden. So muss schlussendlich bis zu den Zahlen des dritten Quartals abgewartet werden, ob es Airbus tatsächlich gelingt, die Ziele für das Jahr 2017 zu erfüllen. Hier könnte es zunächst durchaus zu einer punktuellen Enttäuschung der Anleger kommen.

Doch viel entscheidender ist der langfristige Ausblick der Flugindustrie im Allgemeinen, denn um den weltweiten Flugzeugbestand bis 2035 zu verdoppeln und um die weltweit steigenden Passagierzahlen bedienen zu können, muss die Branche jährlich um rund 4 Prozent wachsen. Dieser zugrunde liegende Wachstumstrend verläuft natürlich nicht gradlinig, sondern eher in Wellenbewegungen, so dass es gute Jahre geben wird, in denen die Flugzeugbauer stärker wachsen, und Jahre, in denen die Flugzeugbauer langsamer wachsen oder vielleicht sogar stagnieren.

Airbus befindet sich derzeit sicherlich in einer solchen schwierigen Phase, wobei einige der Probleme, wie die Probleme mit dem Militärtransporter A400M hausgemacht sind. Für langfristig orientierte Anleger ist Airbus sicherlich eine sehr interessante Anlagemöglichkeit. Gerade punktuelle Schwächephase laden zum Einstieg ein. Eine Aktie die je nach Marktlage immer mal wieder in den Depots unserer Kunden zu finden ist.

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