Mittwoch, 28. Juni 2017

Börsenprofi Carsten Mumm erklärt - alles zum Thema Eurokurs Währungskrieg 3.0 - kann es überhaupt Gewinner geben?

"Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist."
Benjamin Franklin (1706-1790)

Von der Golddeckung zur wundersamen Geldvermehrung

Carsten Mumm
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    Donner & Reuschel
    Carsten Mumm Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Um den aktuellen Wettstreit zwischen Euro und Dollar zu verstehen, lohnt ein Blick in die Historie: In den Anfängen der heutigen Geldsysteme war eine wichtige Voraussetzung verankert, nämlich dass Geld nur in bestimmter Menge vorhanden war und zu Zeiten der "Golddeckung" exakt der hinterlegten Menge an physischem Edelmetall entsprach. Man ersparte den Besitzern der Edelmetalle durch die Einführung von Papier-Äquivalenten schlichtweg den komplizierten Transport und die riskante Aufbewahrung. Sie entstanden indem von sogenannten Geldverleihern Quittungen zur Bestätigung der Hinterlegung ausgestellt wurden.

Damit war es auch möglich, als Preis der temporären Verleihung einen gewissen Zins einzuführen. Ein fungibles Tauschmittel war geboren, es ermöglichte von nun an den handelnden Menschen in einfacher Weise gegenseitige Leistungsansprüche zu erfüllen. Das System scheiterte letztendlich aber an der mangelnden Verfügbarkeit neuer Hinterlegungsscheine, denn das notwendige Gold Börsen-Chart zeigen war in seinem Umfang nur zu beschränkt vorhanden, um die wachsenden Bevölkerungen mit ausreichend Tauschmittel auszustatten.

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Über mehrere Zwischenlösungen bildeten sich irgendwann staatliche Ausgabestellen von Geld, die wir heute als Notenbanken kennen. In den heutigen Volkswirtschaften arbeiten wir mit einem ungedeckten Papiergeldsystem, das von unabhängiger Seite an die Leistungsfähigkeit einer jeweiligen Produktionsgesellschaft und deren Vermögen gekoppelt ist. Die verfügbare Geldmenge soll also möglichst kongruent zur gesamten Gütermenge und vorhandenen Produktionspotenzialen sein.

Über moderne Kredit- und Geldschöpfungsmechanismen kommt man dann in die Neuzeit, in der mit Beginn der Finanzkrise frisch geschaffenes Geld sogar eingesetzt wird, um Staaten und Banken mit ausreichender Liquidität auszustatten. Hier verlieren wir den Bezug zur Sachwertebene, Geld ist heute ausreichend vorhanden und orientiert sich in seinem Wert an ökonomischen Parametern wie Beschäftigung, Wachstum und Dynamik einer Gesellschaft. Die verschiedenen Geldwerte einzelner Staaten untereinander werden je nach verfügbarer Menge, Reputation und Entwertungsraten (Inflation) gehandelt und täglich einer neuen Bewertungsrelation zugeführt. Heute umfasst der Devisenmarkt ein tägliches Handelsvolumen von etwa zehn Billionen US-Dollar, was wiederum 50 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts eines ganzen Jahres ausmacht.

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