Sonntag, 18. November 2018

Drohende Eskalation des Handelskrieg mit China verunsichert Investoren Volvo-Eigner Geely legt Börsenpläne auf Eis

Geely-Chef und Volvo-Eigentümer Li Shufu (Bild Archiv) in der Volvo-Fabrik in Chengdu

Insbesondere schwedische Pensionsfonds scheinen kalte Füße bekommen zu haben. Volvo-Eigentümer und Geely-Chef Li Shufu legt deshalb den geplanten Börsengang auf Eis. Er fürchtet wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China zu große Verwerfungen für das Geschäft.

Der schwedische Autobauer Volvo Cars hat seine Börsenpläne vorerst gestoppt. Der chinesische Autobauer und Eigentümer Geely fürchte negative Auswirkungen der schwelenden Handelskonflikte zwischen den USA, China und Europa, berichtet die "Financial Times" (FT) am Montag (kostenpflichtig).

Volvo-Chef Hakan Samuelsson sagte der Zeitung, die Ergebnisse der Handelsgespräche zwischen den drei Blöcken seien "wirklich schwer vorherzusagen". Die Bedingungen für ein Listing seien derzeit "nicht optimal", es bräuchte aber "stabile Verhältnisse".

Vor gut zwei Wochen noch hatte die gleiche Zeitung berichtet, Geely käme mit der Vorbereitung des Börsengangs gut voran. Nun aber scheinen insbesondere schwedische Pensionsfonds auf die Bremse zu treten. Sie befürchteten wegen des schwelenden Handelskonflikts, dass der Aktienkurs nach der Notierung schnell einbrechen könne. "Wir müssen auch ein Jahr nach dem Börsengang den Investoren ins Auge sehen können", sagte Samuelsson der Zeitung. Einen neuen Termin nannte er nicht. Die Entscheidung treffe letztlich Geely-Chef Li Shufu.

Produktion des SUV XC60 Sport für die USA aus China abgezogen

Wie alle großen Autohersteller sieht sich Volvo einem drohenden globalen Handelskrieg mit erheblichen Strafzöllen ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump hatte erst am Wochenende Sonderzölle in Höhe von 200 Milliarden Dollar auf Produkte aus China angedroht, die "sehr bald" verhängt werden könnten. Sonderzölle in dieser Höhe bedeuteten eine dramatische Eskalation des Handelskonfliktes. Tatsächlich in Kraft sind gegenwärtig US-Sonderzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar sowie Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Setzte Trump seien Drohungen gänzlich um, wären alle Importe aus China mit Sonderzöllen belegt.

Nur noch für den chinesischen Markt: Volvo Produktion in der chinesischen Fabrik in Chengdu

Volvo Cars betreibt Werke in China und Europa sowie ein neu errichtetes Werk in den USA. Um Strafzöllen der USA zu entgehen, hatte der Autobauer bereits im Juli angekündigt, den SUV XC60 Sport für den US-Markt künftig nicht mehr in China zu produzieren, sondern in Schweden. Im chinesischen Chengdu würden aber die Autos weiter für den chinesischen Markt vom Band laufen.

Experten rechneten schon länger mit einem Börsengang von Volvo Cars, da Geely-Eigentümer Shufu auf einer vielbeachteten Einkaufstour war und ihm frisches Kapital gelegen käme. So war Li Shufu nicht nur beim LKW-Hersteller Volvo Group eingestiegen, sondern im Februar auch zum größten Einzelaktionär von Daimler mit fast 10 Prozent aufgestiegen. Volvo Cars ist unabhängig vom schwedischen Nutzfahrzeughersteller Volvo Group, der bereits an der Börse notiert ist.

Geely hatte Volvo Cars im Jahr 2010 von Ford übernommen. Nach milliardenschweren Investitionen und unter Führung von Samuelsson entwickelt sich der Autobauer gut, vor allem mit ihren SUV-Modellen feiern die Schweden Erfolge. Vergangenes Jahr verkaufte Volvo Cars 570.000 Autos. Allerdings liegt die operative Marge mit 6,4 Prozent noch deutlich unter der von Premium-Rivalen wie BMW und Mercedes-Benz. Deshalb hatten Analysten daran gezweifelt, ob das Ziel von 30 Milliarden Dollar Emissionserlös realistisch ist.

Laut Reuters hatte Geely die Banken Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley mit den Vorbereitungen für einen Börsengang beauftragt.

mit Reuters

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