Mittwoch, 24. Mai 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Volkswagen-Manipulationen in den USA VW, Toyota, GM - wenn Autoriesen gegen die Wand fahren

VW Golf im Crashtest: Welchen Schaden wird der VW-Konzern aus dem Manipulationsskandal davontragen?

2. Teil: Toyota - nach dem Albtraum zurück an die Weltspitze

Christoph Rottwilm auf Twitter
Doch auch dafür gibt es Vorbilder - selbst in der Autoindustrie. Das prominenteste Beispiel ist wohl Toyota Börsen-Chart zeigen. Der japanische Konzern hatte sich gerade zum größten Autobauer der Welt gemausert, als Anfang 2010 sein vor allem amerikanischer Albtraum begann. Wegen angeblich klemmender Gaspedale musste das Unternehmen mehrere Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Berichte machten die Runde, aufgrund des angeblichen Defekts habe es bereits hunderte Unfälle gegeben, mit mehreren Dutzend Toten.

Als Konsequenz wurde in den USA sogar der Verkauf bestimmter Toyota-Modelle gestoppt. Und ähnlich wie Volkswagen sollte auch Toyota Mängel vertuscht und die Öffentlichkeit belogen haben.

Und damit nicht genug: Kurze Zeit später musste Toyota noch einmal mehrere Hunderttausend Autos zurückrufen, diesmal wegen Problemen mit der Bremsung. Spätestens damit hatten die Japaner, die jahrelang als führend bei der Qualität gegolten hatten, zusätzlich zu den technischen und juristischen Querelen auch noch ein massives Imageproblem.

Die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen blieben nicht aus. Hatte Toyota 2009 auf dem US-amerikanischen Markt noch 1,77 Millionen Fahrzeuge verkauft, so waren es 2011 nur noch 1,64 Millionen. Der Gesamtmarkt in den Vereinigten Staaten legte zur gleichen Zeit - der Lehman-Schock und die Wirtschaftskrise waren gerade leidlich überstanden - von 10,4 Millionen auf 12,8 Millionen verkauften Autos zu.

Toyotas Börsenwert hat sich inzwischen verdoppelt

Zu allem Überfluss wurde der japanische Autoriese 2011 auch noch vom schweren Erdbeben, das Japan im März des Jahres erschütterte, und dem darauf folgenden Tsunami hart getroffen. Einige Fabriken mussten zeitweise stillgelegt werden, der Gewinn brach massiv ein.

Klar, dass sich all das auch am Aktienkurs ablesen lässt. Allein zwischen dem 21. Januar und dem 4. Februar 2010 stürzte das Papier im hiesigen Handel von 32 Euro auf 26,20 Euro - ein Minus von fast 20 Prozent innerhalb von lediglich zehn Handelstagen. Der Börsenwert des Konzerns schrumpfte 2011 gegenüber 2010 um etwa zehn Milliarden Euro und damit um mehr als 10 Prozent.

Die gute Nachricht lautet jedoch: Toyota hat sich inzwischen wieder mehr als berappelt. Im vergangenen Jahr stimmte der Konzern in den USA einer Zahlung von 1,2 Milliarden Dollar Strafe zu und dürfte damit juristisch einen Schlussstrich unter die Affäre gezogen haben. Zuvor hatte Toyota als Konsequenz aus der Rückrufwelle bereits sein Qualitätsmanagement komplett umstrukturiert, was kurioserweise zu noch mehr Rückrufen seitens des Konzerns führte, weil dies Teil der Qualitätssicherung ist.

Schon im ersten Halbjahr 2012 war Toyota mit knapp fünf Millionen verkauften Autos weltweit wieder die Nummer eins. In den USA brachte der Konzern in jenem Jahr insgesamt knapp 2,1 Millionen Fahrzeuge an den Mann oder die Frau. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das ein Plus von beinahe 30 Prozent im US-Absatz. Zum Vergleich: Der gesamte US-Automarkt legte gleichzeitig um lediglich rund 13 Prozent zu.

Das Comeback Toyotas lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Das Papier notierte im März dieses Jahres auf dem Höchstkurs von mehr als 66 Euro. Der Börsenwert des Autobauers hat sich gegenüber der Krise 2010/2011 damit bis heute ungefähr verdoppelt.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH