Mittwoch, 28. September 2016

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Geldanlage Investoren verlieren ihren Stoßdämpfer

Börse Moskau: Abwärts im Strudel der politischen Ereignisse

Die Euro-Krise ist aus dem Scheinwerferlicht verschwunden. Dort steht nun die Krim-Krise, glauben Investoren. Nein, sagen Tobias Klein und Richard Zellmann von First Private. Denn die Bedrohung sei eine andere. Und sie wird zuschlagen.

mm: Die Krise ersetzt die Krise - die Euro-Krise scheint vorbei, nun droht die Krim-Krise. Was soll der Investor mit so einem Umfeld anstellen?

Zellmann: Streuen und mischen, und dabei sollte er sowohl Alpha als auch Beta im Auge haben. Die eine Strategie nimmt nur die Marktchancen wahr, die andere versucht gezielt, zusätzliche, marktunabhängige Erträge zu erwirtschaften.

mm: Lange ging das mit Anleihen ja erstaunlich gut.

Klein: Genau. Jedes Jahr gab es stete Erträge. In einem Portfolio funktionierten die wie ein Stoßdämpfer. Denn wenn Sie wissen, dass Sie in einem Jahr beispielsweise 5 Prozent Plus mit den Anleihen machen, dann können sie auf der anderen Seite auch Risiken eingehen.

mm: Heute gelten Anleihen selbst als Risiko.

Zellmann: Genau; sie erwirtschaften kaum Zinsen und bergen Risiken, wie man an Italiens oder Spaniens Staatsanleihen zwischenzeitlich gesehen hat. Der Stoßdämpfer ist also kaputt.

mm: Also stellen die Profiinvestoren ihre Portfolien um. Weg von Anleihen, hin zu - ja, zu was eigentlich?

Klein: Das tun sie leider nicht, zumindest nicht alle. Viele schauen zurück und sehen, was Anleihen geleistet haben. Und das war ja lange sehr ansprechend. Also nutzen sie Anleihen auch weiter, schreiben die Vergangenheit einfach in die Zukunft weiter.

mm: Und wenn die Zentralbanken der Welt die Zinsen anheben …

Zellmann: … haben diese Investoren ganz massive Probleme.

mm: Was bleibt denn als Alternative?

Klein: Auch wenn es abgegriffen klingt: Aktien.

mm: Sind die nicht schon zu teuer geworden?

Klein: Das kommt darauf an. Emerging Markets zum Beispiel stehen seit vier Jahren still. Aber auch eine gute Auswahl europäischer Value-Titel bietet bei gut 4 Prozent Dividendenrendite immer noch ein erheblich besseres Chance-Risikoverhältnis als das "zinslose Risiko" von Anleihen. Denn das Gewinnwachstum der Unternehmen hat mit der Kursentwicklung standgehalten und noch steht die große Anlagewelle aus.

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