Donnerstag, 20. September 2018

Börsenprofi Carsten Mumm erklärt So wirken sich US-Strafzölle auf deutsche Aktien aus

Stahlarbeiter bei der Salzgitter AG: Strafzölle auf Stahl und Aluminium sollen US-Firmen vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen, so US-Präsident Trump.

In den vergangenen zehn Jahren entwickelten sich deutsche und US-amerikanische Aktien gemessen an den jeweiligen Standardaktienindizes Dax und S&P 500 nahezu gleich - bis November 2017. Seitdem hinkt der Dax deutlich hinterher. Die seit dem 31. Oktober 2017 entstandene Performancelücke beläuft sich mittlerweile auf knapp 15 Prozent. Während der S&P 500 über 5 Prozent zulegen konnte, verlor der Dax Börsen-Chart zeigen im gleichen Zeitraum fast 10 Prozent.

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    Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapital-marktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Seit Monaten suchen Analysten und Portfoliomanager nach der Erklärung. Die genannten Gründe reichten von den Auswirkungen der US-Steuerreform über die Stärke des Euro bis zur politischen Unsicherheit angesichts der langwierigen Regierungsbildung in Deutschland.

Zudem wurden US-Aktienindizes insbesondere von den großen Technologie-Aktien wie Microsoft Börsen-Chart zeigen oder Alphabet Börsen-Chart zeigen getrieben. Technologietitel sind im Dax wiederum vergleichsweise deutlich unterrepräsentiert. So richtig plausibel aber waren alle genannten Aspekte nicht, um das Ausmaß der jüngsten Underperformance zu erklären.

Seit Ende Februar jedoch gibt es einen handfesten Grund, deutsche Aktien zu meiden. Zunächst kündigte US-Präsident Donald Trump an, kurzfristig Zölle auf Stahl- und Aluminium-Importe zu erheben. Es folgte die sofortige Retoure durch EU-Kommissionspräsident Juncker: die EU würde im Gegenzug diverse US-amerikanische Importwaren mit Abgaben belegen. Trump wiederum holte zum verbalen Rundumschlag aus und nahm Autoimporte ins Visier. Spätestens jetzt war die Lust der Anleger auf deutsche - besonders exportabhängige Aktien - vergangen.

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In den letzten Jahrzehnten hatten die USA nahezu durchgehend ein Defizit im Außenhandel zu verzeichnen. Im Vorfeld der Immobilienmarktkrise erhöhte es sich zeitweise sogar auf bis zu 6 Prozent bezogen auf das gesamte US-Brutto-Inlandsprodukt (BIP), unter anderem weil ausländische Konsumgüter wie beispielsweise deutsche Autos bei Amerikanern sehr beliebt waren. So stiegen die Importe im Zeitraum von 2002 bis 2006 deutlich stärker als die Exporte. Seit 2008 jedoch hat sich das Defizit verringert und lag bis heute zwischen 2 Prozent und 3 Prozent.

In den Augen von Präsident Trump ist der dauerhafte Überschuss der Importe gegenüber den Exporten auf unfaire Praktiken der internationalen Handelspartner zurückzuführen. Importsteuern sollen dieses Missverhältnis jetzt korrigieren und die heimische Produktion beflügeln. Der durchschnittliche Stahlpreis auf dem heimischen Markt soll erhöht und die Margen für die amerikanische Stahlindustrie gesteigert werden. Damit könnten - so die Hoffnung - die angeschlagenen Unternehmen wieder neue Arbeitsplätze schaffen.

Anteil der Stahlbranche am BIP relativ gering

Allerdings liegt der Anteil der Stahlbranche am gesamten US-BIP bei gerade einmal rund 1 Prozent. Während Anfang der 1950er Jahre noch mehr als 600.000 Arbeitnehmer in der Stahlindustrie beschäftigt waren, sind es heute weniger als ein Viertel der damals Beschäftigten.

Die Aktienindizes reagierten trotzdem weltweit mit spürbaren Abschlägen. Europäischen und asiatischen Produzenten würde der Zugang zum US-Markt deutlich erschwert. Deutschlands Anteil an den Stahlimporten ist im Vergleich zu anderen Staaten, wie etwa Kanada oder Brasilien, jedoch relativ gering.

Die Entwicklung des Dax Börsen-Chart zeigen ist daher auch nicht nur durch die mögliche Belastung des Stahlsektors zu erklären. Zwar sind die USA der wichtigste Abnehmer deutscher Stahlexporte, insgesamt sind aber mit rund 5 Prozent des gesamten Stahlabsatzes mögliche Umsatzverluste zu verschmerzen.

Viel mehr sorgt die Angst vor einem ausufernden Handelskrieg, der insbesondere Staaten mit einem starken Exportsektor - neben Deutschland auch viele Schwellenländer - betreffen würde, für Verunsicherung.

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