Mittwoch, 19. September 2018

Türkische Notenbank greift ein Türkische Lira startet Erholungsversuch

Stabilisierungsversuch: Die türkische Lira hat sich am Dienstag etwas von ihren heftigen Kursverlusten in den vergangenen Tagen etwas erholt. Im Vormittagshandel stieg die Lira zum amerikanischen Dollar und zum Euro um jeweils mehr als fünf Prozent im Wert. Auch andere Währungen von Schwellenländern erholten sich im Fahrwasser der Lira. Zuvor waren etwa der südafrikanische Rand oder der russische Rubel erheblich unter Druck geraten.

Fachleute sehen einen Grund für die Kursgewinne in dem Eingreifen der türkischen Notenbank am Montag. Die Zentralbank hatte die Liquidität der türkischen Banken erhöht und so für etwas Zuversicht gesorgt. "Der erste Schrecken der Lira-Krise scheint verdaut zu sein", kommentierten Devisenexperten der Commerzbank. Allerdings sei es noch zu früh, um Entwarnung zu geben.

So sind die Verluste der Lira auch nach den jüngsten Gewinnen immer noch drastisch. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung der Türkei gegenüber Dollar und Euro um jeweils etwa 40 Prozent an Wert verloren.

40 Prozent Wertverlust seit Jahresbeginn

Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich vor der jüngsten Erholung der Lira. Am Dienstagmorgen war die indische Rupie zum Dollar auf ein Rekordtief gefallen. Am Montagabend hob die argentinische Zentralbank ihren Leitzins deutlich an, um dem ebenfalls unter Druck stehenden Peso zu stützen. "Wie es nun weitergeht, hängt zum einen davon ab, wie sich die türkischen Hauptakteure verhalten, aber sicherlich auch, wie andere Zentralbanken die Auswirkungen der Krise auf die eigenen Volkswirtschaften einschätzen", hieß es von der Commerzbank.

Die wieder anziehende türkische Lira hat am Dienstag für steigende Kurse an der Istanbuler Börse gesorgt. Nach seinem Einbruch in den vergangenen zwei Handelstagen kletterte der türkische Leitindex ISE 100 kurz nach dem Handelsbeginn um mehr als 2 Prozent. Der Wertverfall der türkischen Lira stoppte am Morgen, die Lira legte am Morgen zu wichtigen Währungen wie Dollar und Euro jeweils um rund 5 Prozent zu.

Börse in Istanbul zieht wieder an

Auch andere Währungen von Schwellenländern erholten sich im Fahrwasser der Lira. Zuvor waren etwa der südafrikanische Rand oder der russische Rubel erheblich unter Druck geraten. Zudem war am Dienstagmorgen die indische Rupie zum Dollar auf ein Rekordtief gefallen. Am Montagabend hatte die argentinische Zentralbank ihren Leitzins deutlich angehoben, um dem ebenfalls unter Druck stehenden Peso zu stützen.

Die Lira verliert schon seit Monaten an Wert, aber ein Streit mit den USA um das Schicksal des US-Pastors Andrew Brunson, der in der Türkei wegen Terrorvorwürfen festgehaltenen wird, hatte sie in den freien Fall befördert. Am Freitag hatte Präsident Donald Trump dann die Verdoppelung der Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Türkei verkündet.

Zentralbank ergreift Notfallmaßnahmen, Erdogan poltert

In seiner Rede vor der Botschafterkonferenz verschärfte der türkische Staatspräsident auch seine verbalen Angriffe gegen die USA und Trump. Ohne sie direkt zu erwähnen, nannte er die Vereinigten Staaten die "Kraftmeier des globalen Systems". An Trump gerichtet sagte er: "Du kannst nicht einfach aufwachen und sagen "ich führe diese Zölle auf Stahl und Aluminium ein. Das kannst Du nicht sagen"." Er verwies darauf, dass der Türkei als Nato-Partner damit "in den Rücken und die Füße geschossen" worden sei.

Erdogan deutete gar an, dass die Türkei bereit zu einem Krieg sei. Staaten, die Frieden wollten, müssten bereit zu Krieg sein, sagte er. "Wir sind bereit, mit allem, was wir haben." In Äußerungen vom Morgen hatte Außenminister Mevlüt Cavusoglu den USA Gesprächsbereitschaft signalisiert. Aufzwingen lasse die Türkei sich aber nichts.

Der Finanzminister und die Zentralbank hatten am Montag Notfallmaßnahmen ergriffen. Die Notenbank, die in der Krise lange unsichtbar geblieben war, ließ unter anderem verlauten, dass Banken sich zusätzliche Mittel in Fremdwährung leihen könnten. Es würden alle Schritte ergriffen, um die Finanzstabilität zu sichern.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH