Sonntag, 21. Oktober 2018

US-Hedgefonds Elliott macht Druck auf Hiesinger Paul Singer bestätigt Einstieg bei Thyssenkrupp

Paul Singer (rechts): Der Gründer vom US-Hedgefonds Elliot steigt bei ThyssenKrupp ein - und drängt auf die Absetzung von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger (links)
AFP; Reuters
Paul Singer (rechts): Der Gründer vom US-Hedgefonds Elliot steigt bei ThyssenKrupp ein - und drängt auf die Absetzung von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger (links)

Der Hedgefonds Elliott hat eine Beteiligung an dem Industriekonzern Thyssenkrupp bestätigt. Der Anteil überschreite dabei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die meldepflichtige Schwelle von 3 Prozent, teilte Elliott am Donnerstag mit. Es handele sich aber um eine "signifikante" Beteiligung.

Der Dax-Konzern habe einen "erheblichen Spielraum für operative Verbesserungen", so Elliott weiter. Der Hedgefonds des aktivistischen Investors Paul Singer kündigte zudem einen "konstruktiven" Dialog mit allen Beteiligten an, inklusive Aufsichtsrat und Management.

Die Aktie von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, die bereits nach ersten Gerüchten über einen Einstieg von Elliott um 10 Prozent gestiegen war, setzte am Donnerstag ihren Anstieg fort. Bereits vor wenigen Tagen hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über einen Einstieg Elliotts berichtet. Ein Ziel sei es, den Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger zu ersetzen.

Thyssenkrupp befindet sich im Umbruch: Hiesinger konzentriert sich derzeit auf die Zusammenführung des Stahlgeschäfts mit den europäischen Aktivitäten von Tata Steel. Der Konzern will sich von dem schwankungsanfälligen Stahlgeschäft trennen und stärker auf Industriegütergeschäfte wie Aufzüge oder Komponenten für die Autoindustrie setzen.

Nach der Stahlfusion wird von Hiesinger eine neue Strategie erwartet. Dabei steht der Manager unter Druck - vor allem Großaktionär Cevian ist das Umbautempo zu langsam. Der Investor forderte bereits wiederholt eine Zerschlagung - was Hiesinger jedoch ablehnt. Der Druck auf den Konzernchef dürfte mit dem Elliott-Einstieg zunehmen.

Verbündet Elliott sich mit Cevian?

Analyst Luke Nelson von JPMorgan wertete die Medienberichte rund um Singer nur kurzfristig positiv für die "Aktienstory" von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen . Auf mittlere Sicht blieben zahlreiche Fragen offen, sagte Nelson. So sei unklar, ob der bereits bei dem Industriekonzern aktive Großaktionär Cevian die gleichen strategischen Prioritäten habe.

Spekuliert wurde am Vortag, dass Elliott und Cevian sich mit einer kritischen Haltung zu Konzernchef Heinrich Hiesinger verbünden könnten. Sowohl Singer als auch Cevian sind bekannt dafür, sich aktiv in die Firmenpolitik einzumischen.

Thyssenkrupp treibt derzeit eine Fusion seines europäischen Stahlgeschäfts mit der indischen Tata Steel in den letzten Zügen voran. Durch den Schritt will das Unternehmen seine eigene Abhängigkeit vom Stahlmarkt weiter reduzieren - unter anderem, weil dieser weltweit mit Überkapazitäten zu kämpfen hat. Ein Schritt, der bei Cevian nicht auf ungeteilte Gegenliebe stößt. Der Investor fordert vielmehr eine komplette Zerschlagung des komplex aufgebauten Dax-Konzerns.

USA drohen mit Strafzöllen auf europäischen Stahl

Händler verwiesen bei Stahlwerten im Allgemeinen darauf, dass die Branche derzeit mit den Zollverhandlungen zwischen den USA und Europa im Blick stehe. Laut einem Artikel im "Wall Street Journal" wägt US-Präsident Donald Trump derzeit Maßnahmen ab, um die EU-Ausfuhren von Stahl und Aluminium in die USA um etwa 10 Prozent zu senken.

In Berufung auf Verhandlungsteilnehmer heißt es darin, dass die Zugeständnisse der EU zur Sicherung von Zollbefreiungen nicht den Forderungen des Weißen Hauses genügen. Andererseits hat die EU mehrfach betont, sich nicht von Trump erpressen zu lassen, und ihrerseits Strafzölle auf US-amerikanische Waren wie Whiskey, Jeans oder Harley-Davidson-Motorräder angedroht.

Cevian forderte bereits neue Strategie

Theoretisch könnte Elliott gemeinsame Sache mit dem schwedischen Finanzinvestor Cevian machen, der mit einem Anteil von rund 18 Prozent der zweitgrößte Einzelaktionär nach der Krupp-Stiftung mit rund 21 Prozent ist.

Cevian fordert seit langem von Hiesinger und dem Management eine schärfere Strategie. Dazu gehöre, dass nach dem Stahl auch alle anderen Bereiche des Mischkonzerns unter die Lupe genommen werden. Zu den Sparten gehören der Anlagen- und U-Boot-Bau, Aufzüge und Fahrtreppen, Autoteile oder der Werkstoffhandel. Dies könnte auf eine Zerschlagung von Thyssenkrupp hinauslaufen.

Auch die komplizierte Geschäftsstruktur von Thyssenkrupp, der etwa U-Boote aber auch Aufzüge baut, war Cevian zuletzt ein Dorn im Auge. Die Schweden forderten deshalb auf der Hauptversammlung im Januar die Aufspaltung des Unternehmens, setzten sich mit ihrer Forderung aber nicht durch.

la/dpa/rtr

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