Montag, 23. Oktober 2017

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Nach Tuchel-Rauswurf Darum sollten BVB-Aktionäre Watzkes Rücktritt fordern

Persönliche Animositäten: Der Abgang von Erfolgstrainer Tuchel beim BVB erscheint aus Sicht der Aktionäre inakzeptabel

Trainer Thomas Tuchel hat Borussia Dortmund sportlich und wirtschaftlich vorangebracht. Seine Entlassung erscheint daher aus Sicht der BVB-Aktionäre unprofessionell und ökonomisch unklug.

Der Rauswurf von Trainer Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund wird noch immer heiß diskutiert: Die einen schütteln den Kopf, weil Tuchels Erfolgsbilanz eigentlich einwandfrei ist, die anderen spekulieren über interne Querelen im Verein, die die Trennung angeblich unausweichlich gemacht haben sollen. Ein bemerkenswertes Phänomen bleibt dabei allerdings weitgehend unbeachtet: Der Kurs der BVB-Aktie reagierte auf den Trainer-Rauswurf so gut wie gar nicht.

Das ist an der Börse keine Selbstverständlichkeit. Wenn bei anderen Unternehmen die CEOs abtreten - und der Vergleich Trainer/CEO erscheint in diesem Fall durchaus angebracht -, hat das schon zu erheblichen Kursschwankungen geführt. Ein Beispiel ist der überraschende Wechsel von Topmanager Kasper Rorsted vom Konsumgüterhersteller Henkel Börsen-Chart zeigen zum Sportartikelproduzenten Adidas Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr. Die Nachricht erwischte die Anleger völlig unvorbereitet und ließ die Henkel-Aktie binnen Kurzem um 6 Prozent einbrechen. Gleichzeitig sprang das Adidas-Papier um 12 Prozent in die Höhe.

Zwar kam Tuchels Ende in Dortmund nicht so unerwartet wie seinerzeit jenes von Rorsted bei Henkel. Das Lied von der bevorstehenden "Trennung", wie der BVB den Rauswurf in einer Mitteilung beschönigend nannte, pfiffen vielmehr schon seit Wochen die Spatzen von den Dächern. Aber auch während dieser Zeit waren die Ungewissheit und die Spekulationen über Tuchels Schicksal dem Aktienkurs nicht anzumerken.

Die Gleichgültigkeit der Investoren verwundert umso mehr angesichts des vorangegangenen Kursverlaufs der BVB-Aktie: In den beiden Tuchel-Jahren befand sich das Papier auf einem Höhenflug, wie ihn die Anleger zuvor eher selten erlebt hatten.

Unmittelbar nach dem Börsengang im Jahr 2000, als das Schwarz-Gelbe-Papier zum Ausgabepreis von elf Euro in den Handel gekommen war, setzte der Kurs vielmehr erst einmal zu einer langen und schmerzhaften Talfahrt an. Als der Verein wenige Jahre später einen Schuldenberg von mehr als 100 Millionen Euro angehäuft hatte und zur Existenzrettung sogar das eigene Stadion verkaufen musste, war der Tiefpunkt erreicht: Die BVB-Aktie kostete zeitweise weniger als einen Euro.

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