Dienstag, 22. August 2017

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Börsenprofi Thomas Grüner zeigt Darum ist der Bullenmarkt noch längst nicht am Ende

Märkte werden maßgeblich von Faktoren beeinflusst, die sich in drei übergeordnete Kategorien einteilen lassen: Wirtschaft, Politik und Marktstimmung. Zu den wirtschaftlichen Einflussfaktoren sind Zinsstrukturkurven, BIP-Wachstumsentwicklungen und geldpolitische Maßnahmen zu zählen, politische Einflussfaktoren beinhalten politische Stabilität und das legislative Risiko. Marktstimmung (oder auch: das Sentiment) ist dagegen als "psychologische" Komponente zu verstehen. Sie spiegelt die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer wider, wobei Nachfrageänderungen wesentliche Auswirkungen auf die Preisbildung einzelner Anlageklassen haben. Gesammelt unter dem Oberbegriff "Behavioral Finance" ist die Analyse des Anlegerverhaltens und der zugehörigen Konsensbildung ein stetig wachsendes Forschungsfeld.

Thomas Grüner
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    Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer des Vermögens- verwalters Grüner Fisher Investments (www.gruener-fisher.de) mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Geschichte wiederholt sich nicht, dennoch sind in der gesamten Markthistorie sehr typische und wiederkehrende Verhaltensmuster in übergeordneten Zyklen zu beobachten. Das berühmte Zitat von Sir John Templeton: "Bull markets are born on pessimism, grow on skepticism, mature on optimism and die on euphoria" ist hierbei eine plakative Beschreibung für die Anlegerstimmung in Bullen- und Bärenmarktzyklen.

Phase 1 - Bullenmärkte werden in Pessimismus geboren

Bärenmärkte, die dem Start eines jeden Bullenmarkts vorangehen, beginnen selten mit dem großen Knall. Sie starten typischerweise mit leisem Gejammer und werden von einem zähen Übergang gefolgt, der Anlegern noch lange Zeit falsche Hoffnungen macht. Erst im letzten zeitlichen Drittel verschärft sich die Abwärtsdynamik und hinterlässt hochgradig pessimistische Anleger, die sich verzweifelt aus dem Markt zurückziehen.

Im finalen Tiefpunkt eines Bärenmarkts, welcher gleichzeitig den Startpunkt eines Bullenmarkts markiert, ist der Pessimismus am größten. Oftmals ist die erste Erholungsbewegung sehr dynamisch und sorgt für ein V-förmiges Tief, doch Anleger können ihren Pessimismus nicht so ohne weiteres abstreifen. Der Glaube ist weg, dass sich die Märkte wieder nachhaltig erholen können, die Zukunftsaussichten sind düster. Dementsprechend findet der erste dynamische Aufschwung nur mit einer relativ geringen Anzahl investierter Anleger statt. Märkte blicken in die Zukunft und beginnen ihren Aufwärtstrend, noch bevor rückwärts gerichtete Daten wie BIP-Wachstum in den Daten überhaupt sichtbar werden.

Phase 2 - Bullenmärkte wachsen in Skepsis

Mit zunehmender Erholung weicht Pessimismus langsam der Skepsis. Die Crash-Panik ist fürs Erste überwunden, aber der Aufschwung erscheint vielen Anlegern trügerisch. So bleibt der Argwohn nach wie vor bestehen, auch wenn sich die fundamentale Datenlage zusehends aufhellt. Korrekturen werden ängstlich als mögliche Rückkehr zur totalen Krise wahrgenommen, der Glaube an eine fortgesetzte Erholung ist gering.

Phase 3 - Bullenmärkte reifen in Optimismus

In der optimistischen Phase konnten zahlreiche Hürden bereits erfolgreich überwunden werden. Anleger kehren zu gewissen Automatismen zurück und streifen sukzessive ihre Vorsicht ab. Die positive Entwicklung der jüngsten Vergangenheit wird als Indikator für die Entwicklung der nahen Zukunft interpretiert und die Risikobereitschaft steigt. In der frühen optimistischen Phase können Korrekturbewegungen jederzeit verursachen, dass das Sentiment wieder in die Skepsis zurückfällt, in lang anhaltenden Aufwärtstrends kann sich die Sorglosigkeit ausprägen - eine Frühform der Euphorie.

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