Sonntag, 20. Januar 2019

Warum Amazon noch nicht zu teuer ist Geld verdienen im Buchhandel?

Amazon: Das Cloud Business ist wesentlich profitabler als der Warenhandel

Wer an das Geschäft des Buchhandels denkt, glaubt kaum, dass damit viel Geld zu verdienen ist. Buchhandel wird bei uns eher selten mit dem Verdienen von viel Geld in Verbindung gebracht. Buchhändler sind sympathische Menschen, denen es um die Vermittlung von Kultur geht, kaum jedoch um immens hohe Profite.

Es geht jedoch auch anders: Am 15. Mai 1997, also vor rund 20 Jahren, ging ein Buchhandelsunternehmen in New York zum Preis von 18 US-Dollar Aktie an die Börse. Der Gründer, ein Informatiker, hatte 1994 die Idee zu einem Buchgeschäft im damals gerade im Entstehen begriffenen Internet. Ein Jahr später wurde das erste Buch Online verkauft.

Ab 1998 waren auch Filme, Musik und Software im Angebot. Ab 2000 stellte sich die Plattform auch als Marktplatz für andere Anbieter zur Verfügung. Das ganze Geschäft verdiente aber, wie im Buchhandel nicht anders zu erwarten, kein Geld. Erst im IV. Quartal des Jahres 2001 wurde zum ersten Mal Geld verdient.

Wer die Aktie dieses Unternehmens, das übrigens Amazon Börsen-Chart zeigen heißt, am ersten Tag gekauft und bis heute behalten hat, kann sich über ein Plus von mehr als 55.000 Prozent freuen. Aus 10.000 US-Dollar wären mehr als 5 Millionen Dollar geworden.

Zur Person
Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius Management in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Aufsicht der Bafin.

Geschäftspolitik ist es immer gewesen, in langfristige Chancen zu investieren und nicht mit Blick auf kurzfristige Profitabilitätsüberlegungen oder kurzfristige Reaktionen der Wall Street. Damit hat die Firma Recht behalten. Im Schnitt der letzten 5 Jahre ist der Umsatz jedes Jahr um 22 Prozent gestiegen. Inzwischen setzt das Unternehmen 142 Milliarden Dollar um.

Der Gewinn pro Aktie ist im Schnitt der letzten 5 Jahre um 29 Prozent jährlich gestiegen. Die Voraussagen für die Steigerung in den nächsten 5 Jahren liegen bei 27 Prozent pro Jahr. Das Kursgewinnverhältnis für den erwarteten Gewinn des nächsten Jahres ist mit 86 allerdings optisch sehr hoch.

Aktie hoch bewertet - doch Cloud-Geschäft noch profitabler als der Handel

Es rechtfertigt und relativiert sich aber dadurch, dass das Unternehmen jahrelang in die Expansion investiert und geringe Gewinne ausgewiesen hat. Die Erntezeit mit dem Ausweis kräftig steigender Gewinne hat erst vor wenigen Jahren angefangen und dürfte auf längere Zeit erhebliche Gewinnsteigerungen mit sich bringen.

Zusätzlich zum allgemeinen Warenhandel betreibt das Unternehmen auch ein Geschäft im Cloud Business, das als noch wesentlich profitabler als der Handel gilt. Mancher Anleger wird sich angesichts dieses Erfolgsausweises fragen, ob sich denn der Einstieg noch lohnt.

Hier hilft ein Blick in die Vergangenheit. Alle paar Generation gab es große Umwälzungen im Einzelhandel, die dann die Branche prägten und einige Generationen lang anhielten und sehr hohe Gewinne ermöglichten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden viele Einzelhandelsgeschäfte von den aufkommenden Kaufhäusern verdrängt. Die schönen Kaufhauspaläste wie das KaDeWe in Berlin, die Galeries Lafayette in Paris und Harrods und Selfridges in London sind heute noch, über 100 Jahre nach ihrer Eröffnung, sehr profitable Geschäfte.

Raum für Wachstum - Wal Mart ist nach Umsatz immer noch größer als Amazon

Nach dem 2. Weltkrieg, also ungefähr 2 Generationen später, entwickelten sich die großen Discounter wie Wal Mart in Amerika und Aldi und Lidl in Deutschland. Diese Geschäfte sind innerhalb von ungefähr 60 Jahren, also wieder über etwa 2 Generationen hinweg, in beachtliche Größenordnungen gewachsen. Die Expansion für Aldi und Lidl in Deutschland dürfte sich in den kommenden Jahren verlangsamen, dafür sind aber beide Unternehmen in sehr lukrativen Auslandsmärkten wie England und USA auf Wachstumskurs.

Wal-Mart Börsen-Chart zeigen ist immerhin, nach Umsatz gemessen, ungefähr 3 mal so groß wie Amazon. Für Amazon bleibt damit schon im Heimatmarkt USA sehr viel Raum für weiteres Wachstum. Der stationäre Einzelhandel hat natürliche Grenzen in den Ländern der jeweiligen Aktivität. Wal Mart hat schon verschiedentlich versucht, in Europa im stationären Handel Fuß zu fassen, was aber nicht erfolgreich war. Aldi und Lidl sind zwar außerhalb Deutschlands jetzt in England und in USA und auch in einigen anderen Ländern aktiv, der Aufbau der Infrastruktur ist aber kompliziert, teuer und langwierig.

Amazon Börsen-Chart zeigen als elektronischer Handel kann sehr viel leichter und mit sehr viel geringeren Kosten als der stationäre Einzelhandel in viele weiteren Länder expandieren. Amazon ist heute in Deutschland überall vertreten, während Wal Mart es eben damals nicht geschafft hat, hier profitabel zu arbeiten und sich auszubreiten. Ähnliches gilt für viele andere Länder, wo Amazon noch wachsen kann, auch wenn die Wachstumsmöglichkeiten im Heimatmarkt eines Tages wegen der hohen Marktdurchdringung weniger werden. Das Wachstum dürfte dann nicht nur geografisch sein, sondern auch, wie jetzt durch die Übernahme von Whole Foods Market angestrebt, durch den Einstieg in den stationären Einzelhandel noch weiter vorangetrieben werden.

Hohes KGV muss Investoren nicht abschrecken - Rücksetzer nutzen

Bei langfristiger Betrachtung der Entwicklung des Einzelhandels in den letzten 150 Jahren ist anzunehmen, dass das revolutionäre Geschäftsmodell von Amazon noch viele Jahre überproportionalen Wachstums vor sich hat. Anleger sollten nach unserer Meinung sich nicht vom historischen hohen Kursgewinnverhältnis abschrecken lassen. Für den langfristigen Investor, der an den großen Umwälzungen im Einzelhandel teilnehmen möchte, sind Amazon-Aktien nach unserer Meinung auch jetzt noch ein Kauf.

Da das Technologiegeschäft schnelllebig ist, muss allerdings jederzeit mit größeren Kursschwankungen gerechnet werden. In einer Korrektur, vielleicht aufgrund einer allgemeinen Marktschwäche, oder auch eines vorübergehend schwächeren Gewinnwachstums von Amazon, kann die Aktie auch einmal 10 bis 20 Prozent nachgeben.

Derartige Kursrückgänge hat es immer gegeben und sie wurden immer in überschaubarer Zeit wieder aufgeholt. Wer 3 Jahre, besser noch 5 Jahre, Zeit hat und in dieser Zeit einen weit überproportionalen Kursgewinn anstrebt, ist nach unserer Meinung mit Amazon auch zu hohem Preis gut bedient.

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