Mittwoch, 19. September 2018

Erst Kursrutsch, dann Kursrally Der total verrückte Börsengang des Tesla-Konkurrenten Nio

NIO ES 8: Der rein elektrische SUV läuft seit Juni vom Band und ist in etwa nur halb so teuer wie Teslas Model X - bei vergleichbarer Leistung. Marktstart für Europa ist 2020 geplant. Ein zweites Model will NIO Ende des Jahres auf den Markt bringen.

Der chinesische Elektroautobauer Nio will eines Tages Tesla Konkurrenz machen - doch der Börsengang am Mittwoch in New York endete mit deutlichen Verlusten. Doch seit dem verkorksten Börsenstart hat sich der Kurs verdoppelt - Anleger greifen zu.

Für sein Börsendebüt hatte sich Tesla-Konkurrent Nio an die New Yorker Wall Street vorgewagt: Doch der Börsengang des chinesischen Elektroautobauers am Mittwoch wurde von Problemen seines Hauptrivalen Tesla deutlich belastet. Der Ausgabepreis der NIO-Aktien wurde mit 6,25 Dollar am unteren Ende der Spanne festgelegt, doch auch dies half zunächst nicht: Die Nio-Aktien tauchten am Tag ihres Börsendebüts zeitweise um mehr als 10 Prozent ab und schlossen am Mittwoch 5 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Doch am Donnerstag dann die Kehrtwende: Nio-Aktien legten im New Yorker Handel um knapp 80 Prozent zu und schossen zeitweise über die Marke von 11 Dollar hinaus. Damit wird das Unternehmen an der New Yorker Börse derzeit mit rund 10 Milliarden US-Dollar bewertet. Nio hatte nach Auskunft eines Insiders vor dem Börsengang sogar auf eine Marktkapitalisierung von bis zu 20 Milliarden Dollar gehofft.

Ob Käufer aus China für den verspäteten Kursschub sorgten, blieb zunächst offen. Auch am Freitag blicken Anleger gebannt auf den weiteren Verlauf der Nio-Aktie: Händler halten weitere Kursgewinne für möglich, so dass der chinesische Elektro-Autobauer doch noch auf ein versöhnliches Börsendebüt mit zwei Tagen Verspätung hoffen darf.

Doch auch der Nio-Kurs dürfte weiter stark schwanken: Branchenpionier Tesla kämpft mit Schwierigkeiten, seine Produktionsziele zu erreichen. Für Druck auf den Aktienkurs des Unternehmens sorgte zuletzt auch, dass Konzernchef Elon Musk zunächst über einen Rückzug von der Börse nachdachte, das Vorhaben dann aber aufgab.

NIO hat ein Konkurrenzfahrzeug zu Teslas Model X im Programm. Hinter dem Start-up-Unternehmen stehen der chinesische Internetkonzern Tencent, die Investmentfirmen Hillhouse Capital und Sequoia Capital sowie ein Beteiligungsfonds des chinesischen Suchmaschinenbetreibers Baidu.

Das eingesammelte Geld will Nio vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in Produktionsanlagen stecken. Angesichts der Elektroauto-Offensive der Regierung in Peking stocken zurzeit mehrere Anbieter in der Volksrepublik ihr Kapital auf. Auch die E-Auto-Hersteller WM Motor Technology und Xpeng Motor haben insgesamt mehrere Milliarden Dollar bei Investoren wie Alibaba Börsen-Chart zeigen , Baidu und Tencent eingesammelt. China will auf dem Zukunftsmarkt der alternativen Antriebssysteme einer der weltweit führenden Anbieter werden.


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Ebenso wie andere chinesischen Autobauer setzt auch Nio auf die lokale Produktion, um Tesla in Zukunft die Stirn bieten zu können. Nio häufte im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von rund 500 Millionen Dollar bei Umsätzen von knapp sieben Millionen Dollar an.

Supersportwagen NIO EP9: Das Elektrogefährt wird von vier 250 KW starken Motoren angetrieben, bringt es auf umgerechnet 1360 PS und 313 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Mit diesem Wagen stellte NIO 2016 das erste Automobil aus eigener Produktion vor

Im Juni startete Nio die Auslieferung des rein elektrisch betriebenen Geländewagens ES8, den der Konzern als Konkurrenz zu Teslas Model X sieht. Ende des Jahres soll ein zweiter Geländewagen zu einem günstigeren Preis folgen. Unterdessen treibt Tesla seine Pläne für ein neues Werk in Shanghai voran.

Nio hat bereits Jointventure-Vereinbarungen mit den chinesischen Autohersteller JAC und Chinas viertgrößtem Autohersteller Changan unterschrieben. Das dürfte die Produktion der Fahrzeuge vereinfachen. Beim Serienfahrzeug ES8 setzt Nio auf etablierte Zulieferer, so ist etwa Magna für das Aluminium-Chassis verantwortlich. Allerdings setzt Nio auf eigens entwickelte Batteriezellen. Noch ist nicht erkennbar, ob Nio einen Vorsprung in der Forschung nach leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Batteriezellen hat.

NIO beschäftigt etwa 5000 Menschen an 19 Standorten. William Li hatte den Autobuaer 2014. Ursprünglich nannte Li sein Startup NextCar. Im Jahr 2017 wurde der Firmenname jedoch in NIO geändert.

la/rei mit Reuters und dpa

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