14.09.2018

Erst Kursrutsch, dann Kursrally

Der total verrückte Börsengang des Tesla-Konkurrenten Nio

la/rei mit Reuters und dpa

Nio

NIO ES 8: Der rein elektrische SUV läuft seit Juni vom Band und ist in etwa nur halb so teuer wie Teslas Model X - bei vergleichbarer Leistung. Marktstart für Europa ist 2020 geplant. Ein zweites Model will NIO Ende des Jahres auf den Markt bringen.

Der chinesische Elektroautobauer Nio will eines Tages Tesla Konkurrenz machen - doch der Börsengang am Mittwoch in New York endete mit deutlichen Verlusten. Doch seit dem verkorksten Börsenstart hat sich der Kurs verdoppelt - Anleger greifen zu.

Für sein Börsendebüt hatte sich Tesla-Konkurrent Nio an die New Yorker Wall Street vorgewagt: Doch der Börsengang des chinesischen Elektroautobauers am Mittwoch wurde von Problemen seines Hauptrivalen Tesla deutlich belastet. Der Ausgabepreis der NIO-Aktien wurde mit 6,25 Dollar am unteren Ende der Spanne festgelegt, doch auch dies half zunächst nicht: Die Nio-Aktien tauchten am Tag ihres Börsendebüts zeitweise um mehr als 10 Prozent ab und schlossen am Mittwoch 5 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Doch am Donnerstag dann die Kehrtwende: Nio-Aktien legten im New Yorker Handel um knapp 80 Prozent zu und schossen zeitweise über die Marke von 11 Dollar hinaus. Damit wird das Unternehmen an der New Yorker Börse derzeit mit rund 10 Milliarden US-Dollar bewertet. Nio hatte nach Auskunft eines Insiders vor dem Börsengang sogar auf eine Marktkapitalisierung von bis zu 20 Milliarden Dollar gehofft.

Ob Käufer aus China für den verspäteten Kursschub sorgten, blieb zunächst offen. Auch am Freitag blicken Anleger gebannt auf den weiteren Verlauf der Nio-Aktie: Händler halten weitere Kursgewinne für möglich, so dass der chinesische Elektro-Autobauer doch noch auf ein versöhnliches Börsendebüt mit zwei Tagen Verspätung hoffen darf.

Doch auch der Nio-Kurs dürfte weiter stark schwanken: Branchenpionier Tesla kämpft mit Schwierigkeiten, seine Produktionsziele zu erreichen. Für Druck auf den Aktienkurs des Unternehmens sorgte zuletzt auch, dass Konzernchef Elon Musk zunächst über einen Rückzug von der Börse nachdachte, das Vorhaben dann aber aufgab.

Lucid Motors

Lucid Motors: Das US-Startup mit chinesischen Geldgebern im Rücken startete vor 10 Jahren als Batteriespezialist - seit 2014 arbeiten die Kalifornier an einem eigenen Auto. Ende 2016 präsentierten sie den Air, eine Limousine mit 1000 PS. Die Reichweite liegt bei gut 600 Kilometern dank einem 130 kWh großem Akku. Der Marktstart des Autos ist nun für 2020 geplant ...

Getty Images

... doch erstmal muss Lucid Motors Geld für den Bau einer Fabrik auftreiben. Lucid soll nun mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über einen Einstieg als Mehrheitsaktionär sprechen. Kopf des Projekts ist Peter Rawlinson, der einstige Chefingenieur von Teslas Model S (im Bild). Aber: Tesla will er ohnedies nicht herausfordern. Die Hauptrivalen des Air, sagte er vor kurzem, seien die deutschen Autohersteller.

Nio

Nio: Seit Juni 2018 wird Nios erstes Serienfahrzeug ES8 in China an Kunden ausgeliefert: Ein Elektro-SUV mit 350 Kilometern Reichweite und einem Wechselakku-System zum Preis ab 68.000 Dollar. Und er wird bald Geschwister bekommen: Auf der Shanghaier Automesse im April 2017 stelllte Nio gleich 11 Modellprototypen vor.

Nio

Nio hat Joint-Venture-Vereinbarungen mit Chinas Autoherstellern Changan und JAC geschlossen. Der ES8 kommt zuerst in China auf den Markt, ab 2020 soll er auch in Europa erhältlich sein.

Nio

Zu den Geldgeber des Startups, das seit 2014 bereits 1,7 Milliarden Dollar an Investorengeldern eingetrieben hat, zählen der chinesische Internetriese Tencent, der Venturekapitalgeber Sequoia und Chinas Suchmaschinenbetreiber Baidu. Nun will Nio in den USA an die Börse gehen - der IPO soll 1,8 Milliarden Dollar einbringen. Ausführliche Porträts der Startups lesen Sie auf manager-magazin.de

DPA

Byton, vormals Future Mobility Corporation: Das erst Anfang 2016 gegründete Startup zeigt auf der CES in Las Vegas seinen ersten Prototypen: Einen Elektro-SUV, der in Standardausführung 400 Kilometer weit mit einer Batterieladung fahren und rund 45.000 Dollar kosten soll. Bereits Ende 2019 soll der Wagen in China auf den Markt kommen, 2020 soll der Wagen auch in den USA und Europa erhältlich sein.

Byton

Im Inneren bietet der Wagen einen 1,25 Meter breiten und 25 Zentimeter hohen Bildschirm über die gesamte Breite des Autos. Entriegeln lässt sich das Auto per Gesichtserkennung, bedienen durch Gesten- und Sprachsteuerung. Zum Marktstart soll der Wagen über längere Strecken komplett autonom fahren können. Der gezeigte Prototyp ist laut Byton schon nahe am Serienauto dran ...

DPA

... geführt wird Byton vom ehemaligen Entwicklungsleiter des BMW i8, Carsten Breitfeld (im Bild). Der hat die wichtigsten BMW-Leute aus dem Elektroautoprojekt zu Byton nachgeholt. Auch ehemalige hochrangige Tesla-Mitarbeiter sind bei Byton an Bord. An dem Werk für die Produktion des Autos wird bereits gebaut, es soll Ende 2018 fertig sein. Finanziert wird die Byton-Mutter Future Mobility Corporation unter anderem von Apples Auftragsfertiger Foxconn und Chinas Internetriesen Tencent.

imago/CTK Photo

Hybrid Kinetic Group: Das Konzeptauto H600 fällt mit hübschem Äußeren auf, die angekündigten Leistungsdaten schinden Eindruck: In weniger als 3 Sekunden soll die 800-PS-Luxuslimousine den Sprint auf 100 km/h schaffen, dank Range Extender in Form einer Mikroturbine über 1000 km weit mit einer Akkuladung kommen. Doch ...

Hybrid Kinetic Group

... zu künftigen Fabriken in China und den Finanziers im Hintergrund hält sich das Unternehmen noch sehr bedeckt. Kopf hinter HK ist offenbar der chinesische Milliardär Rong Yang, der einst den chinesischen Autohersteller Brilliance leitete. Starten will HK frühestens 2019 - wie realistisch das ist, lässt sich mangels überprüfbarer Details noch kaum einschätzen.

imago/ZUMA Press

SF Motors: Von dem Elektroauto-Startup, hinter dem der chinesische Autohersteller Sokon Industry Group steht, gibt es weder Konzeptauto noch Leistungsdaten. Dafür aber handfeste Vorbereitungen: Seit Oktober 2017 ist Tesla-Gründer Martin Eberhard (im Bild) dort Strategiechef, im November hat SF eine Autofabrik in Indiana übernommen. Der Firmensitz in Kalifornien und ein Forschungszentrum nahe Detroit sind bereits bezogen - mit einem ersten Prototypen rechnen Branchenbeobachter Anfang 2018.

Zagato Design

Thunder Power: Bereits im Herbst 2015 hat das Startup aus Taiwan ein erstes Konzeptauto präsentiert - mit 650 Kilometer Reichweite, 250 km/h Spitze und gefälligen Formen, die vom italienischen Designbüro Zagato stammen. Auch bei Technikdetails sind die Taiwanesen ehrgeizig. So soll sich ihr Auto auch kabellos per Induktion in kurzer Zeit laden lassen.

Zagato Design

Fast 400 Patente hat Thunder Power laut Eigenangaben bereits eingereicht. Ende 2018 soll die Serienfertigung des Autos in China starten, Thunder Power peilt einen Einstiegspreis von rund 63.000 Dollar an. Für die Taiwanesen arbeitet unter anderem der ehemalige Entwickler des Supersportwagens Bugatti Veyron. Wer Thunder Power finanziert, ist noch etwas undurchsichtig. Ausführliche Porträts der Startups lesen Sie auf manager-magazin.de

Faraday Future

Faraday Future: Das Konzeptauto FF 91 ist durchaus formschön. Doch das Startup kann seine großspurigen Ankündigungen nicht einhalten.Auf dem Papier beeindruckt der FF 91 durchaus: 1000 PS, unter 3 Sekunden auf 100 km/h, über 600 Kilometer Reichweite. Allerdings dürfte das Auto, so es denn tatsächlich in Serie gebaut wird, über 100.000 Dollar kosten. Massenmarkttauglich ist das nicht.

AP

Den Neubau einer Fabrik in Nevada hat Faraday auf unbestimmte Zeit verschoben. Stattdessen modelt Faraday nun eine alte Pirelli-Reifenfabrik zum Autowerk um. Lange Zeit hatte Faraday Future Finanz- und Personalprobleme. Im Juli 2018 stieg der chinesische Konzern Evergrande als neuer Geldgeber ein, was etwas Ruhe in das kriselnde Unternehmen bringt. Doch ob Faraday den Sprung zur Massenproduktion schafft, ist nach wie vor offen.

NIO hat ein Konkurrenzfahrzeug zu Teslas Model X im Programm. Hinter dem Start-up-Unternehmen stehen der chinesische Internetkonzern Tencent, die Investmentfirmen Hillhouse Capital und Sequoia Capital sowie ein Beteiligungsfonds des chinesischen Suchmaschinenbetreibers Baidu.

Das eingesammelte Geld will Nio vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in Produktionsanlagen stecken. Angesichts der Elektroauto-Offensive der Regierung in Peking stocken zurzeit mehrere Anbieter in der Volksrepublik ihr Kapital auf. Auch die E-Auto-Hersteller WM Motor Technology und Xpeng Motor haben insgesamt mehrere Milliarden Dollar bei Investoren wie Alibaba Börsen-Chart zeigen , Baidu und Tencent eingesammelt. China will auf dem Zukunftsmarkt der alternativen Antriebssysteme einer der weltweit führenden Anbieter werden.


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Ebenso wie andere chinesischen Autobauer setzt auch Nio auf die lokale Produktion, um Tesla in Zukunft die Stirn bieten zu können. Nio häufte im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von rund 500 Millionen Dollar bei Umsätzen von knapp sieben Millionen Dollar an.

NextEV

Supersportwagen NIO EP9: Das Elektrogefährt wird von vier 250 KW starken Motoren angetrieben, bringt es auf umgerechnet 1360 PS und 313 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Mit diesem Wagen stellte NIO 2016 das erste Automobil aus eigener Produktion vor

Im Juni startete Nio die Auslieferung des rein elektrisch betriebenen Geländewagens ES8, den der Konzern als Konkurrenz zu Teslas Model X sieht. Ende des Jahres soll ein zweiter Geländewagen zu einem günstigeren Preis folgen. Unterdessen treibt Tesla seine Pläne für ein neues Werk in Shanghai voran.

Nio hat bereits Jointventure-Vereinbarungen mit den chinesischen Autohersteller JAC und Chinas viertgrößtem Autohersteller Changan unterschrieben. Das dürfte die Produktion der Fahrzeuge vereinfachen. Beim Serienfahrzeug ES8 setzt Nio auf etablierte Zulieferer, so ist etwa Magna für das Aluminium-Chassis verantwortlich. Allerdings setzt Nio auf eigens entwickelte Batteriezellen. Noch ist nicht erkennbar, ob Nio einen Vorsprung in der Forschung nach leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Batteriezellen hat.

NIO beschäftigt etwa 5000 Menschen an 19 Standorten. William Li hatte den Autobuaer 2014. Ursprünglich nannte Li sein Startup NextCar. Im Jahr 2017 wurde der Firmenname jedoch in NIO geändert.

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