Samstag, 17. November 2018

Aktie in Turbulenzen Tesla am Scheideweg - halten Investoren Musk die Treue?

Zwei Hoffnungsträger: Tesla-Chef Musk mit Model 3.

Erfolg für Tesla: Die Massenproduktion des wichtigen Model 3 scheint tatsächlich zu gelingen. Ausgerechnet an diesem Knackpunkt der Konzernentwicklung vergrault Elon Musk mit seinen Kapriolen und Ausfällen zunehmend die Investoren. Jüngstes Beispiel: Musks üble Beschimpfung eines Tauchers im Zusammenhang mit der Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus einer Höhle in Thailand.

Buy the rumor, sell the fact. Das ist eine der bekannteren Börsenweisheiten. Kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten. Börsianer versuchen damit zu erklären, weshalb bei wichtigen, positiven Ereignissen die Aktienkurse der betreffenden Unternehmen häufig im Vorfeld steigen, um dann, wenn die Nachricht da ist, ins Minus zu rutschen.

Beim Elektroautobauer Tesla Börsen-Chart zeigen ist so etwas gerade passiert. Seit mehreren Monaten arbeitet das Unternehmen auf einen wichtigen Meilenstein hin, nämlich die versprochene Produktion von 5000 Exemplaren des neuen Model 3 binnen einer Woche. Die Zielmarke ist von großer Bedeutung für den Gesamtkonzern, denn auf dem Model 3 ruhen die Hoffnungen, dass aus dem Anbieter exklusiver Luxus-E-Autos vom Typ Model S oder Model X auch ein Massenhersteller werden kann. Davon hängt nicht zuletzt auch ab, ob Tesla irgendwann in Zukunft dauerhaft die Gewinnschwelle überschreiten kann.

Vor einigen Tagen war es endlich soweit: Am Sonntag, den 1. Juli meldete die Nachrichtenagentur Reuters, Tesla habe in der letzten Woche des zweiten Quartals 5000 Model 3-Fahrzeuge produziert, wobei der letzte Wagen genau genommen erst in den Morgenstunden des zum Folgequartal gehörigen Sonntags vom Band lief.

Was passierte also mit der Tesla-Aktie? Sie rutschte in den Folgetagen ab. Von Anfang Juli bis heute, also binnen zweier Handelswochen, verzeichnet das Tesla-Papier einen Verlust von mehr als 7 Prozent. Während die Technologiebörse Nasdaq Börsen-Chart zeigen erst in dieser Woche ein Rekordhoch erreichte, baute der einstige Börsenliebling Tesla gegen den Markttrend seine Kursverluste seit Mitte Juni auf 15 Prozent aus - und fiel bis auf 315 US-Dollar zurück.


Lesen Sie auch: Das neue Model 3 von Tesla im Rundum-Praxistest


Business as usual an der Börse also? Hat sich auch beim Elektroautobauer aus Kalifornien einmal mehr lediglich eine alte Börsenweisheit bewahrheitet? Nicht ganz. Bei Tesla sieht auch der längerfristige Kursverlauf der Aktie nicht mehr allzu erfreulich aus. Der jahrelange steile Aufwärtstrend des Tesla-Papiers scheint vorläufig beendet.

Es begann 2013, in dem Jahr also, in dem der Hersteller erstmals durchgehend sein Vorzeigeprodukt, das Model S, verkaufte. Seinerzeit explodierte der Aktienkurs geradezu. Am Jahresende stand ein Plus von etwa 340 Prozent auf dem Kurszettel. 2014 ging es mit der Aktie um weitere knapp 50 Prozent nach oben, ebenso wie auch im vergangenen Jahr. Im April 2017 gipfelte die Tesla-Euphorie in der Feststellung, dass der Elektroautoanbieter an der Börse plötzlich so viel wert war wie Ford. Dabei verkauft Amerikas Traditionshersteller beinahe hundert mal mehr Autos als Tesla, setzt 20 mal so viel Geld um - und schreibt Jahr für Jahr Milliardengewinne, während Tesla weiter in den roten Zahlen steckt.

Die Investoren an der Börse schienen solche Fakten jedoch lange Zeit nicht zu irritieren. Sie setzten auf die Zukunft des Unternehmens, und da kommt ein Mann ins Spiel, dessen Name untrennbar mit Tesla verbunden ist: Firmenmitgründer und CEO Elon Musk. Er ist es, dem es immer wieder gelang, mit vollmundigen Versprechungen die Geldgeber vom künftigen Erfolg des Unternehmens sowie vom Sinn ihres Investments zu überzeugen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH