Sonntag, 22. Juli 2018

Niedrigster Kurs seit zwei Jahren Anleger werfen Südzucker-Aktien aus ihren Depots

Die Preise für Zucker sinken, weil die EU keine Mindestpreise und Produktionsmengen mehr festlegt
Thomas Kauffelt/ Südzucker AG
Die Preise für Zucker sinken, weil die EU keine Mindestpreise und Produktionsmengen mehr festlegt

Nach den Verlusten vom Vortag stehen die Aktien von Südzucker Börsen-Chart zeigen am Dienstag heftig unter Druck. Der Kurs fiel um weitere 8,1 Prozent auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Am Montag hatte Europas größter Zuckerproduzent mit Prognosen für das Geschäftsjahr 2018/2019 die Anleger enttäuscht, die Aktie büßte 4,4 Prozent ein.

Südzucker hatte angekündigt, dass das operative Konzernergebnis im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 auf 100 bis 200 Millionen Euro fallen werde. Verantwortlich dafür sei ein operativer Verlust in der Zuckersparte in Höhe von voraussichtlich 100 bis 200 Millionen Euro. Beim Konzernumsatz peile Südzucker mit 6,8 bis 7,1 Milliarden Euro eine mehr oder weniger stabile Entwicklung an.

Südzucker hatte bereits vor schweren Zeiten gewarnt, doch der nun in Aussicht gestellte Gewinnrückgang fiel deutlicher höher aus als von Experten befürchtet. Sowohl die Berenberg Bank als auch die Equinet Bank raten nun zum Verkauf der Papiere, weshalb der Kurs heute noch einmal deutlich einbricht.

Der von Südzucker in Aussicht gestellte operative Gewinn weiche ganz erheblich von der Markterwartung von mehr als 400 Millionen ab, erklärte Christian Bruns von Equinet die Abstufung. Er erhöhte den Betafaktor als Gradmesser für das Marktrisiko der Aktien von 1,0 auf 1,2 und begründete dies mit der gestiegenen Unsicherheit, wann sich die Gewinne wieder erholen.

Abgelaufenes Geschäftsjahr noch mit Umsatz- und Ergebnisplus

Am Montag waren die jüngst in den SDax Börsen-Chart zeigen abgestiegenen Aktien aus einer monatelangen Handelsspanne zwischen 14,50 und 15,50 Euro nach unten herausgefallen. Damit haben sich die Papiere nun auch vom Londoner Zuckerpreis abgekoppelt, der sich zuletzt um die Marke von 360 US-Dollar auf niedrigem Niveau stabilisiert hatte.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte Südzucker den Umsatz um 7,7 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 3,3 Prozent auf rund 440 Millionen Euro zu. Aktionäre sollen eine mit 0,45 Euro je Aktie stabile Dividende erhalten. Der vollständige Bericht für das Geschäftsjahr 2017/18 wird am 17. Mai veröffentlicht.

Das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung wirbelt derzeit die gesamte Branche durcheinander. Fast fünf Jahrzehnte lang hatte die EU Mindestpreise und Produktionsmengen festgelegt. Damit ist seit Herbst 2017 Schluss - nun gelten die Spielregeln des Weltmarktes, das heißt mehr Wettbewerb und damit auch fürs Erste sinkende Preise. Für die Zucker-Hersteller bringt das große Umwälzungen mit sich.

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"Uns steht nun eine schwierige Übergangsphase von mindestens zwei Jahren Dauer bevor", hatte Finanzvorstand Thomas Kölbl im Januar in einem Interview eingeräumt. Die europäischen Hersteller hatten in Erwartung der Reformen ihren Rübenanbau ausgeweitet - allein bei Südzucker waren es etwa 20 Prozent mehr Fläche. Das höhere Angebot an Zucker belastet aber die Preise. "Durchschnittlich haben wir innerhalb von wenigen Monaten mehr als 100 Euro pro Tonne Zucker verloren", hatte der Chef des Konkurrenten Nordzucker, Lars Gorissen, erst vor wenigen Wochen gesagt. Südzucker ist allerdings überzeugt, trotz der momentanen Verwerfungen am Markt am Ende zu den Gewinnern zu gehören.

mg/dpa-afx

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