Mittwoch, 16. August 2017

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Kniff im Aktienhandel Das Gesetz, das Anleger schon um 600 Millionen Euro reicher machte

600 Millionen Euro für Anleger: Wunderwaffe Spruchverfahren
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DPA

Davon träumt jeder, der an der Börse aktiv ist: Möglichst früh vom bevorstehenden Übernahmeangebot für ein Unternehmen zu erfahren (oder dieses zu erahnen) und dann vom Kurssprung der Aktie zu profitieren. Immer wieder sorgen schon Gerüchte über mögliche Firmenkäufe für Kurssprünge. Legt ein Investor tatsächlich seine Absichten offen, ein Unternehmen zu erwerben, so liegt das Übernahmeangebot meist über dem zuvor üblichen Aktienkurs.

Frühzeitig die Aktien von Übernahmekandidaten zu erwerben kann allerdings nicht nur sehr lukrativ sein - es ist auch äußerst schwierig. Erforderlich ist viel Erfahrung, eine sehr gute Marktkenntnis und letztlich auch das entscheidende Quäntchen Glück.

Eine neue Untersuchung zeigt nun zudem: Wer den maximalen Gewinn erzielen will, muss nicht nur im richtigen Moment die richtige Aktie kaufen. Er muss nach erfolgtem Übernahmeangebot vielmehr auch auf den geeigneten Augenblick für den Verkauf warten - und zwar möglicherweise ziemlich lange.

Für die umfangreiche Studie hat der Berliner Rechtsanwalt Martin Weimann, gleichzeitig Kopf des Anlegerschutzvereins VzfK (Verbraucherzentrale für Kapitalanleger), insgesamt 477 Firmenkäufe am deutschen Aktienmarkt aus den Jahren 2002 bis 2013 ausgewertet. Die Zielunternehmen reichen von A wie Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs AG bis Z wie Zanders Feinpapiere. Auch prominente Squeeze-out-Fälle wie Degussa, Hapag Lloyd oder Vodafone wurden in der Untersuchung berücksichtigt.

Weimann hat seinen Fokus dabei besonders auf das Ende des Übernahmeprozesses gerichtet, jenen Moment, in dem es häufig zum sogenannten Squeeze-out kommt.

Der Squeeze-out ("Ausquetschen") ist die Phase, in der sich der Firmenkäufer kurz vor dem Ziel befindet. Er hat dann beinahe alle Aktien erworben und laut Gesetz die Möglichkeit, die restlichen noch verbliebenen Minderheitsaktionäre auch gegen deren Willen aus dem Gesellschafterkreis zu drängen. Voraussetzung dafür ist in der Regel, dass der Käufer über mindestens 95 Prozent der Aktien des Zielunternehmens verfügt.

Bestandteil des Squeeze-out ist regelmäßig eine Barabfindung, die die heraus zu drängenden Minderheitsaktionäre für die Abgabe ihrer restlichen Anteile erhalten. Diese Abfindung wird zunächst vom Käufer bestimmt. Und der entscheidende Punkt ist: Laut Weimanns Studie liegt sie in etwa 80 Prozent der Fälle offensichtlich deutlich unter dem objektiven Wert der Anteile.

Die gute Nachricht lautet jedoch: Der Gesetzgeber hat für diese Fälle vorgesorgt und das sogenannte Spruchverfahren eingeführt. So können Minderheitsaktionäre vor Gericht ziehen und die Höhe der gebotenen Abfindung von unabhängiger Seite überprüfen lassen.

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