Donnerstag, 25. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Nach dem Rückzug Blatters Börse in Doha bricht ein - Investoren flüchten aus Katar

Fatale Entscheidung: Im Dezember 2010 verkündete Fifa-Präsident Blatter die Vergabe der WM 2022 nach Katar - nach Blatters Rücktritt könnte diese Entscheidung ins Wanken geraten

Der angekündigte Rücktritt des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter hat Investoren im Emirat Katar verschreckt. Unmittelbar nachdem Blatter am Dienstagabend in Zürich seinen geplanten Rückzug bekannt gegeben hatte, brachen an der Börse in Doha die Kurse ein.

Offensichtlich fürchten die Anleger, der Golfstaat könnte nun das Recht verlieren, die Fußball-WM 2022 auszutragen. Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge verlor der QE Index in Doha rund 3 Prozent. Der Aktienindex fiel auf 11.844 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit sechs Wochen. Bis zum Mittwochmittag erholten sich die Kurse zum Teil wieder.

Hintergrund ist die umstrittene Vergabe der Fußball-WM 2022 an das Wüstenemirat. Der Korruptionsverdacht gegen die Fifa erstreckt sich auch auf die Umstände, unter denen Katar in den Besitz der Austragungsrechte für das Turnier gelangt ist.

Börseneinbruch: Die Kurse in Katar fielen am Dienstag nach Blatters Auftritt wie ein Stein
Twitter / Andre Rummer
Börseneinbruch: Die Kurse in Katar fielen am Dienstag nach Blatters Auftritt wie ein Stein
Kritik gibt es zudem, weil das Emirat kaum über Fußballtradition verfügt, dafür aber über klimatische Bedingungen, die die Veranstaltung einer Fußball-WM dort wenig sinnvoll erscheinen lassen. Die Temperaturen in Katar erreichen im Sommer Werte von bis zu 50 Grad Celsius. Zuletzt wurde daher entschieden, die WM 2022 erstmals im Winter stattfinden zu lassen.

Auf der anderen Seite sind erhebliche Investitionen erforderlich, um die WM in der Wüste möglich zu machen. Ein Großteil der Stadien beispielsweise muss eigens für das Turnier neu gebaut werden. Benötigt wird zudem umfangreiche Infrastruktur. Laut Bloomberg beläuft sich das geplante Investitionsvolumen zur Fußball-WM in Katar auf 200 Milliarden Dollar (180 Milliarden Euro).

Um diese Megageschäft bangen nun offensichtlich die Anleger an der Börse in Katar. "Der Markt ist extrem korreliert mit den Nachrichten von der Fifa", zitiert Bloomberg einen Fondsmanager aus Dubai. "Es gibt keine Sicherheit, dass ein neuer Präsident bedeuten würde, dass sie die WM nicht veranstalten dürfen, aber die Unsicherheit führt zu großen Sorgen und das bedeutet Druck auf den Markt."

Zu erkennen ist das nicht nur an den Aktienkursen. Laut Bloomberg ging es auch mit den Staatsanleihen Katars abwärts.

Ex-DFB-Präsident Zwanziger klar gegen Katar

Joseph Blatter war am Dienstagabend vor die Presse getreten, um seinen Rücktritt vom Amt des Fifa-Präsidenten anzukündigen. Blatter ist seit 1998 Fifa-Präsident und war erst wenige Tage zuvor in Zürich wiedergewählt worden. Neuwahlen sollen nun in den nächsten Monaten organisiert werden.

Als mögliche Nachfolger Blatters gelten der Italiener Domenico Scala, Chef der Fifa-Compliance-Kommission und zunächst bis auf weiteres Blatters Vertreter, Michel Platini, Chef des europäischen Verbandes UEFA, sowie der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein, der vor wenigen Tagen in Zürich bei der Präsidentenwahl gegen Blatter unterlegen war.

Hintergrund von Blatters Rückzug sind Ermittlungen von US-Behörden gegen Fifa-Funktionäre wegen Korruptionsverdachts. Im Vorfeld des Verbandskongresses hatte die Schweizer Polizei sieben Offizielle des Fußballverbandes in ihrem Hotel in Zürich festgenommen. Wie inzwischen bekannt geworden ist, ermittelt das amerikanische FBI in dem Zusammenhang auch gegen Sepp Blatter persönlich.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Eine Neuvergabe der umstrittenen WM-Endrunde 2022 in Katar hält nach dem Rückzug Blatters indes auch der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger für möglich. "Ich habe immer klar gesagt, dass Katar ein Krebsgeschwür des Weltfußballs ist", sagte Zwanziger in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. "Kann man einem Land, das halb so groß ist wie Hessen, das weltgrößte Fußballereignis anvertrauen? Nein, ich glaube, das muss nochmal aufgearbeitet werden." Für Katar sei noch ausreichend Zeit, so Zwanziger. Mit der WM-Vergabe ins Emirat habe alles begonnen.

Zudem stellte inzwischen auch der australische Fußball-Verband ASF die WM-Ausrichtung 2022 in Katar infrage. Der Bewerbungsprozess für die Endrunde in sieben Jahre sei "nicht sauber" gewesen, sagte ASF-Vorsitzender Frank Lowy. Die Australier verloren bei der weltweit kritisierten Abstimmung des FIFA-Exekutivkomitees im Dezember 2010 als Letzter chancenlos im ersten Wahlgang.

Newsletter von Christoph Rottwilm

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH