Mittwoch, 20. Februar 2019

Zweitgrößter Börsengang aller Zeiten Softbank-Tochter legt schwaches Börsendebüt hin

Softbank-Corp-Chef Ken Miyauchi beim Börsenstart in Tokio

Die Mobilfunktochter des japanischen Technologiekonzerns Softbank Börsen-Chart zeigen hat in Tokio ein schwaches Börsendebüt hingelegt. Mit 1282 Yen schlossen die Titel des Börsenneulings 14,5 Prozent unter dem Ausgabepreis von 1500 Yen. Insgesamt 36,85 Prozent der Anteile der unter dem Namen Softbank Corp. gelisteten Aktien wurden in Tokio an die Börse gebracht, damit behält der Mutterkonzern die Kontrolle über seine Mobilfunktochter.

"Wir nehmen diese Reaktion ernst", sagte Unternehmenschef Ken Miyauchi zum Start auf dem Börsenparkett. Er bedauerte die Tatsache, dass der Kurs unter dem Ausgabepreis schloss und sprach von einem "harten Start ", zeigte sich aber dennoch optimistisch: "Das ist erst der Anfang", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Insgesamt nahm der Konzern bei seinem Börsengang 23,5 Milliarden Dollar ein und platzierte sich damit nur knapp hinter dem bislang größten IPO aller Zeiten, bei dem der chinesische Internetriese Alibaba Börsen-Chart zeigen 2014 rund 25 Milliarden Dollar bei Anlegern eingesammelt hatte. In Japan war es der bisher größte Börsengang.

Netzprobleme und Nähe zu Huawei könnten verantwortlich sein

"Es gab zuletzt keine guten Nachrichten in Zusammenhang mit Softbank", sagte Tetsuro Li, Chef von Commons Asset Management. Ausgerechnet in der Werbephase kurz vor dem Mega-IPO kämpfte Japans drittgrößter Mobilfunkbetreiber mit massiven Netzproblemen, die landesweit zu Dienstausfällen führten.

Zudem unterhält Softbank von allen japanischen Telekomfirmen den engsten Kontakt zum unter Verdacht geratenen Netzwerkausrüster Huawei. Aus Sorge vor Schlupflöchern zur Spionage haben mittlerweile mehrere Länder die Beziehungen zu dem chinesischen Branchenprimus auf Eis gelegt. Zwei Insidern zufolge plant Softbank die Ausrüstung von Huawei für das 4G-Netzwerk durch andere Anbieter ersetzen zu lassen, was den Konzern teuer zu stehen kommen dürfte.

Schon vor dem Börsengang machten sich Investoren Sorgen um die Wachstumsaussichten der japanischen Mobilfunkbranche, nachdem die Regierung drastische Senkungen bei den Handygebühren angemahnt hatte. Der größte Anbieter des Landes, NTT DoCoMo Börsen-Chart zeigen, kündigte bereits Preissenkungen um 40 Prozent an. Auch die alternde Bevölkerung und der Einstieg des japanischen Internethändlers Rakuten ins Mobilfunkgeschäft trüben die Gewinnaussichten der Branche. Der charismatische Firmengründer Masayoshi Son hatte daraufhin angekündigt, die Automatisierung im Konzern voranzutreiben und die Zahl der Mobilfunk-Beschäftigten in den nächsten zwei bis drei Jahren um bis zu 40 Prozent zu kürzen.

Masayoshi Son treibt Neuausrichtung seines Imperiums voran

Der Milliardär Masayoshi Son treibt mit dem Börsengang der Softbank-Mobilfunktochter die Neuausrichtung seines 1981 gegründeten Imperiums voran. Das Telekommunikationsgeschäft gilt als die Geldmaschine der Softbank-Gruppe. Der als Mobilfunkanbieter groß gewordene Konzern agiert inzwischen allerdings verstärkt als Technologie-Investor. Unter anderem mit einer massiven Geldspritze aus Saudi-Arabien setzte Son den rund 100 Milliarden Dollar schweren Vision Fund für Investitionen in Technologie-Unternehmen auf.

Der Fonds stieg unter anderem bei Uber und anderen Fahrdienst-Vermittlern ein. Nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul wurde vermehrt kritisiert, dass sich Softbank so stark auf Geld aus dem Land verlässt. Der Softbank-Gründer braucht zugleich neue Geldquellen, um weiter investieren zu können. Er wolle die durch den Börsengang der Mobilfunktochter erzielten Mittel nutzen, um weiter in den Vision Fund zu investieren sowie um Schulden zurückzahlen, erklärte Son.

Ungeachtet der eingetrübten Aussichten lag die Nachfrage von Kleinanlegern beim Börsengang der Softbank-Mobilfunksparte etwa doppelt so hoch wie die angebotene Zahl der Aktien, wie Insider vergangene Woche sagten. Der ausländischen Investoren angebotene Anteil sei dreifach überzeichnet gewesen. Börsengänge ziehen in Japan viele Kleinanleger an, die die Anlage häufig als sichere Gewinnchance sehen. Von den insgesamt 82 Erstnotierungen in diesem Jahr ist Softbank erst das siebte Unternehmen in Japan, das beim Börsendebüt unter den Angebotspreis rutscht.

mg/rtr, dpa-afx

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