Dienstag, 30. Mai 2017

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Währungskrise Argentinien schockt die Märkte

Börse in Buenos Aires: Wegen mangelnder Devisenreserven für Stützungkäufe hat die argentinische Notenbank die Dollarkopplung gelöst und den Wechselkurs abgewertet - Händler sprechen von einer Kapitulation

Argentinien gehen die Devisen für Stützungskäufe aus. Buenos Aires will die Devisenkontrollen offenbar aufgeben - der Peso bricht ein. Im Nachbarland Brasilien wackelt der Real: Anleger sorgen sich um die "Fragile Five"

Buenos Aires - Die Währungen vieler Schwellenländer sind am Freitag an den Finanzmärkten massiv unter Druck geraten. Ausgehend von Argentinien und der Türkei, wo die Kurse der Landeswährungen ihren freien Fall fortsetzten, nahm die Nervosität an den Märkten deutlich zu.

Die europäischen Aktienbörsen gerieten tiefer ins Minus. Anleger flohen in sichere Anlagen wie Staatsanleihen und Währungen großer Industrieländer sowie Gold. Als Auslöser der Verunsicherung gelten Wachstumssorgen, politische Unwägbarkeiten und die Furcht vor einer weiteren Billiggeld-Drosselung der US-Notenbank Fed.

Das Fass zum Überlaufen brachten laut Händlern jedoch die jüngsten Turbulenzen in Lateinamerika und der Türkei. Die Sorgen um das angeschlagene Argentinien werden immer größer. Die türkische Lira fällt von einem Rekordtief zum nächsten.

Stärkster Kursverlust des Peso seit 2002

Buenos Aires knickt nach und nach unter dem Druck der Finanzmärkte ein: Argentiniens Regierung will ihre Devisenkontrollen offenbar aufgeben - ab kommender Woche sollen Dollarkäufe erlaubt werden. Das sagte Kabinettschef Jorge Capitanich am Freitag in Buenos Aires. Der Peso hatte zuvor die heftigsten Kursverluste seit dem wirtschaftlichen Kollaps im Jahr 2002 erlitten.

Weil der Notenbank die Devisenreserven für Stützungskäufe auszugehen drohen, hatte sie am Donnerstag bereits die Dollarkopplung gelöst und den Wechselkurs deutlich abgewertet. Das kommt laut Händlern einer Kapitulation vor den Märkten gleich, kurz zuvor hatte Staatspräsidentin Cristina Kirchner einen solchen Schritt noch ausgeschlossen.

Der argentinische Peso hat seit Jahresbeginn 17 Prozent an Wert eingebüßt - so viel wie keine andere Währung der Welt.

Die "Fragile Five": Brasilien, Türkei, Indien, Südafrika und Indonesien

Am Devisenmarkt gerieten neben Argentinien vor allem die sogenannten "Fragile Five" - Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei - ins Visier der Investoren. Auch der russische Rubel und der mexikanische Pesos erlitten deutliche Kursverluste.

Am Anleihemarkt brachte die Verunsicherung neben den fragilen Schwellenländern auch die angeschlagenen Staaten der Euro-Zone zurück auf die Verkaufslisten. In Portugal, Griechenland, Spanien und Italien zogen die Risikoprämien zweistellig an.

Gold und Bundesanleihen gefragt

Profiteure der Nervosität waren sichere Anlagen: Bundesanleihen stiegen deutlich im Kurs. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future legte bis zum Mittag um ein halbes Prozent auf 142,75 Punkte zu, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel deutlich auf 1,65 Prozent. Die Feinunze Gold (etwa 31 Gramm) verteuerte sich um mehr als fünf Dollar auf 1269 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Monaten.

"Die starke Verunsicherung an den Anleihe-, Aktien- und Währungsmärkten von großen Schwellenländern stützt die Nachfrage nach sicheren Anlageformen", sagte Rainer Sartoris, Volkswirt beim Bankhaus HSBC Trinkaus. Die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus China hätten die Risikoneigung stark gedämpft. An diesem Freitag hätten die Nachrichten aus Argentinien die Märkte zusätzlich beunruhigt.

rei/dpa

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