Samstag, 22. September 2018

Schweizer Börse stürzt ab Schweizer Industrie fürchtet nach Euro-Dammbruch einen "Tsunami"

Zur Schwächung der eigenen Währung hatte die schweizerische Notenbank an den Devisenmärkten Euro gekauft. Diese Nachfrage fällt durch die Aufgabe des Mindestkurses jetzt weg - zum Nachteil der Gemeinschaftswährung
Getty Images/Adam Gault
Zur Schwächung der eigenen Währung hatte die schweizerische Notenbank an den Devisenmärkten Euro gekauft. Diese Nachfrage fällt durch die Aufgabe des Mindestkurses jetzt weg - zum Nachteil der Gemeinschaftswährung

Drei Jahre hat Schweizer Nationalbank die Wirtschaft des Landes vor einem zu starken Franken geschützt. Nun gibt sie den Euro-Mindestkurs auf. Die Schweizer Wirtschaft fürchtet einen "Tsunami".

Zürich/Frankfurt am Main - Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. "Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag.

Inzwischen hätten sich die großen Währungsräume aber in verschiedene Richtungen entwickelt - während die USA vor einer Zinserhöhung stehen, will die Europäische Zentralbank im Kampf gegen Deflation die Geldbasis ausweiten -, sodass der Franken mit der Euro-Bindung gegenüber dem US-Dollar abgewertet hat. Dies relativiere die Überbewertung der Schweizer Währung, die alleinige Bindung an den Euro sei deshalb "nicht länger gerechtfertig".

Euro stürzt ab - Währung zeitweise unter Parität zum Franken

Der Franken zog auf der Handelsplattform EBS kräftig an. Der Wert des Euro Börsen-Chart zeigen stürzte zeitweise um fast ein Drittel auf 0,8052 Franken ab, erholte sich dann aber auf ein Minus von 15 Prozent mit leicht über 1,02 Franken.

Zwischenzeitlich war ein Franken damit erstmals mehr wert als ein Euro. Zum Dollar fiel der Euro Börsen-Chart zeigen auf ein Elf-Jahrestief von 1,15795 Dollar.

An der Börse in Zürich brach der Leitindex SMI um 10 Prozent ein. Am stärksten verloren die Aktien von Uhren- und Schmuckherstellern wie Richemont Börsen-Chart zeigen und Swatch Börsen-Chart zeigen sowie Finanzwerte wie UBS Börsen-Chart zeigen, Credit Suisse Börsen-Chart zeigen oder Julius Bär Börsen-Chart zeigen. Swatch-Chef Nick Hayek sagte, die SNB habe einen "Tsunami" ausgelöst - nicht nur für die Exportindustrie und den Tourismus, sondern für die ganze Schweiz. Nur die Swisscom Börsen-Chart zeigen hielt sich im Plus. Die vom Außenhandel unabhängigen Einnahmen des Telekommunikationskonzerns in Franken gewinnen nun an Wert.

Anleger reagierten auch in der Euro-Zone kurzzeitig irritiert und drückten den EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen mit bis zu 2,2 Prozent ins Minus auf 3020,54 Punkte. Dann setzte allerdings wieder eine Gegenbewegung ein. Am frühen Nachmittag standen wieder plus 1,2 Prozent auf 3127 Punkte zu Buche.

Der Dax Börsen-Chart zeigen rutschte zeitweise um etwa 250 Punkte ab, erholte sich dann aber wieder. Zuletzt notierte der deutsche Leitindex wieder klar im Plus - ganz im Gegensatz zum Schweizer Index SMI, der um mehr als 10 Prozent nachgab.

"Die Märkte waren nach dieser Maßnahme der SNB zunächst geschockt. Damit hat man wohl nicht gerechnet", bestätigte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Zugleich senkte die Schweizer Notenbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Diese Maßnahmen sollen es weniger attraktiv machen, in der Schweiz Geld anzulegen. Der Einlagenzins für große Guthaben ist seit Dezember negativ.

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