Samstag, 25. Februar 2017

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Moelis soll Aramco an die Börse bringen Diese kleine Investmentbank bekommt den Riesen-Saudi-Deal

Ken Moelis (beim eigenen Börsengang 2014): Investmentbanker alter Schule

Ob der saudi-arabische Ölkonzern Aramco wirklich das wertvollste Unternehmen der Welt ist - und dann gleich zwei Billionen Dollar schwer, wie die Machthaber in Riad meinen -, kann man bezweifeln. Wann genau der Koloss an die Börse kommt, wo, mit welchem Anteil und auf welche Weise, ist ebenso unklar.

Keinen Zweifel aber gibt es, dass sich die globalen Investmentbanken die Finger nach diesem Giga-Auftrag lecken. Laut einem Bericht der "Financial Times" (kostenpflichtig) kommen sie dabei nicht an einem kleinen Emporkömmling vorbei.

Die New Yorker Investmentboutique Moelis & Company, erst 2007 inmitten der beginnenden Finanzkrise gegründet, wurde demnach als "Sole Independent Adviser" erwählt - für das auf Fusionen und Übernahmen spezialisierte Haus das mit Abstand größte Geschäft mit Aktienemissionen.

Die Leute um Firmengründer Ken Moelis sollen all die für die Zukunft des Öl-Königreichs entscheidenden kniffligen Fragen austüfteln. Sie selbst sind erst seit 2014 an der Börse, haben die Mehrheit der Anteile aber als Partnerschaft der Banker behalten. Keine Rücksicht auf die internen Probleme einer Großbank, lautet das Versprechen.

Mit Firmen-Deals schon fast so groß wie die Deutsche Bank

Moelis ist ein knorriger Investmentbanker alter Schule, der einst bei der später kollabierten Drexel Burnham & Lambert mit dem "Junk-Bond-König" Michael Milken zusammenarbeitete, dem später verurteilten Star der Wall Street der 80er Jahre. Vor der Gründung seiner eigenen Firma führte er die inzwischen stark eingedampfte Investmentsparte der Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen, von der er auch mehrere Topbanker mitnahm.

Im seit zwei Jahren wieder schrumpfenden Markt des Investmentbankings weisen derzeit nur derartige spezialisierte Boutiquen wie Lazard, Rothschild oder Evercore steigende Gebühreneinnahmen aus. Lazard schaffte es im Thomson-Reuters-Ranking für 2016 im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sogar auf Platz 4 hinter den Großbanken Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen und JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen.

Moelis selbst ist in dieser Disziplin bislang allerdings nur die Nummer 16 - immerhin nur noch fünf Ränge von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen entfernt. Im Vergleich zu anderen Boutiquen hat Moelis die globale Präsenz besonders stark ausgebaut. Im Frankfurter Büro beispielsweise wurde Ex-McKinsey-Deutschland-Chef Herbert Henzler als Senior Advisor angeheuert. Im Nahen Osten hat sich Moelis mit Großdeals Dubaier Immobilienentwickler einen Namen gemacht.

In Washington ist die Bank ebenfalls gut verdrahtet, seit sie 2014 den bei der Wiederwahl gescheiterten Republikaner-Fraktionschef Eric Cantor gewann. Parteifreund Moelis setzte auf Präsident Donald Trump, als der in der Finanzwelt noch als Persona non grata galt. Die Auswahl seines Instituts deutet die "FT" nun als Hinweis, dass die Saudis trotz der politisch heiklen Beziehung auch eine Börsennotierung in New York avisieren.

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