Mittwoch, 20. September 2017

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Nobelpreisträger warnt Investoren Starökonom Shiller vergleicht Trump-Rally mit Dot-Com-Blase

"Die Idee ist: Alles ist anders": Nobelpreisträger Robert Shiller blickt mit Sorge auf den Aktienmarkt

Er erkannte frühzeitig die Risiken der Dot-Com-Blase im Jahr 2000, und er warnte auch vor Übertreibungen am US-Häusermarkt, bevor der Kollaps dort zur Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008 führte. Jetzt meldet sich Robert Shiller erneut zu Wort: Das aktuelle Geschehen am Aktienmarkt erinnere den US-Ökonom und Nobelpreisträger an das Treiben im Jahr 2000, berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Und damals ging die Sache bekanntlich nicht gut aus.

Auch 2000 seien Investoren der Überzeugung gewesen, eine neue Ära sei angebrochen, in der auch neue Gesetzmäßigkeiten gölten. Die innovative Technologie des Internet, so glaubten seinerzeit viele, hätte die Grundlagen des Geschäftslebens derart verändert, dass eine Bewertung von Unternehmen nach herkömmlichen Maßstäben nicht mehr erforderlich sei. Aus diesem Grund stiegen die Aktienkurse zum Teil in astronomische Höhen, selbst, wenn die Unternehmen von einer Profitabilität noch weit entfernt waren.

Der Game-Changer, der zurzeit die Börsianer kirre macht, heißt laut Shiller Donald Trump, mit seinen Plänen von Deregulierung, Steuersenkungen und Billionen Dollar schweren Infrastrukturinvestitionen.

"Beides sind revolutionäre Zeiten", zitiert Bloomberg den Volkswirt. "Dieses Mal ist ein 'großer Führer' erschienen. Die Idee ist: Alles ist anders."

Für Shiller liegt in der "Alles-ist-anders"-Theorie die Erklärung für die Tatsache, dass die Investoren am Aktienmarkt derzeit augenscheinlich ausschließlich die Chancen der Trumpschen Wirtschaftspolitik sehen, während sie die ebenfalls vorhandenen Risiken auszublenden schienen. Die Folge ist nach Einschätzung des renommierten Ökonomen, dass US-Aktien inzwischen weit überbewertet seien.

Tatsächlich sind die Aktienkurse insbesondere an der Wall Street seit Trumps Wahlerfolg im November vergangenen Jahres auf Rekordniveau gestiegen, wo sie seit einigen Wochen ausharren. Gleichzeitig ist der Volatilitätsindex VIX, der auch als Angstbarometer für den US-Aktienmarkt bezeichnet wird, auf einen vergleichsweise niedrigen Stand zurückgegangen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Allerdings muss diese Entwicklung nicht ausschließlich mit dem neuen US-Präsidenten und dessen Versprechungen zusammenhängen. Vielmehr befindet sich die US-Wirtschaft aktuell in einer sehr guten Verfassung, wie verschiedene Konjunkturdaten zeigen. Die Arbeitslosigkeit in den USA etwa ist auf einen niedrigen Stand von weniger als 5 Prozent gesunken. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen aus dem breiten US-Aktienindex S&P 500 im laufenden Jahr Rekordgewinne, wie Bloomberg berichtet. Beides ist nicht zuletzt Teil des Hintergrundes, vor dem die US-Notenbank Fed unmittelbar vor einer weiteren Zinserhöhung steht. Es wäre bereits die dritte im aktuellen Zyklus.

All dies sind ebenfalls Faktoren, die Investoren durchaus dazu bewegen können, in den Aktienmarkt einzusteigen.

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