Sonntag, 24. Juli 2016

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Wall Street Nobelpreisträger fürchtet Kurssturz

"Cape-Ratio auf besorgniserregendem Niveau": Nobelpreisträger Robert Shiller

So teuer wie zurzeit waren Aktien an der US-Börse nur dreimal in der Geschichte, hat Robert Shiller ausgerechnet. Der Nobelpreisträger fragt sich daher: Wann kommt diesmal der Einbruch?

Hamburg - An den wichtigen Börsen der Welt sind die Aktienkurse in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Der breit gefächerte Index S&P 500 an der Wall Street etwa legte allein seit Anfang 2013 um etwa 25 Prozent zu. Der Dax Börsen-Chart zeigen in Frankfurt verzeichnete bis vor kurzem ein ähnliches Plus und kommt nach den Rückschlägen der jüngsten Zeit auf Sicht der vergangenen gut eineinhalb Jahre immerhin noch auf rund 15 Prozent Kursgewinn.

Was jedoch noch wichtiger ist: Die Kurse sind nicht nur optisch gestiegen, die Papiere sind vielmehr auch vergleichsweise teuer. Ablesen lässt sich das zum Beispiel an der Cape-Ratio, auch Shiller-KGV genannt. Diese Kennzahl setzt das aktuelle Kursniveau einer Aktie, einer Branche oder eines kompletten Marktes ins Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen, und zwar letztere gemessen über die Zeit der jeweils zurückliegenden zehn Jahre.

Die schlechte Nachricht: Nach Ansicht von Robert Shiller, Erfinder und Namensgeber der Kennzahl, gibt es zumindest für die US-Börse derzeit durchaus Grund zur Sorge. Der US-Aktienmarkt erscheint zurzeit sehr teuer, schreibt der Nobelpreisträger in einemBeitrag für die "New York Times" ("NYT"). Die Cape-Ratio schwebe auf einem besorgniserregenden Niveau.

In Zahlen heißt das: Nach Angaben des Ökonomen beträgt die Cape-Ratio für die US-Börse derzeit mehr als 25. Diese Zahl sei seit 1881 überhaupt nur dreimal überschritten worden, nämlich in den Jahren um 1929, 1999 und 2007. Kenner wissen: In jeder dieser Perioden folgte auf den Höhenflug der Aktienkurse ein empfindlicher Einbruch.

Suche nach Gründen für hohe Kurse

Die Frage, die Shiller beschäftigt, lautet daher: Wie lange kann sich der Aktienmarkt diesmal auf dem hohen Bewertungsniveau halten? In der Vergangenheit, so schreibt er, sei die Kennzahl früher oder später stets zu einem Mittelwert zurückgekehrt. Wann das diesmal sein wird, sei jedoch unklar. "Der Markt könnte auf der Bewertung für Jahre verharren", so Shiller in der "NYT".

Aber wird er das auch? In jedem Fall stellt sich die Frage, ob es vernünftige Gründe gibt, die die gegenwärtig hohe Bewertung rechtfertigen, und die vielleicht dafür sprechen, dass diese noch einige Zeit anhalten könnte.

An der Stelle kommt Shiller auf das Vertrauen der Anleger in den Markt zu sprechen, das er seit Jahren mit einem eigens entworfenen "Confidence Index" misst. Im Jahr 2000, als die Cape-Ratio ihren bislang höchsten Wert von 44 erreichte, befand sich der Vertrauensindex beispielsweise auf dem Tiefpunkt, so Shiller.

Gegenwärtig jedoch, so der Nobelpreisträger, sei offenbar lediglich das Vertrauen von Privatanlegern in den Markt signifikant gesunken. Profiinvestoren dagegen verzeichnen lediglich ein leichtes Nachlassen, so Shiller.

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