Sonntag, 24. September 2017

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Höchstkurse an der Börse Wie die Regierung den Deutschen die Aktie verleidet

Koalitionsverhandlungen: Der Koalitionsvertrag nimmt Formen an - doch eine Erleichterung des Aktiensparens hat keine der Parteien auf dem Zettel
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Koalitionsverhandlungen: Der Koalitionsvertrag nimmt Formen an - doch eine Erleichterung des Aktiensparens hat keine der Parteien auf dem Zettel

Die Börsen steigen seit geraumer Zeit - doch nur wenige deutsche Privatanleger sind dabei. Das liegt nicht nur an der Aktienskepsis in Deutschland. Seit Jahren erschwert die Politik das Aktiensparen - und sorgt dafür, dass nur wenige die Chancen an der Börse nutzen.

Hamburg - Ein ehrwürdiges Ziel verfolgt er, der Tag des Sparens, den Deutschland am 30. Oktober beging. Sparen ist gut, so die Botschaft. Und dieses Ziel lässt sich am besten mit einem Besuch in einer Sparkasse realisieren, die sich dafür mit Sparschweinen oder Kuscheltieren erkenntlich zeigt.

Seit 1925 wird der Tag des Sparens mit viel Erfolg begangen. Nur - irgendetwas läuft falsch. Denn obwohl die Sparquote hierzulande zu den höchsten in Europa gehört, rangieren die Deutschen in der Länderstatistik weit hinten, wenn es um das persönliche Vermögen geht.. Und daran ist auch die deutsche Politik schuld.

Aktien werden außerhalb Deutschlands nicht so stiefmütterlich behandelt wie hierzulande. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting. Fazit: Die Westeuropäer werden reicher - vor allem "durch die gut laufenden Aktienmärkte", sagte Experte Daniel Kessler bei der Vorstellung der Studie. Genau dieser Wohlstandzug braust an den deutschen Sparern vorbei. Man kann das mit einer diffusen Angst vor Aktien begründen - und sicherlich ist da etwas dran. Doch es ist mehr als das - Aktien sind für Deutschlands Politiker Teufelswerk. Und entsprechend werden sie in behandelt.

Mickrige Freibeträge, doppelte Besteuerung

In kaum einem Land in Europa fällt der Steuer-Freibetrag auf Kapitalerträge so mickrig aus wie in Deutschland. 801 Euro pro Person darf ein Sparer pro Jahr steuerfrei aus Zinsen, Kursgewinnen oder Dividenden erwirtschaften - über diese Grenze hinaus kassiert der Staat bei jedem Euro mit. Der Anreiz, größere Beträge in Aktien zu stecken, wird damit ebenso klein gehalten wie der steuerliche Freibetrag.

Hinzu kommt: Die Politik greift bei Aktien und Aktiengesellschaften mit einer doppelten Steuer zu. So wird der Gewinn eines Unternehmens in einem ersten Schritt besteuert - um dann die Dividende, obwohl sie aus bereits versteuertem Gewinn gezahlt wird, auf der Ebene des Anlegers noch einmal zu besteuern. Auch in Ländern wie Frankreich, Italien oder Großbritannien sind Kapitalertragssteuern wie die deutsche Abgeltungssteuer üblich - doch die Freibeträge sind bei den Nachbarn deutlich höher.

Wer also Aktien als einen Teil seines Vermögensaufbaus zur Alterssicherung einsetzen will, weil er langfristig Chancen an der Börse sieht, hat in Deutschland einen schweren Stand. Selbst die so genannte Riester-Rente, zur Stärkung der privaten Altersvorsorge gestartet, ist in einem Bürokratie-Wust erstickt und diente vor allem zur Stärkung der Umsätze und Provisionen in der Finanzindustrie.

Denn im Kern misstrauen Deutschlands Politiker Aktien offenbar, wie folgende Beispiele zeigen.

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