Montag, 22. Oktober 2018

Höchstkurse an der Börse Wie die Regierung den Deutschen die Aktie verleidet

Koalitionsverhandlungen: Der Koalitionsvertrag nimmt Formen an - doch eine Erleichterung des Aktiensparens hat keine der Parteien auf dem Zettel
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Koalitionsverhandlungen: Der Koalitionsvertrag nimmt Formen an - doch eine Erleichterung des Aktiensparens hat keine der Parteien auf dem Zettel

3. Teil: Lebensversicherungen in der Klemme - Aktienquote zu gering

Denn auch sie müssen ihr Depot immer wieder anpassen. Wenn zum Beispiel Aktien abzustürzen drohen. Oder wenn der Sparer einen Teil seines Vermögens zum Konsum nutzen will. "Paradox" nennt es Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI): "Auf der einen Seite subventioniert der Staat die Altersvorsorge, auf der anderen greift er über die Steuer beim Sparer kräftig zu. Die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten müssen zudem von Gesetzes wegen den Kapitalerhalt garantieren. Abhängig von den Schwankungen der Kapitalmärkte sind dafür Umschichtungen innerhalb des Portfolios unumgänglich. Bei einem Fondssparplan mit regelmäßiger Einzahlung von 100 Euro im Monat und einer Laufzeit von 40 Jahren kann das zu einer FTS-Belastung von mehreren tausend Euro führen." Zwar soll die Altersvorsorge ausgespart werden, heißt es aus der Regierung. Doch ob das auch für Aktien gilt, darf bezweifelt werden.

Denn Politiker denken bei privater Altervorsorge vor allem an die gute alte Lebensversicherung - und unterliegen damit einem Denkfehler, indem sie übersehen, dass auch die an den Kapitalmärkten aktiv werden muss. Dabei ist sie sehr stark reglementiert.

Beispiel Aktien - unbegrenzt darf keine Lebensversicherung investieren. Vielmehr müssen diese Aktien mit Eigenkapital hinterlegt werden. Das führt dazu, dass beispielsweise Aktien von Nestlé Börsen-Chart zeigen vom Investor mit Eigenkapital zu hinterlegen sind, Staatsanleihen von Portugal aber nicht. Welche der beiden Assets das größere Risiko darstellt, bleibt dahingestellt.

All das führt dazu, dass Versicherungen hierzulande herzlich wenige Aktien halten. 2011 zum Beispiel lag der Aktienanteil bei 2,9 Prozent. Wie sie ihre Zinsversprechen erzielen wollen, wissen vermutlich auch die Versicherungen selbst nicht so recht. Guter Rat ist also teuer.

Umstrittenes Provisionsverbot

Auch beim Thema guter Rat ist eine politische Debatte entbrannt - Beispiel RDR. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die britische Retail Distribution Review, die verbietet, dass ein Berater Provisionen von jenem Unternehmen bekommt, dessen Produkt er verkauft. Eine Idee, mit der inzwischen auch andere Länder flirten. Und die in der Praxis Probleme aufwirft.

"Die Regulierung zum Provisionsverbot war übertrieben, um die angestrebten Veränderungen zu erreichen", sagt Stewart Cazier, der bei der britischen Fondsgesellschaft Henderson Börsen-Chart zeigen die Entstehung der Richtlinie verfolgt hat. "Inzwischen gibt es deutlich weniger Berater. Gerade für die Menschen mit geringerem Einkommen. Gerade diese Anleger profitieren aber von der Hilfe des Beraters, um überhaupt mit dem Sparen zu beginnen."

Im Idealfall würde der Rat der Berater wie folgt lauten - auch Aktien sind kein Allheilmittel. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg am Kapitalmarkt liege nicht darin, jederzeit die richtige und möglicherweise riskante Einzelentscheidung getroffen zu haben, schreibt Christoph Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management. "Langfristig ist es entscheidend, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern sowohl Chancen als auch Risiken zu streuen", so Kessler.

Dazu gehören Anleihen, aber auch Aktien. Nicht aber ein Weltspartag.

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