Donnerstag, 20. September 2018

Erdogan beschwert sich über Notenbank Deutsche Exporteure müssen ihre Erlöse in Lira umtauschen

Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident kritisiert die Notenbank, doch die Märkte reagieren erleichtert

Nachdem die türkische Zentralbank am Donnerstag den Leitzins um 6,25 Prozentpunkte auf 24 Prozent angehoben hatte, greifen nun Anleger bei der türkischen Lira zu. Die Währung legte am Freitag weiter zu, im Gegenzug verbilligte sich der Dollar um ein Prozent auf 6,0015 Lira.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte wenige Stunden vor der Anhebung noch öffentlich niedrigere Zinsen gefordert - und legte am Freitag noch einmal nach. Vor Parteianhängern kritisierte er am Freitagmorgen die Geldpolitik der Zentralbank. Seine Geduld mit der Geldpolitik der Währungshüter habe Grenzen. Die Zinsen seien jetzt recht hoch. "Wir werden die Ergebnisse der Unabhängigkeit sehen", sagte Erdogan mit Blick auf die formelle Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank von der politischen Führung. Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen, obwohl Ökonomen diese für unumgänglich halten, sollte die Lira-Krise je bewältigt werden.

Die Lira hat dieses Jahr bereits um 40 Prozent verloren und trotz der Zinsanhebung warnen Analysten vor einer neuen Schwäche der Lira. "Die Zinserhöhung war der richtige Schritt, aber wichtig ist jetzt, wie der türkische Präsident sich zur Straffung der Geldpolitik positioniert", sagte Ökonom Kota Hirayama vom Brokerhaus SMBC Nikko Securities der DPA.

Sollte sich die Regierung in die Entscheidungen der Währungshüter einmischen, sei die jetzige Zinserhöhung vergebene Liebesmüh. Auch Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose sieht keine Tendenz zu einer nachhaltigen Lira-Aufwertung. Es sei damit zu rechnen, dass die Inflation bald den aktuellen Zinssatz übertreffen werde.

DIHK-Chef Schweitzer: "Kein Lockmittel für Investoren"

Unterdessen fordert die deutsche Wirtschaft von der Türkei angesichts des Liraverfalls eine Lockerung von Handelshemmnissen. "Exporterlöse müssen verpflichtend nun zu mindestens 80 Prozent in türkische Lira konvertiert werden. Das ist kein Lockmittel für ausländische Investoren", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der Deutschen Presse-Agentur.

Schweitzer fordert, dass sich die Türkei klar zu den Regeln der Zollunion mit der EU bekenne. Die Türkei sei mit 6500 deutschen Unternehmen vor Ort ein wirtschaftlich bedeutender Partner für Deutschland. Viele der Unternehmen seien jedoch aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Lage verunsichert. Gerade der Liraverfall verhagele vielen Unternehmen das Geschäft. "In den letzten vier Monaten sind unsere Ausfuhren in die Türkei bereits rückläufig."

Schweitzer fordert von der Türkei Signale der Stabilität, besonders hinsichtlich der Rechtssicherheit oder Unabhängigkeit der Zentralbank. "Die Betriebe warten auf belastbare Zeichen der türkischen Regierung, um verlorenen gegangenes Vertrauen wiederherzustellen." Heute findet ein Berlin ein deutsch-türkischer Wirtschaftsdialog der DIHK statt, um nach schwierigen Monaten den Austausch wieder zu fördern. Aufgrund seiner jungen Bevölkerung und der Nähe zu zahlreichen weiteren Absatzmärkten sei die Türkei nach wie vor ein vielversprechender Markt, betont Schweizer.

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