Donnerstag, 21. September 2017

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Konzernumbau und schwaches TV-Geschäft Ausverkauf bei ProSiebenSat.1

Zweistelliges Kursminus für ProSiebenSat1: Die größten Abstürze von Dax-Aktien an einem Tag
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DPA

Schwache Einnahmen mit TV-Werbung und ein sich abzeichnender Konzernumbau: ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen hat die Anleger verprellt.

Nur drei Wochen nach dem letzten Zwischenbericht senkte der Konzern in der Nacht zum Dienstag seinen Ausblick für den TV-Werbemarkt in Deutschland. Er dürfte in diesem Jahr nicht wachsen, sondern in etwa stagnieren - unter der Annahme, dass es eine Belebung zum Jahresende geben wird. Bislang deute alles darauf hin, dass sich das dritte Quartal unter den Erwartungen entwickeln werde, erklärte ProSiebenSat.1.

An der Börse sorgte das für einen regelrechten Ausverkauf: Die im Dax gelisteten Aktien der Sendergruppe stürzten bis zum Börsenschluss um 14,53 Prozent auf 27,94 Euro ab und notierten damit so niedrig wie zuletzt im Juli 2013. "Das ist die dritte Senkung des Ausblicks im Werbegeschäft in diesem Jahr", kritisierte Analystin Laurie Davison von der Deutschen Bank. Auch andere gelistete Medienunternehmen verloren deutlich.

Die Entwicklung des TV-Werbemarkts macht ProSiebenSat.1 schon seit einiger Zeit zu schaffen. Bereits im Mai hatte Vorstandschef Thomas Ebeling zur Enttäuschung der Anleger seine Erwartungen an das Marktwachstum im laufenden Jahr von zunächst 2 bis 3 Prozent auf 1,5 bis 2,5 Prozent zurückgeschraubt. Anfang August wurde dieses Ziel dann noch bestätigt - allerdings mit dem Hinweis versehen, wahrscheinlicher sei ein Wachstum am unteren Ende dieser Spanne. Nun hieß es, die bisherigen Kunden-Rückmeldungen insbesondere für den wichtigen Monat September seien enttäuschend.

ProSiebenSat.1 will neue Unterhaltungssparte schaffen

Um die Abhängigkeit von der sehr schwankungsanfälligen TV-Werbung zu verringern, baut ProSiebenSat.1 seit Jahren sein Onlinegeschäft aus. Im ersten Halbjahr hatte der Konzern bereits die Hälfte seiner Erlöse aus anderen Quellen erwirtschaftet. Die Umsatz- und Gewinnprognose für 2017 steht deshalb vorerst unverändert: Der Konzernumsatz soll demnach mindestens im hohen einstelligen Prozentbereich steigen, der bereinigte Überschuss über Vorjahr liegen. Für einen außerordentlichen Gewinn von 319 Millionen Euro im laufenden Quartal sorgt der Verkauf des Flugreiseportals Etraveli an den Finanzinvestor CVC.

Um wieder in die Offensive zu kommen, spielt Ebeling nun einen Konzernumbau durch. Kern der Überlegungen ist die Schaffung einer neuen Unterhaltungssparte. So könnte die Sendergruppe mit dem Bereich Digital Entertainment zusammengelegt werden, zu dem etwa die Online-Videothek Maxdome gehört. Zudem will ProSiebenSat.1 in den Bereichen Content Production und Commerce schneller wachsen. Dafür könnte sich der Konzern nach eigenen Angaben Investoren an Bord holen und auch über Zusammenschlüsse sprechen. "Die Überprüfung beinhaltet auch die Möglichkeit für potenzielle künftige Börsennotierungen", erklärte das Unternehmen. Details sollen am 9. November vorgestellt werden.

Der Bereich Content Production ist etwa für die Vermarktung von Fernsehsendungen zuständig. So kümmert sich die Tochter Red Arrow um den weltweiten Vertrieb der US-Krimiserie "Bosch", die vom Onlinehändler Amazon in Auftrag gegeben wurde. Der Bereich Commerce umfasst verschiedene Internetdienste und -händler, darunter das Vergleichsportal Verivox, den Erotikartikelversand Amorelie oder den Onlineoptiker Brille 24. Das manager magazin berichtet in seiner aktuellen Ausgabeüber die Pläne des Konzerns, sein Digitalgeschäft mit Parship und Verivox abzuspalten und an die Börse zu bringen.

Auch britischer Werbekonzern WPP unter Druck

Die Angst vor einem schwachen Werbegeschäft lastet schon länger auf der Branche. Dabei wird der Rückgang bei den TV-Umsätzen oftmals mit saisonalen Effekten erklärt. Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Probleme struktureller Natur sind. So sieht DZ-Bank-Analyst Harald Heider den Grund des schwachen TV-Werbegeschäfts in der Abwanderung vieler Werbetreibender in die Onlinemedien. Die negativen Auswirkungen begännen sich nun zu zeigen.

Das allgemeine Raunen rund um die TV-Werbebranche setzte in den vergangenen Monaten nicht nur die ProSiebenSat.1-Papiere unter Druck. Nach einer Umsatzwarnung des britischen Werbekonzerns WPP hatten auch die Papiere von RTL Börsen-Chart zeigen und des Außenwerbe-Spezialisten Ströer Börsen-Chart zeigen bereits gelitten.

Die Papiere von ProSiebenSat.1 sind der schlechteste Wert des Jahres im deutschen Leitindex Dax mit einem Verlust von 22 Prozent - bei einem insgesamt mit 4 Prozent im Plus liegenden Markt. RTL-Aktien verloren seit Jahresanfang 13 Prozent und sind damit der sechstschlechteste Wert im MDax, dem Index der mittelgroßen deutschen Konzerne. Dieser hat im bisherigen Jahresverlauf um fast 10 Prozent zugelegt.

mg/rtr/dpa-afx

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