Samstag, 25. Juni 2016

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Putins Comeback  Warum der Pariser Terror Anlagechancen in Russland eröffnet

Offensichtliche Annäherung: US-Präsident Obama und Russlands Präsident Putin im Gespräch beim G20-Gipfel in der Türkei
Cem Oksuz/ Anadolu Agency/ AP
Offensichtliche Annäherung: US-Präsident Obama und Russlands Präsident Putin im Gespräch beim G20-Gipfel in der Türkei

Geldanleger, die sich wegen der Terroranschläge in Paris Sorgen um ihre Ersparnisse gemacht haben, können offenbar beruhigt sein: Schon am Montag zeigten die Börsen eine relativ gelassene Reaktion. Eine Blitzumfrage, die die Münchener V-Bank für manager-magazin.de durchgeführt hat, zeigt nun: Viele Finanzprofis schätzen die Auswirkungen auf die Märkte ebenfalls als gering ein.

Mehr noch: Nach Ansicht einiger Vermögensverwalter ergeben sich durch die neue Situation für Investoren sogar konkrete Anlagechancen. Das Zusammenrücken der Staaten könne auch Russland ein Stück weit aus seiner Isolation befreien, heißt es. Die Folge könnte eine Lockerung der Sanktionen gegen das Reich von Präsident Wladimir Putin sein - mit entsprechendem Potenzial für die Kurse an der russischen Börse.

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So gingen Bilder um die Welt, auf denen Putin und der US-amerikanische Präsident Barack Obama beim G20-Gipfel in der Türkei am Wochenende im offensichtlich intensiven Gespräch regelrecht die Köpfe zusammenstecken. Eine Szene, die noch vor wenigen Woche angesichts des über die Ukraine-Krise abgekühlten Verhältnisses beider Länder schier undenkbar schien.

"Sollte es auf dem G20-Treffen in der Türkei zu einer Annäherung der USA an Putin im Syrien-Konflikt kommen, könnte das eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen für Russland bedeuten", sagt Jörg Lobe, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Aubilia in Düsseldorf.

Auch Dieter Helmle von der Capitell Vermögens-Management AG in Frankfurt erwartet positive Auswirkungen für russische Aktien und Werte mit Russland-Bezug. Der Grund sei neben der niedrigen Bewertung die erhöhte Wahrscheinlichkeit der Sanktionsaufweichung, aufgrund derer die Region bei bestimmten Fonds wieder mehr Berücksichtigung finde.

"Terror gehört zu Basisrisiken des Lebens"

An anderweitige wirtschaftliche Konsequenzen der Anschläge von Paris glaubt dagegen offenbar kaum ein Investmentprofi. "Wirtschaftlich gesehen hat der Anschlag kaum negative Auswirkungen", sagt etwa Rolf Ehlhardt von Independent Capital Management in Mannheim. "Erst wenn ein zweiter Anschlag in einem anderen Land stattfinden würde, würde die Unsicherheit zunehmen. Dann könnten die negativen Auswirkungen auf die Börsen kräftig werden."

Insbesondere die Notenbanken dürften sich nach Ansicht der Vermögensverwalter von den Ereignissen kaum beirren lassen. Auf die Frage, ob die US-Zentralbank Fed nun womöglich mit ihrem geplanten Zinsschritt nochmals zögere, antwortete keiner der befragten Finanzprofis mit "ja". Gleiches gilt in Bezug auf die Frage, ob die EZB ihre Geldpolitik nach Paris noch stärker lockern werde.

Einen ähnlichen Standpunkt hatte schon am Montag Thomas Grüner, Chef von Grüner Fisher Investments, im Gespräch mit manager-magazin.de vertreten. Weder die Fed noch die EZB würden sich in ihrer Geldpolitik durch den Terror beeinflussen lassen, so Grüner. Dazu sei die realwirtschaftliche Bedeutung der Anschläge einfach zu gering.

"Leider befinden wir uns in einer Epoche, in der Terroranschläge zu den Basisrisiken des Lebens gehören", fast Thomas Wüst, Geschäftsführer von Valorvest in Stuttgart, die Situation aus Anlegersicht zusammen. Investoren müssten sich daher mit diesen Risiken bereits im Vorfeld ihrer Geldanlage auseinandersetzen. Weil viele dies offenbar bereits tun, seien die Finanzmärkte in Bezug auf solche Risiken inzwischen robuster geworden, so Wüst.


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