Samstag, 3. Dezember 2016

Iran-Sanktionen Atomabkommen drückt Ölpreis auf 13-Jahrestief

Öl- und Gas-Messe in Teheran: Der Iran hofft nach der Aufhebung der Handelssanktionen auf hohe Investitionen aus dem Ausland und schnell steigende Öl-Exporte

Nach dem Atomabkommen mit Iran hat die internationale Staatengemeinschaft die Sanktionen aufgehoben - das Land kann also auch mit seinem Erdöl wieder auf den Weltmarkt zurückkehren. Zum Handelsauftakt an den asiatischen Börsen reagierten die Ölpreise zunächst deutlich: Der Preis für Öl der führenden Nordseesorte Brent fiel zeitweise mehr als zwei Prozent auf 27,67 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) und war damit so billig wie seit 2003 nicht mehr. US-Öl gab bis auf 28,36 Dollar pro Fass nach.

Da Iran wieder mehr Öl verkaufen könne, erhöhe dies den Abwärtsdruck auf die Preise, sagten Analysten. Die Ölpreise sind seit Mitte 2014 um 75 Prozent eingebrochen, seit Anfang 2016 um über 25 Prozent. Grund sind ein Überangebot und eine zugleich maue Nachfrage wegen trüber Konjunkturaussichten.

Am Markt herrschte zuletzt die Sorge, dass der Preisverfall ungebremst weitergehe. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Samstag Iran bescheinigt, alle Verpflichtungen des Atomabkommens vom vergangenen Juli erfüllt zu haben. Die USA und die EU heben daher ihre Finanz- und Wirtschaftssanktionen auf - damit fallen unter anderem viele Beschränkungen im Finanzwesen und im Energiesektor.

Kreml in Haushaltsnot - wird jetzt Rosneft zum Teil verkauft?

Russland, das seine Wirtschaft zum Großteil auf die Öl- und Gasindustrie ausgerichtet hat, erwägt angesichts des Preisverfalls nun sogar, einen Teil des staatlichen Ölkonzerns Rosneft zu verkaufen, Haushaltslöcher zu stopfen: "Wir müssen nun eine Entscheidung treffen, woher wir das Geld nehmen", sagte Finanzminister Anton Siluanow am Samstag mit Blick auf das Haushaltsminus. Deshalb sollten 19,5 Prozent von Rosneft verkauft werden. Dies hätte eigentlich bereits vor Jahren geschehen sollen, sagte Siluanow.

In Deutschland warnen Fachökonomen vor den Folgen der fallenden Ölpreise für den Ausbau der erneuerbaren Energien. "Je niedriger die Preise fossiler Energien sind, umso teurer sind die alternativen Energien oder Effizienzmaßnahmen", sagte Harald Hecking vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln der Nachrichtenagentur dpa.

In Bereichen wie Wärme und Verkehr, wo Erdöl eine relevante Rolle spielt, hätten es die regenerativen Träger ohnehin schon schwer. "Je niedriger der Ölpreis ist, umso herausfordernder wird es, Erneuerbare in diesen Sektoren auszubauen", meinte Hecking.

Billiges Öl behindert Ausbau alternativer Energien

Öl sei in vielen Sektoren bisher kaum oder nur unter sehr hohen Kosten zu ersetzen, betonte der Energieökonom. Daher werde der Rohstoff sowohl im deutschen als auch im weltweiten Energiemix weiter sehr wichtig bleiben. Geplant ist eigentlich, dass der Ökostrom-Anteil bis 2050 auf 80 Prozent steigt. Ziel ist es, das Klima zu schützen und eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdgas und Erdöl zu erreichen.

Die Talfahrt der Benzin- und Dieselpreise erschwert laut Hecking zudem den von der Bundesregierung angestrebten Ausbau der Elektromobilität. Bis 2020 sollen eine Million E-Autos über Deutschlands Straßen rollen, derzeit sind es aber nur einige Zehntausend.

rei/nck/dpa/Reuters

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