Samstag, 16. Dezember 2017

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Nach Zinsskandal London verliert Londons Bankenzins Libor

Londons Finanzcenter Canary Wharf: Libor-Ermittlung bald nicht mehr in britischer Hand

Schwerer Schlag für Londons Finanzcity: Die Banken in Großbritanniens Hautstadt müssen ausgerechnet die Festlegung jenes Bankenzinses an andere abgeben, der den Namen Londons in seiner eigenen Abkürzung trägt - den Libor. Es übernimmt: die gebündelte Konkurrenz aus New York und Paris.

London - Bitterer kann die Strafe kaum sein. London verliert die Feststellung des Libor-Zinses, und damit jenes wichtigen Zinssatzes, der den Namen der britischen Hauptstadt sogar in sich trägt - die London Interbank Offered Rate, kurz: Libor. Jenes Zinses also, den Londons Banken offenbar in der vergangenheit manipuliert hatten - und damit einen Finanzskandal historischens Ausmaßes ausgelöst hatten. Jetzt müssen die britischen Banken andere ranlassen.

Der New Yorker Börsenbetreiber NYSE Euronext Börsen-Chart zeigen soll künftig die von einem Manipulationsskandal erschütterten Libor-Zinssätze ermitteln. Anfang 2014 übernehme das US-Unternehmen die Verantwortung von der kritisierten britischen Bankenvereinigung BBA, wie die britische Finanzaufsicht FCA am Dienstag in London bekanntgab. Die Oberaufsicht soll bei der Behörde liegen. Mit dem Schritt will sie helfen, das Vertrauen in die wichtige Benchmark wiederherzustellen. Daran gibt es aber schon Zweifel. An der umstrittenen Erhebungsmethode soll sich zunächst nichts ändern.

Einige Analysten gaben sich verwundert, dass nun ausgerechnet der Betreiber der zweitgrößten Derivatebörse Europas mit der Feststellung der Referenzzinssätze betraut wird. Die NYSE-Tochter Liffe, eine Konkurrentin der Deutsche-Börse-Sparte Eurex, bietet auch zahlreiche Absicherungsgeschäfte auf Libor-Basis an. "Das wirkt einfach nicht unabhängig genug", sagte RBC-Analyst Peter Lenardos der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die NYSE gründet für die Libor-Ermittlung eine eigene Tochter in Großbritannien.

Finanzgeschäfte in dreistelliger Billionenhöhe

Der Libor ist die Basis für Finanzgeschäfte in dreistelliger Billionenhöhe. Geringste Ausschläge können Millionen an Gewinn oder Verlust bringen. 2012 waren jahrelange Manipulationsversuche von Banken bekannt geworden. Als erste wurden Barclays Börsen-Chart zeigen, Royal Bank of Scotland (RBS) Börsen-Chart zeigen und der Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen zu Strafen von zusammen gut 2,5 Milliarden US-Dollar verurteilt. Gegen weitere Institute laufen die Ermittlungen noch, darunter auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen. Wegen Beteiligung an den Manipulationsversuchen feuerte das Institut bereits einige Händler.

Die "London Interbank Offered Rate" (Libor) war 1986 von der BBA als Referenzzinssatz eingeführt worden. Die Rate soll angeben, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Die Ermittlung beruht aber nicht auf tatsächlichen Geschäften, sondern auf Eingaben von Großbanken. Das ist wenig transparent und bietet deshalb nach Einschätzung von Kritikern Raum für Manipulationen.

Derzeit suchen Aufseher weltweit nach Möglichkeiten, wie der Libor besser vor Manipulationen geschützt werden kann. Das kann aber Jahre dauern. So hat die EU etwa schon vorgeschlagen, die Aufsicht der europäischen Börsenaufsicht Esma zu übertragen. Auch der internationale Finanzstabilitätsrat FSB, in dem die wichtigsten Finanzaufsichtsbehörden der Welt sich abstimmen, will Reformvorschläge entwickeln.

kst/dpa-afx

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