Donnerstag, 13. Dezember 2018

Börse Das Märchen vom tumben Privatanleger

Studie: Was Anleger lockt
DPA

Der Privatanleger - ein Börsen-Laie, der entweder zu spät kauft, zu früh verkauft oder sein Geld auf Sparkonten versauern lässt? Eine Untersuchung zeigt: Das Anlageverhalten von Privatanlegern ist besser, als viele glauben.

Hamburg - Professionelle Fondsmanager und Investoren haben in der Regel ein ganzes Team zur Verfügung, um sich ihrem Tagesgeschäft aus Aktien-, Anleihen- oder Derivatehandel zu widmen. Privatanleger, die sich selbst um das Management ihrer Wertpapiere kümmern, wenden dafür deutlich weniger Zeit auf. Geldanlage findet nur nebenher statt. Trotzdem schlagen sie sich gar nicht so schlecht - mit einer wichtigen Ausnahme.

Wer Privatanleger befragt, was sie derzeit am meisten sorgt, wird als Antwort "Inflation" erhalten. Eine entsprechende Studie hat die Fondsgesellschaft M&G jüngst veröffentlicht. 2,3 Prozent Inflation sind es, die über die kommenden zwölf Monate erwartet werden. Auf Sicht von fünf Jahren sind es 3,3 Prozent. Mag es bei Ottonormalanleger auch nur eine böse Ahnung gegenüber der ausufernden Politik von Fed und Europäischer Zentralbank (EZB) sein - der Befund deckt sich mit dem vieler Finanzexperten, auch wenn diese auf fein ziselierte Abhandlungen beispielsweise über die verschiedenen Geldmengen M1, M2 und M3 zurückgreifen.

Die Schlussfolgerung ist bei beiden Gruppen gleichfalls identisch: Sachwerte müssen her. Gold zum Beispiel. Tatsächlich vermeldet Börse Stuttgart Securities nicht ohne Stolz, dass für ihr Anlagevehikel Euwax Gold jeden einzelnen Tag des Jahres 2013 mehr Kauforder als Verkaufsorder eingegangen seien. Und eine Befragung von Privatanlegern durch Sparda-Bank Hamburg und Steinbeis-Hochschule Berlin kommen zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Befragte Gold als Sachwert kaufen würden, 23 Prozent sind es bei Immobilien.

Gold und Immobilien - das sind grundsätzlich keine schlechte Ideen für Privatanleger, wenn die Inflation anzieht. Auch Profis setzen aufs gleiche Pferd. "Heute macht Gold mehr Sinn denn je", sagte zum Beispiel Vermögensverwalter Bert Flossbach im Juli. Und auch, das Pulver trocken zu halten - also auch mal höhere Mengen Bargeld zu halten - muss nicht schlecht sein.

So halten es viele Privatanleger. Der Anteil schlecht verzinster Bankeinlagen, so berichtet es der Allianz Wealth Report, sei zwischen 2008 und 2012 deutlich gestiegen. In der Euro-Zone strömte in diesem Zeitraum mehr als die Hälfte (53 Prozent) des "frischen" Spargeldes den Banken zu, in den USA waren es zwei Drittel (67 Prozent).

Auch Unternehmen mit all ihrer Expertise und Personal machen es so. Vor allem mittelständische Unternehmen "bauen wieder massiv Liquidität auf, haben hohe Reserven und hohen Anlagebedarf", urteilt Professor Volker Wittberg von der Fachhochschule des Mittelstandes in Detmold.

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