Samstag, 23. September 2017

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Rätselhafter Kurssturz Daten-Panne kostet Amazon 400 Mrd Marktwert - scheinbar

Nasdaq in New York: Immer wieder kommt es zu Fehlern im Wertpapiehandel

Schon wieder eine Panne am Finanzmarkt. Diesmal traf es die US-Tech-Börse Nasdaq, wo am Montagabend nach Handelsschluss plötzlich zahlreiche Aktien wie Amazon Börsen-Chart zeigen, Microsoft Börsen-Chart zeigen, Apple Börsen-Chart zeigen oder der Spieleanbieter Zynga Börsen-Chart zeigen auf exakt demselben Kurs standen, nämlich bei 123,47 Dollar.

Für die Aktien bedeutete dies zum Teil enorme Kurssprünge in die eine oder andere Richtung sowie kurzzeitige Handels-Stopps. Das Papier des Online-Händlers Amazon beispielsweise notiert derzeit eigentlich bei 953 Dollar und war somit auf den ersten Blick um mehrere hundert Dollar eingebrochen. Amazons Marktkapitalisierung liegt aktuell auf dem Niveau von 450 Milliarden Dollar - am Montagabend waren es kurzzeitig knapp 400 Milliarden weniger.

Fünf Aktien, ein Kurs: An der Nasdaq kam es Montagabend erneut zu einer Panne
[M] mm.de, Foto: REUTERS
Fünf Aktien, ein Kurs: An der Nasdaq kam es Montagabend erneut zu einer Panne

Ähnliche Verschiebungen verursachte die Computerpanne bei anderen Aktien. Für das Papier von Microsoft beispielsweise bedeutet der falsche Kurs von 123,47 Dollar einen Anstieg um fast 80 Prozent und einen scheinbaren Börsenwert von beinahe einer Billion Dollar. Für Zynga, den Betreiber von Browserspielen, gab es sogar einen raketenhaften Kursausbruch von etwa 3000 Prozent.

Die Panne erinnert an andere unerklärliche Kursausschläge, zu denen es am Finanzmarkt immer wieder kommt. Hintergrund ist die zunehmende Technisierung des Wertpapierhandels, aufgrund derer derartige Ereignisse häufiger auftreten können.

Erst vor wenigen Tagen war beispielsweise der Goldpreis aus heiterem Himmel binnen Minuten um 1,5 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig hatte sich das Handelsvolumen ebenfalls schlagartig um ein Vielfaches erhöht. Beobachter vermuteten in dem Fall, dass - wie schon häufiger - ein sogenannter Fat-Finger-Fehler der Grund für den Ausreißer war, ein Händler also, der bei der Eingabe einer Verkaufsorder ins Computersystem versehentlich einen Fehler gemacht hatte.

Die Panne am Montagabend an der New Yorker Nasdaq Börsen-Chart zeigen hatte allerdings offenbar andere Gründe. Laut "Financial Times" (kostenpflichtig) geht der Fehler auf Testdaten zurück, die vom Börsenbetreiber routinemäßig nach Handelsschluss ausgesendet werden, und die in diesem Fall versehentlich in den Live-Handel geraten sein müssen. Ein Sprecher der Börse betonte Medienberichten zufolge, der Fehler liege nicht bei der Nasdaq, sondern bei Drittanbietern von Kursdaten. Der "FT" zufolge war der Fehler auf der offiziellen Website der Nasdaq nicht zu sehen, wohl aber auf den Kursübersichten von Anbietern wie Bloomberg, Reuters oder Google Finance.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Aktienkäufe oder -verkäufe waren von dem Fehler laut Nasdaq angeblich nicht betroffen. Laut "FT" gab es zwar eine Hand voll Deals in Fernost, die zu den falschen Konditionen abgeschlossen wurden. Diese seien jedoch zum Großteil wieder annulliert worden, so die Zeitung.

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