Freitag, 28. Juli 2017

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IPO-Hype um Naga AG Der vollkommen reale Börsengang eines teilweise fiktiven Unternehmens

Frankfurter Börse: Was macht der so genannte "Börsenstar" Naga eigentlich genau?

Es ist der Börsengang, auf den Aktiendeutschland gewartet hat. Zum Ausgabepreis von 2,60 Euro ging die Hamburger Naga AG am Montag aufs Parkett. Am Mittwoch wurden die Papiere zeitweise zu fast 16 Euro gehandelt - ein Plus von mehr als 500 Prozent in drei Tagen also. "Traumstart an der Börse", jubelt die ARD. "Neuling entwickelt sich zum Börsenstar", frohlockt n-tv. Es rieche verdächtig nach "Neuem Markt", wie manager magazin Online mit Blick auf die hohen Kursgewinne berichtete. Und niemanden scheint es zu stören.

Fragt sich bloß: Hat eigentlich irgendwer mal in den Prospekt geschaut? Hat irgendjemand auch nur den blassesten Schimmer, was die Naga AG macht? Woher sie kommt? Wer hinter ihr steht?

Eine Spurensuche.

Gegründet wurde die Naga Group AG laut Handelsregister 2015. Ende jenes Jahres, so lässt sich im Bundesanzeiger nachlesen, kam das Unternehmen auf ein negatives Eigenkapital von knapp 386.000 Euro. Die bilanzielle Kapitalsituation wäre noch schlimmer ausgefallen, hätte die Naga AG zu diesem Zeitpunkt nicht bereits eine Handvoll angeblich werthaltiger Beteiligungen besessen. Die fünf 100-prozentigen Töchter kamen zwar zusammen lediglich auf ein Eigenkapital von 11.000 Euro (übrigens bei kumulierten Verlusten von 174.000 Euro) - das hielt die Naga AG allerdings nicht davon ab, die "Anteile an verbundenen Unternehmen" mit satten 265.000 Euro zu bilanzieren.

Bilanziell eher trostlose Firma mutiert zum "Börsenstar"

Scharfe Börsenwette: Die Naga AG feierte ein fulminantes Börsendebüt - doch was steckt dahinter?

Dass diese bilanziell eher trostlose Firma zum "Börsenstar" mutierte, gleicht einem Mirakel. Mir organischem Wachstum hatte das Wunder allerdings wenig zu tun - eher schon mit einem wilden Generalumbau. Jedenfalls wimmelt es im 360 (!) Seiten dicken Wertpapierprospekt nur so von "Sacheinlagen", "Aktieneinlagen", "indirekten Beteiligungen", "Beherrschungs- und Gewinnabfühungsverträgen", "Rückübertragungen", "notariellen Beteiligungsverträgen", "Gewinnbezugsrechten", "schuldrechtlichen Zahlungen", "Einbringungsverträgen", "Zielbeteiligungen", "Wandelschuldverschreibungen" etc.pp. Natürlich mangelt es auch nicht an Kapitalerhöhungen. Und zwar jedweder Art und scheinbar endloser Zahl.

Auf Seite 110 des Prospekts beginnt schließlich ein langes Kapitel, das mit "Pro-Forma-Finanzinformationen" überschrieben ist. Hier finden sich - wörtlich wiedergegeben - Passagen wie die folgenden:

· Die Pro-Forma-Finanzinformationen wurden ausschließlich zu illustrativen Zwecken erstellt. Da die Pro-Forma-Finanzinformationen aufgrund ihrer Wesensart lediglich eine hypothetische Situation beschreiben, spiegeln sie folglich nicht die tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des NAGA-Konzerns wider.

· Im fiktiven Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2016 vereinnahmte die HBS-Gruppe Kommissionen für ihre Introducing-Broker-Tätigkeiten von einer Tochter der NAGA AG, der Hanseatic Brokerhouse Global Markets Ltd, Zypern, ("HBGM") in Höhe von TEUR 691.

· Im Rahmen der fiktiven vorläufigen Kaufpreisallokation des Unternehmenserwerbes der HBS-Gruppe zum 1. Juli 2016 wurden Finanzanlagen der HBS-Gruppe (Aktien der Varengold Bank AG) neu bewertet und um TEUR 82 höher bilanziert.

Die wesentlichen Transaktionen, die aus der alten Naga AG die neue Naga AG machten, waren ganz grob gesagt offenbar folgende: Eine ganz wichtige Rolle spielt eine gewisse Zack Holding GmbH, die laut Prospekt vor dem Börsengang gut 26 Prozent an der Naga hielt - und die einem gewissen Yasib Sebastian Qureshin zugeordnet wird (er scheint der Kopf hinter dem Naga-Konstrukt zu sein).

Zack Holding bringt Swipy Technology in die Naga ein - Grundkapital steigt gerade mal um einen Euro

Am 21. März 2016 brachte diese Zack Holding ihre Beteiligung an der Swipy Technology GmbH (diesen Namen bitte besonders gut merken) in die Naga AG ein. Für diese Übernahme musste die Naga AG ihr Grundkapital gerade mal um den Ausgabebetrag von einem (!) Euro erhöhen. Ein Schnäppchen also.

Bereits einen Monat zuvor hatte besagter Qureshin laut der jüngsten Einladung zur Naga-Hauptversammlung seine sämtlichen Anteile an der Zack Beteiligungs GmbH (nicht zur verwechseln mit der Zack Holding GmbH) für 490.000 Euro ebenso an die Naga AG verkauft. Davor wiederum hatte die Zack Holding GmbH für ebenfalls 490.000 Euro die Hanseatic Brokerhouse Global Markets Ltd. (mit Sitz in Zypern) erworben.

Dieser Kauf steht offenbar bis heute unter dem Vorbehalt, dass die zyprische Börsenaufsicht dem Deal zustimmt. Darum hält in der Zwischenzeit Qureshi die Anteile an der Zack Beteiligungs GmbH treuhänderisch für die Naga AG - wobei es auch laut Prospekt "noch" keine Beherrschung durch die Naga gibt.

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