Mittwoch, 28. September 2016

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China-Crash und Dax-Drama Börsen-Angst ist Währungs-Angst

Dax 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax
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DPA

Binnen einer Woche hat der Dax fast die gesamten Gewinne des Vorjahres abgegeben. Ob sich die Börsen nach der Horrorwoche rasch erholen, hängt auch vom Wechselspiel zwischen Yuan, Euro und Dollar ab.

Was für ein Jahresauftakt an der Börse - der schlechteste seit Jahren. Binnen einer Woche hat der Dax Börsen-Chart zeigen um knapp 9 Prozent nachgegeben und damit die Gewinne des Vorjahres fast aufgebraucht. Treten mit Börsencrash und Konjunktursorgen in China nun zwei neue Bösewichte auf die finanzpolitische Bühne? Nein. Im Kern geht es seit vielen Jahren immer nur um eines - um Währungen.

Denn das Wechselspiel der Währungen hängt auch mit den Leitzinsen zusammen. Niedrige Leitzinsen sind die seit Jahren verabreichte Medizin von Mario Draghi, Mark Carney und Haruhiko Kuroda, den Herren über die Zentralbanken Europas, Englands und Japans. Sie sollen das blutarme Wachstum der Realwirtschaft stärken. Weil niedrige Leitzinsen dafür sorgen, dass Unternehmen Zugang zu günstigen Kredite bekommen. Aber auch, weil eine durch niedrige Zinsen und billiges Geld verwässerte Währung in der Regel auch eine schwache Außenwährung ist - zumindest schwächer als die robusterer Volkswirtschaften.

Mit einer solch schwachen Außenwährung sind Länder wie das exportorientierte Deutschland bislang gut gefahren. Doch nun könnte China die Strategie von EZB-Chef Mario Draghi, die schwache Wirtschaft im Euro-Raum auch über einen weichen Euro anzukurbeln, durchkreuzen.



Noch profitieren deutsche Unternehmen vom schwachen Euro - und von Draghi. "Die Geldpolitik wird weiterhin wachstumsfreundlich bleiben", schreibt Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. "Die EZB weitet ihre Bilanz aus und kauft monatlich Wertpapiere, einschließlich Staatsanleihen, im Wert von 60 Milliarden Euro - Ende offen, mindestens aber bis März 2017", protokolliert Martin Moryson von Sal. Oppenheim. "Diese Divergenz führt dazu, dass die europäische Wirtschaft nicht nur von niedrigen Zinsen, sondern auch von einem schwachen Euro profitiert."

Peking verliert Kontrolle - kommt nun der Abwertungswettlauf mit China?

Es sei denn, China verschärfte das, was als "Abwertungswettlauf" oder gar "Währungskrieg" zwischen Yen, Euro, Dollar, Pfund und Yuan bezeichnet wird: Den Kampf um die weichste Währung. Genau das fürchten die Investoren. "Der Yuan geriet unter starken Abwertungsdruck, was an den globalen Finanzmärkten Zweifel schürte, ob die Regierung die Lage noch unter Kontrolle hat", heißt es beim Fondshaus Bantleon. Doch bei Bantleon zumindest glaubt man, dass die Lage in China sich zeitnah beruhigen wird.

Das zeigt, wie sich die Wahrnehmung der Investoren je nach Marktphase ändert. Im Aufschwung werden Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft Chinas, um schwelende geopolitische Unsicherheiten, um das Abschmieren des Ölpreises beiseite geschoben und ausgeblendet. Geht es dagegen abwärts, rücken diese Themen umso stärker in den Vordergrund - selbst dann, wenn es keine wirklich neuen Themen sind. Börsen-Angst ist daher auch Währungs-Angst. Bis sie wieder verfliegt.

Bis dahin dürfte es an der Börse äußerst volatil bleiben. Allianz Global Investors rät zu "Fingerspitzengefühl" bei der Anlageentscheidung: Will heißen, lieber eine Weile die Finger aus dem Aktienmarkt heraushalten, bevor man sie sich verbrennt - oder vorschnell ins fallende Messer greift.

Nach der Horrorwoche für den Dax Börsen-Chart zeigen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es womöglich schon in der kommenden Woche zu einer kurzfristigen Gegenreaktion mit kräftigen Tagesgewinnen kommt - doch das muss noch nicht das Ende des China-Gewitters sein.

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