Mittwoch, 27. Juli 2016

Eigene Medikamente in Sicht Börse feiert Biotech-Konzern Morphosys

Morphosys-Stammsitz in Martinsried bei München

Der Biotechnologie-Konzern Morphosys ist optimistisch: Für zwei seiner Medikamentenkandidaten könnte in diesem Jahr die Zulassung beantragt werden. Damit rücken nach Worten von Unternehmenschef Simon Moroney produktbezogene Umsätze erstmals in greifbare Nähe. Diese sollen in den kommenden Jahren "signifikant steigen". Damit es so weitergeht, will das TecDax-Unternehmen mehr Geld in die Erforschung firmeneigener Produktkandidaten stecken.

Die Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Aufschlag von 11 Prozent in der Spitze. Allerdings hinken die Papiere mit einem Abschlag von rund 35 Prozent seit Jahresbeginn dem TecDax noch deutlich hinterher. Der Technologiewerte-Index hat im selben Zeitraum 10 Prozent verloren.

Bisher verdient Morphosys Geld damit, dass es in Partnerschaft mit großen Pharmaunternehmen Medikamente auf Basis von Antikörpern entwickelt und dafür von den Unternehmen Zahlungen enthält. Im vergangenen Jahr profitierte Morphosys auf diese Weise kräftig von einem Sondereffekt und schrieb schwarze Zahlen.

Nach grünen Zahlen 2015 erwartet Morphosys wieder Verluste

Das Unternehmen erhielt vom US-Pharmakonzerns Celgene hohe Einmalzahlungen nach dem vorzeitigen Ende einer Entwicklungspartnerschaft. Der Umsatz stieg um 66 Prozent auf 106,2 Millionen Euro, rund 59 Millionen Euro gingen auf den Celgene-Ausstieg zurück. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg auf plus 17,2 Millionen Euro (2014: minus 5,9 Mio. Euro).

"Dank der Fortschritte im letzten Jahr hat Morphosys nun eine breitere und ausgereiftere Produktpipeline als jemals zuvor. Die ersten therapeutischen Antikörper stehen vor der Marktzulassung", Simon Moroney, Vorstandschef von Morphosys
Für das laufende Jahr geht das Unternehmen nun wieder von roten Zahlen und rückläufigen Umsätzen aus. Das Ebit dürfte bei minus 58 bis minus 68 Millionen Euro liegen. Der Umsatz soll 47 bis 52 Millionen Euro erreichen. Analysten zeigten sich erfreut über den Ausblick und die positiven Aussichten, die die Medikamenten-Pipeline biete.

So sollen die Forschungs- und Entwicklungskosten deutlich steigen: Für die firmeneigenen Programme will Morphosys 76 bis 83 Millionen Euro investieren, im vergangenen Jahr waren es 56,6 Millionen Euro. Geld dafür ist aus einer Kapitalerhöhung vorhanden. Davon waren Ende 2015 noch 298,4 Millionen Euro übrig. Bei der Entwicklung eigener Wirkstoffe kommt Morphosys vor allem mit seinen beiden Antikörpern MOR202 und MOR208 voran. Es sind Antikörper, die bei Blutkrebserkrankungen zum Einsatz kommen sollen.

Entwicklung eigener Wirkstoffe macht Fortschritte

Am weitesten ist Morphosys aber bei drei Medikamenten-Kandidaten, die das Unternehmen in Partnerschaft entwickelt und die demnächst auf den Markt kommen könnten: Ganz vorne steht das Mittel Bimagrumab gegen die Muskelerkrankung sIBM in Kooperation mit dem Schweizer Pharmaunternehmen Novartis . Aktuell gibt es eine Studie, aus der zulassungsrelevante Daten hervorgehen sollen. Die Zulassung soll noch in diesem Jahr bei den Behörden beantragt werden. Morphosys hält es für realistisch, dass die Markteinführung 2017 sein wird.

Auch für das Schuppenflechte-Mittel Guselkumab (mit Janssen) könnte in diesem Jahr der Zulassungsantrag gestellt werden und das Mittel 2017 auf den Markt kommen. Ein dritter Kandidat ist Gantenerumab (mit Roche ) gegen Alzheimer.

rei/dpa/Reuters

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