Donnerstag, 25. August 2016

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Ökonom Max Otte "Wir driften in eine Planwirtschaft"

Max Otte: "In der Krise wurde Europa am Kapitalmarkt regelrecht zusammengeschossen"

Seit Max Otte die Finanzkrise vorhersagte, gilt der Ökonom und Vermögensverwalter als Crash-Prophet. manager magazin online gewährt er Einblicke in sein Portfolio und erklärt, warum die größten Risiken abseits der Börsen liegen.

mm: Herr Otte, derzeit notieren Dax und Dow nahe ihrer historischen Höchstwerte. Wann kommt der nächste Absturz?

Otte: Das ist die falsche Denke. Für die Beurteilung der Risiken haben die Höchststände keine Bedeutung. Ja, der Dax Börsen-Chart zeigen ist in der Nähe seines Allzeithochs. Aber überbewertet ist der deutsche Leitindex deswegen noch lange nicht. Im Jahr 2000 war der Dax vielleicht 4000 Punkte wert, stand aber bei über 8000 Zählern. Wenn man seitdem nur eine Wertsteigerung von 5,6 Prozent ansetzt, wäre der Dax heute mehr als 8000 Punkte wert.

mm: Dax-Anleger haben also nichts zu befürchten?

Otte: Seit März 2009 laufen meine Fonds mit sehr hohen Aktienquoten. Mit größeren Abstürzen rechne ich weiterhin nicht. Bei Aktien gebe ich weiter Vollgas. Um es mit den Worten der Kanzlerin auszudrücken: Aktien sind momentan alternativlos.

mm: Gilt das auch für den Dow Jones?

Otte: Nein, der Dow Börsen-Chart zeigen ist für meine Begriffe 20 Prozent überbewertet.

mm: Andere Investoren sind nicht so optimistisch wie Sie. Nicht zuletzt, weil die US-Notenbank Fed angedeutet hat, den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einzuleiten. Bereiten Ihnen steigende Zinsen keine Sorgen?

Otte: Seit Jahren predige ich: Macht euch auf steigende Zinsen gefasst. Seit knapp drei Dekaden leben wir in einer Welt der tendenziell fallenden Zinsen - höchste Zeit für eine Trendwende. Das ist aber kein Grund, die Asset Allocation völlig über den Haufen zu werfen. Schließlich können sie erst recht keine Anleihen kaufen, wenn die Zinsen steigen.

mm: Wie würden sich steigende Zinsen auf Ihre Aktienauswahl auswirken?

Otte: Wachstumstitel sind von einer Zinserhöhung tendenziell stärker betroffen als Unternehmen mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis und hoher Dividendenrendite. Andererseits sind solche Firmen meist hoch verschuldet, was die Refinanzierung bei steigenden Zinsen erschwert.

mm: Im Juni hat Fed-Chef Ben Bernanke für Aufregung an den Börsen gesorgt, als er vage andeutete, das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zurückzufahren. Droht der nächste Black Friday, wenn es wirklich dazu kommt?

Otte: Ich sehe das eher gelassen. Die Andeutung ist für die Börse immer schlimmer als die Umsetzung. Viel hängt davon ab, wie der Ausstieg aus der Welt des billigen Geldes umgesetzt wird. Die Folgen sind sehr komplex und lassen sich heute kaum realistisch abschätzen.

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