Montag, 28. Mai 2018

Minus 20 Prozent seit Januar Warum Lufthansa-Aktionäre den Ausstieg suchen

A380 der Lufthansa: Aktie mit Kursrutsch nach Höhenflug im Vorjahr

Die Pleite von Air Berlin hatte die Aktie der Lufhansa auf neue Höhen katapultiert, doch nun hat das Papier seinen Höhenflug vorerst beendet. Nach der Rekordjagd im Vorjahr - im Jahr 2017 legte die Aktie der Lufthansa Börsen-Chart zeigen um rund 150 Prozent zu und war damit mit Abstand der größte Kursgewinner im Dax - setzen nun verstärkte Gewinnmitnahmen die Aktie unter Druck: Seit Januar, als die Aktie ein Rekordhoch von 31 Euro markierte, hat das Papier inzwischen mehr als 20 Prozent nachgegeben. Allein am Donnerstag, als nach Vorlage der Zahlen für das erste Quartal erneut Gewinnmitnahmen einsetzten, gab die Aktie zeitweise um mehr als 7 Prozent nach.

Anlass, vorerst Gewinne vom Tisch zu nehmen, sehen Anleger reichlich. Die Integration der übernommenen Teile der einstigen Rivalin Air Berlin in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings schlägt teuer zu Buche, und bei den Ticketpreisen konnte die Lufthansa in Europa zum Jahresstart weniger hohe Ticketpreise durchsetzen als erwartet.

Außerdem stockt der Ausbau des Flugangebots, weil Airbus Börsen-Chart zeigen mit der Lieferung neuer Flugzeuge nicht hinterherkommt. Dennoch sieht Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Dax-Konzern auf Kurs, seinen operativen Rekordgewinn (bereinigtes Ebit) von fast drei Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr fast zu wiederholen.

Experten sahen sich aber kaum beunruhigt. Trotz der höheren Integrationskosten bei Eurowings laufe es bei der Lufthansa insgesamt rund, schrieb Commerzbank-Analyst Malte Schulz. Laut Bernstein-Analyst Daniel Roeska hatten Marktteilnehmer bei den Ticketpreisen für 2018 aber eine bessere Entwicklung erwartet.

Ausbau des Flugangebots kommt langsamer voran als geplant

Im typischerweise reiseschwachen ersten Quartal erzielte die Lufthansa einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro und damit eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Gute Geschäfte der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian federten die Verluste der Billigtochter Eurowings ab, die die ehemaligen Air-Berlin-Maschinen eingliedern sowie neue Besatzungen schulen muss. Die Frachttochter Lufthansa Cargo konnte ihren operativen Gewinn fast verdoppeln.

Unterdessen steigerte die Lufthansa ihren Konzernumsatz nach neuer Rechnungslegung auf vergleichbarer Basis um 4,5 Prozent auf 7,64 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein von 68 Millionen auf 57 Millionen Euro verringerter Verlust. Fluggesellschaften fliegen ihre Gewinne vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Beim Ausbau ihres Flugangebots kommt die Lufthansa dabei schlechter voran als geplant. So strich der Vorstand seine Wachstumspläne am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr zusammen. Aus dem anfangs geplanten Ausbau um 12 Prozent wurden im März 9,5 und jetzt nur noch 8,5 Prozent. Auch deshalb sollen die Treibstoffkosten 2018 statt 5,9 Milliarden nur 5,8 Milliarden Euro erreichen.

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