Donnerstag, 23. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Börsenprofi Markus Zschaber zeigt So könnte Frankreich den Euro doch noch ins Wanken bringen

Getty Images

Markus Zschaber

Gebannt schaut die Welt an diesem Wochenende nach Frankreich, denn der zweite und alles entscheidende Wahlgang der Präsidentschaftswahl steht an.

Gegeneinander antreten werden nun zwei Lager die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite steht der wirtschaftsliberale, europafreundliche Emmanuel Macron, der unter anderem mit auch mit Strukturreformen Frankreich wieder wettbewerbsfähig machen möchte und kurz vor dem Wahlgang noch Opfer eines Hacker-Angriffs wurde. Auf der anderen Seite kandidiert mit Marine Le Pen eine rechtspopulistische Politikerin, die mit Abschottung, Protektionismus und ausländerfeindlichen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht und als oberstes Ziel den Austritt Frankreichs aus der Eurozone ausgerufen hat.

Nach aktuellen Umfragen und Einschätzungen könnte Emmanuel Macron in der Stichwahl etwa 60 Prozent der Wähler auf seine Seite ziehen und sich damit gegen seine Kontrahentin durchsetzen. Dieses haben die Kapitalmärkte nach dem ersten Wahlgang entsprechend eingepreist.

Sollte es also beim zweiten Wahlgang in Frankreich zu keinen großen Überraschungen kommen, werden wir auch keine größeren Marktkonsolidierungen sehen, denn dann wird das Augenmerk sich wieder verstärkt auf die Fundamentaldaten, das globale Wirtschaftswachstum und die Unternehmensergebnisse richten. Diese werden dann die Fahrtrichtung der nächsten Monate vorgeben, neben den weiterhin sehr niedrigen Zinsen.

manager magazin online

Das Szenario in dem Marine Le Pen am Wochenende der Überraschungscoup gelingt, wird derzeit von den Kapitalmärkten allerdings vollkommen ausgeblendet, wobei wir dieses in unserem hauseigenen Risiko-Management nicht tun.

Es sprechen durchaus einige Faktoren dafür, dass Marine Le Pen am Ende alle Skeptiker in die Schranken weisen könnte, denn zunächst einmal ist sie deutlich besser in den Wahlendspurt gestartet als ihr Gegner und könnte ebenfalls den Vorteil haben, dass das linke-politische Lager in den rechten Flügel schwenkt. Medienberichte wonach Emmanuel Macron bereits seinen Sieg im ersten Wahlgang in einem Nobelrestaurant feierte, ließen Stimmen aufkommen, die ihm unterstellten, er habe den Kontakt zum normalen Bürger verloren.

Auch bei einem Wahlkampfauftritt in Macrons Heimatstadt Amiens wurde er mit Pfiffen empfangen, wohingegen Marine Le Pen von Fabrikarbeitern mit Jubel empfangen wurde.

Die unerwarteten Wahlausgänge 2016 (Brexit & US-Präsidentschaftswahl) haben gezeigt, dass auf die Wahlprognosen nicht immer Verlass ist. Simple Antworten auf komplexe Fragen scheinen derzeit den größten Anklang in der breiten Bevölkerung zu finden, dass spielt vor allem Le Pen in die Karten. Dazu kommt, dass Macron sich beispielsweise für die Entlassung von mehr als 120.000 Bediensteten im öffentlichen Dienst ausgesprochen hat. Dieses führt nicht nur bei öffentlich Bediensteten zu Unmut sondern unterstützt im links-politischen Lager Frankreichs sogar die obigen bereits geschilderte Überlegungen, dass die rechts-konservative Kandidatin Marine Le Pen plötzlich unverhoffte Unterstützung erfährt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH