Donnerstag, 21. März 2019

Kurssturz am Aktienmarkt Wie Wirtschaftsboom und Maschinen die Börse belasten

Börse in Frankfurt: Der Dax hat seit seinem Hoch 10 Prozent verloren. Wirtschaftsboom und automatisierte, risikobasierte Handelsmodelle befeuern den Abverkauf

2. Teil: Wie Maschinen den Kursrutsch beschleunigen - Risikofaktoren entscheiden

Waren die Inflations- und Zinssorgen der Anlass für das Ende der Börsenparty, so bestimmt ein anderer Faktor maßgeblich das Tempo des Abschwungs: Bei den meisten milliardenschweren Anlagefonds entscheidet nicht mehr ein Fondsmanager über Kauf und Verkauf, sondern der Computer. Bei den so genannten risikogesteuerten Fonds entscheiden verschiedene Faktoren darüber, ob Aktien eher zugekauft oder verkauft werden. Steigt zum Beispiel die Schwankungsbreite (Volatiliät) und damit die Nervosität am Aktienmarkt, kann dies zu weiteren Verkäufen des Fonds führen.

Bei weiteren, so genannten "Value at Risk" (VAR) Modellen geht es darum, die mit Aktien erzielte Rendite in Sicherheit zu bringen und die Aktienquote zu verringern, sobald sich das durch verschiedene Risikofaktoren definierte Risk-Szenario erhöht.

Das so genannte "Factor Investing" ist derzeit nicht nur in den USA in Mode: Dieses Anlagemodell zielt vor allem auf verschiedene Risikofaktoren ab und nicht nur auf fundamentale Unternehmens- und Konjunkturdaten. Ein Vertreter dieses Investment-Ansatzes ist Cliff Asness, Gründer des milliardenschweren Hedgefonds Applied Quantitaitve Research (AQR). Er wirbt damit, mit Hilfe der Faktor-Strategie den jeweils richtigen Zeitpunkt zum Hoch- und Herunterfahren der Aktienquote bestimmen zu können.

Schwankungen aushalten - aber nicht um jeden Preis

Das ist auch der Grund, warum so genannte fundamentale Daten wie steigende Gewinne eines Unternehmens oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis derzeit in den Hintergrund treten. Europas größter Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen meldete Ende Januar zum Beispiel einen Umsatz- und Gewinnsprung, wegen der boomenden Weltkonjunktur gab BASF Börsen-Chart zeigen zudem einen optimistischen Ausblick. Die Aktie gab dennoch, wie die meisten Aktien im Dax, in den folgenden drei Wochen um mehr als 10 Prozent nach. Anleger, die ausschließlich auf fundamentale Unternehmensdaten schauen, sehen nach den jüngsten Zahlen keinen Anlass zum Verkauf. Anleger, die auch die Börsen-Stimmungslage und die menschliche Psychologie in ihre Entscheidungen einbeziehen, schon.

Und vor allem US-Anleger haben noch viel Geld in Sicherheit zu bringen: Selbst nach dem erneuten Kursrutsch in dieser Woche notieren Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen auf 12-Monats-Sicht noch immer jeweils rund 20 Prozent im Plus, auf Sicht von drei Jahren liegen die Gewinne zwischen 30 und 50 Prozent. Beim Dax sind es auf 12-Monatssicht nur noch rund 6 Prozent. Und niemand mag zum Ende der Börsenparty derjenige sein, der sich binnen weniger Wochen die über Jahre aufgebauten Gewinne wieder abnehmen lässt.

Das bedeutet: Es gibt immer noch sehr viele Anleger, die Geld in Sicherheit bringen wollen. Zwar gehört es zu den Grundprinzipien an der Börse, Kursschwankungen zwischen 10 und 20 Prozent auszuhalten, anderenfalls ist man am Aktienmarkt Fehl am Platz. Je rascher die Gewinne der vergangenen Jahre jedoch zusammenschnurren, desto größer wird das Risiko, dass sich noch mehr Anleger von ihren Aktien trennen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung