Sonntag, 17. Februar 2019

Fintech aus Bayern stürmt nach oben Künftiges Dax-Mitglied - was macht eigentlich Wirecard?

Firmensitz in Aschheim bei München: Das Fintech-Unternehmen Wirecard wird vermutlich bald im Dax gelistet.

2. Teil: Wirecard-Aktie stieg binnen zehn Jahren um fast 3000 Prozent

So wickelt Wirecard für Tausende Kunden rund um den Globus inzwischen alle möglichen Arten des bargeldlosen Bezahlens ab - sei es online, sei es mobil oder sei es stationär. Die Dienste von Wirecard umfassen dabei nicht nur verschiedene Zahlungsmethoden wie den Einsatz von Kreditkarten, von Lastschriften oder das mobile Bezahlen sowie das dazugehörige Risikomanagement. Vielmehr gibt Wirecard für seine Kunden auch verschiedene eigene Zahlungskarten aus.

Ein modernes, hochtechnologisches Unternehmen also - doch die Vergangenheit von Wirecard spielt in einer eher althergebrachten Umgebung: Wirecard zählte in den Anfangsjahren vor allem Firmen aus der Porno- und Gambling-Branche zu seinen Kunden und musste daher lange Zeit gegen ein erhebliches Schmuddel-Image ankämpfen. Erst später kamen seriösere Branchen wie Airlines oder Retailer hinzu - und das Wachstum nahm Fahrt auf.

Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg das Papier von Wirecard um beinahe 3000 Prozent. Allein im laufenden Jahr hat das Unternehmen seinen Aktienkurs bereits mehr als verdoppelt. Die Verantwortlichen sagen auch für die Zukunft rasantes Wachstum voraus. Anleger sollten jedoch Obacht geben: Nach den Kursanstiegen der vergangenen Monate ist das Unternehmen an der Börse bereits vergleichsweise hoch bewertet.

Immerhin, bislang stimmte die Wachstumsstory: Wirecard gelang allein im zweiten Quartal 2018 ein Umsatzzuwachs um 40 Prozent auf 477 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr des Jahres steht damit ein Umsatzplus von 46 Prozent auf 897 Millionen Euro zu Buche. Der operative Gewinn (Ebitda) kletterte von Januar bis Juni um 39 Prozent auf 245,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal betrug das Gewinnplus ebenfalls rund 40 Prozent.

Ähnliche Wachstumszahlen stehen in der Bilanz für das Jahr 2017, als der Umsatz um 45 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro stieg und der Nettogewinn um 47 Prozent auf 260 Millionen Euro. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor hatte Wirecard mit einem Umsatz von 134 Millionen Euro noch einen Nettogewinn von etwa 30 Millionen Euro verbucht.

Schier unaufhaltsam scheint der Anstieg der Wirecard-Aktie vor dem Hintergrund zu verlaufen. Verschiedene "Short-Attacken", die in der Vergangenheit gegen das Papier gefahren wurden, konnten dem Kurs nicht nachhaltig schaden.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ein viel beachteter, kritischer Bericht über Merkwürdigkeiten in der Wirecard-Bilanz, den manager-magazin.de Anfang 2017 veröffentlicht hatte, sorgte zwar vorübergehend für Kursverluste von mehr als 5 Prozent. Dauerhaft haben sich die dadurch vermittelten Zweifel in den Köpfen der Anleger aber offenbar auch nicht festgesetzt - obwohl das Unternehmen seinerzeit nicht alle von manager-magazin.de aufgeworfenen Fragen befriedigend beantworten konnte, hat die Aktie inzwischen wieder deutlich zugelegt.

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