Dienstag, 12. Dezember 2017

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Japanische Aktienmärkte Im Osten geht die Sonne auf - Japans Aktien lohnen wieder

- Die jahrzehntelange Phase der Deflation und des schwachen Wachstums hat tiefe Spuren am japanischen Aktienmarkt hinterlassen. Während wichtige Aktienindizes wie der S&P500 oder der Dax zuletzt neue Allzeitrekorde aufgestellt haben, müsste der Nikkei um rund 70 Prozent zulegen, um sein Niveau von Ende 1989 zu erreichen.

- Sowohl der zyklische Wirtschaftsausblick als auch der strukturelle Preistrend hellen sich aktuell aber zusehends auf. Damit verbessert sich auch aus längerfristiger Perspektive der Ausblick für die Unternehmensgewinne. Gleichzeitig sind die japanischen Aktien im Vergleich zu ihrer eigenen Historie und auf internationaler Basis relativ günstig bewertet. In der Folge gestaltet sich der strategische Ausblick für den japanischen Aktienmarkt zusehends freundlicher.

Die globalen Aktienmärkte haben sich in den zurückliegenden Quartalen von ihrer freundlichen Seite gezeigt. Während das anziehende Wachstum zu höheren Unternehmensgewinnen führt, unterstützt die lockere Geldpolitik die Bewertungen. In der Folge konnten wichtige Indizes wie der S&P500 Börsen-Chart zeigen aber auch der deutsche Dax zuletzt neue historische Höchststände erreichen. In Japan allerdings - trotz einer freundlichen Entwicklung in diesem Jahr - befinden sich die Indizes noch weit von einem Rekord entfernt. So müsste der Nikkei Börsen-Chart zeigen vom aktuellen Niveau aus immer noch um rund 70 Prozent ansteigen, um seinen Stand von Ende 1989 zu egalisieren.

Der Niedergang des japanischen Aktienmarktes in den 1990er und den 2000er Jahren war getrieben durch eine vormals historisch extrem hohe Bewertung, ein enttäuschendes Wachstum und eine anhaltende Preisdeflation. Jedoch hat sich der Wachstumsausblick inzwischen aufgehellt und es mehren sich die Anzeichen, dass die japanische Wirtschaft ihre strukturelle Deflationsphase überwinden kann.

Ein wichtiger Auslöser für den jahrelangen Preisrückgang war das Platzen der Immobilienblase Anfang der 1990er Jahre. So sind beispielsweise die Landpreise in Japan um rund zwei Drittel gegenüber dem Hoch in 1991 gefallen, in Tokyo um mehr als 70 Prozent und in Osaka sogar um mehr als 80 Prozent. Mittlerweile steigen die Landpreise in den großen Städten seit 2013 aber wieder moderat an.

Löhne haben sich zuletzt stabilisiert

Auch die nominalen Löhne, die seit der Jahrtausendwende nachgegeben hatten, haben sich zuletzt stabilisiert. So ist die Arbeitslosigkeit nach einem deutlichen Rückgang seit der globalen Finanzkrise mit 2,8 Prozent auf den niedrigsten Wert seit fast 25 Jahren gefallen, was mittelfristig mit steigendem Lohndruck einhergehen dürfte.

Dazu kommt, dass die Anzahl der Stellen in der Volkswirtschaft trotz der negativen Effekte einer schnell alternden Gesellschaft in den vergangenen Jahren dank der zunehmenden Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte deutlich angestiegen ist und wieder das Rekordniveau von vor 20 Jahren erreicht hat. Das Ende der Lohndeflation führt zusammen mit einer zunehmenden Beschäftigung zu einer spürbaren Erhöhung der Einkommen der privaten Haushalte. In der Folge verbessert sich das Umfeld für den heimischen Konsum.

Rückenwind von der Zentralbank

Darüber hinaus bietet auch die Politik der japanischen Zentralbank Rückenwind für die Wirtschaft. So kauft die Bank of Japan große Summen an Anleihen, aber auch an Aktien-ETFs und hat vor einem Jahr das Instrument der Zinskurvenkontrolle eingeführt, über das sie den Zins für 10-jährige Staatsanleihen bei rund 0 Prozent halten will. Diese extrem lockere Geldpolitik - an der die BoJ noch für einen längeren Zeitraum festhalten will - schürt längerfristig ebenfalls den Preisdruck und hat zu einer Abschwächung des Yens geführt. Weil sich zusätzlich in diesem Jahr das makroökonomische Umfeld in Asien aufgehellt hat, dürften die exportorientierten japanischen Unternehmen deutlich profitieren

Abe klarer Sieger bei den jüngsten Wahlen

Zu guter Letzt ging Ministerpräsident Abe als klarer Sieger aus den jüngsten Parlamentswahlen Ende Oktober hervor. Damit bietet Japan eine - in weiten Teilen der sogenannten entwickelten Volkswirtschaften schmerzlich vermisste - politische Stabilität, auch die Wahrscheinlichkeit wirtschaftsfreundlicher Reformen in der neuen Legislaturperiode ist hoch.

Entsprechend zeichnen sich ein höheres Wirtschaftswachstum sowie steigende Preise ab. Dies sollte zu auch zu höheren Unternehmensgewinnen führen, ein wichtiger Treiber für den Aktienmarkt. Hinzu kommt, dass japanische Aktien im internationalen Vergleich günstig bewertet sind. So steht etwa das Kurs-Gewinnverhältnis des Nikkei bei 19,7 und damit niedriger als der Zehnjahresdurchschnitt von 20,8.

Im Vergleich dazu ist das KGV des S&P500 bei 21,8 und damit deutlich höher als der Zehnjahresdurchschnitt von 17,3. Auch der Stoxx600-Index weist ein höheres KGV von 21,3 aus und handelt über seinem Zehnjahresdurchschnitt. Gleichzeitig sind aber die Zinsen für zehnjährige japanische Anleihen niedriger als jene in der Eurozone und vor allem jene in den USA. Aufgrund dieser Kombination aus niedrigen Anleihezinsen und niedriger Aktienbewertung ist aber die Risikoprämie bei japanischen Aktien - also die Differenz aus der Gewinnrendite der Unternehmen und dem Anleihezins - spürbar höher als bei den US-amerikanischen Aktien oder jenen der Eurozone. Somit spricht aus einer längerfristigen Perspektive sowohl die Bewertung als auch die zu erwartende Gewinnentwicklung für Investitionen in Japan. Die Sonne könnte endlich wieder über dem japanischen Aktienmarkt aufgehen.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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