Mittwoch, 20. März 2019

Nur noch 1,6 Teuerungsrate im Dezember Inflation sinkt und gefährdet Zinswende

Die meisten Kunden bekommen für ihr Geld auf Tagesgeld- oder Girokonten keine Zinsen mehr

Sparer werden wohl noch länger warten müssen, bis sie endlich wieder Zinsen sehen, die auch den Namen verdienen. Denn nach jüngsten Inflationsdaten dürfte die EZB einen Grund mehr haben, die Leitzinswende weiter vor sich herzuschieben.

Bröckelnde Energiepreise haben die Inflation in der Euro-Zone vor dem Jahreswechsel deutlich unter den Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) sinken lassen. Die Teuerungsrate fiel im Dezember auf 1,6 von 1,9 Prozent im November, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag mit.

Volkswirte hatten mit 1,8 Prozent gerechnet. Die EZB peilt mittelfristig einen Wert von "unter, aber nahe zwei Prozent" als ideal für die Konjunktur an. Energie verteuerte sich zuletzt nur noch um 5,5 Prozent. Im November waren es noch 9,1 Prozent.

"Der stark gesunkene Rohölpreis nimmt dem Preisauftrieb spürbar Luft", sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die Inflationsrate werde wohl auch in den nächsten Monaten eher unter der Zwei-Prozent-Marke liegen: "Der EZB dürfte eine Leitzinswende im Herbst schwerer fallen."

Wohl keine Zinswende mehr mit Mario Draghi: Der EZB-Chef will mindestens bis Herbst an der Nullzinspolitik festhalten. Draghis Amtszeit läuft im Oktober 2019 aus

Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi wollen den Nullzins noch bis mindestens über den Sommer hinaus beibehalten. Der Italiener an der Spitze der Zentralbank wies unter anderem auf Unsicherheiten mit Bezug auf geopolitische Faktoren, die Gefahr des Protektionismus, Anfälligkeiten in Schwellenländern und Schwankungen an den Finanzmärkten hin.

Die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger geht davon aus, dass die Inflationsentwicklung im ersten Halbjahr entscheidend dafür sein wird, ob sich die Zentralbank noch dieses Jahr zu einer Zinserhöhung durchringen kann. Sie persönlich "hoffe und gehe davon aus, dass wir noch eine Änderung sehen in 2019", sagte sie jüngst im Deutschlandfunk.

Die Währungshüter hatten bei ihrer letzten Sitzung wie erwartet den Leitzins nicht angetastet. Doch teilte die EZB mit, dass sie eines ihrer wichtigsten Kriseninstrumente einstellen wird: die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe würden zum Jahreswechsel beendet, hieß es Mitte Dezember.

So ganz allerdings mag sich die Zentralbank dann doch nicht davon verabschieden. Es würden lediglich keine neuen Anleihekäufe getätigt. Auslaufende Papiere wollten in ihrem Bestand wollten die Euro-Wächter dann aber schon weiter ersetzen.

rei/Reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung