Freitag, 14. Dezember 2018

Mitsprache dank Börsenrecht Wie Pazifisten den Waffenbauer Heckler&Koch ärgern

Sturmgewehre von Heckler & Koch: Auf die Hauptversammlung kommen auch viele Gegner des Unternehmens.

2. Teil: Der alte Chef ging auf Pazifisten zu - und flog

Seit Mai läuft vor dem Stuttgarter Landgericht ein Strafprozess gegen Ex-Mitarbeiter von H&K, die Firma ist mitangeklagt. Zum laufenden Verfahren will sich die Waffenschmiede nicht äußern.

Eine juristische Baustelle immerhin konnte H&K schließen: Der US-Rüstungskonzern Orbital ATK hatte H&K auf 27 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) Schadenersatz wegen Nichtlieferung von Bauteilen für ein Granatgewehr verklagt. Der Streit wurde mit einem Vergleich beigelegt, H&K muss nun 7,5 Millionen Dollar zahlen.

Branchenkritiker Grässlin brachte auf der HV chancenlose Gegenanträge ein, etwa auf Nichtentlastung der Führungsriege. Als Grund nannte er nicht nur Waffenausfuhren ins Ausland, sondern auch eine "desaströse" Finanzpolitik. Tatsächlich stufte die Rating-Agentur Moody's Heckler & Koch zuletzt auf Ramschniveau ein.

Im ersten Halbjahr verbuchte die Waffenschmiede einen Verlust von 2,3 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze stiegen zwar um 14 Prozent auf 109,5 Millionen Euro, zugleich schnellten aber die Kosten hoch. Der neue Chef will nun Arbeitsabläufe verbessern und Kosten drücken. H&K sei "sehr gut für die Zukunft aufgestellt", betonte er.

Jens Bodo Koch - die Namensgleichheit mit Firmengründer Theodor Koch ist zufällig - dürfte im Kopf gehabt haben, was seinem Vorgänger nach der Aktionärstagung 2017 passierte: Norbert Scheuch hatte sich vor einem Jahr bemerkenswert offen gezeigt für Kritik von Pazifisten. Zwei Wochen später wurde er rausgeschmissen. Scheuch hatte versprochen, die Forderung nach einem Opferfonds immerhin prüfen zu wollen. Dem Vernehmen nach hat das Unternehmen so ein Vorhaben nach dem Scheuch-Abgang aber abgehakt.

Zudem hatte Scheuch eine Strategie durchgesetzt, die Lieferungen nur an nichtkorrupte gefestigte Demokratien vorsah. Wichtige Märkte wie die Türkei fielen dadurch weg. Friedensaktivist Grässlin hat aber Zweifel, dass diese Strategie konsequent umgesetzt wird.

Tatsächlich genehmigte der Bundessicherheitsrat H&K unlängst Ausfuhren von 350 Maschinenpistolen-Rohren nach Indien und 55 Rohren nach Hongkong. Nach Lesart der Firma sind das Altaufträge, für die die Strategie nicht gilt. Grässlin schüttelte hierbei den Kopf - das könne nur Neugeschäft sein und damit ein Bruch der sogenannten Grüne-Länder-Strategie, meinte der Friedensaktivist.

Vorstandschef Koch betonte, die Strategie werde fortgesetzt. Dabei bemühte er laut einer Pressemitteilung einen typischen Branchensatz: "In den richtigen Händen stellen unsere Produkte einen wichtigen Baustein der Sicherheitsarchitektur vieler Demokratien in Europa und der Nato dar."

cr/dpa-afx

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