Sonntag, 22. Juli 2018

Druck auf Trump im Handelsstreit wächst China prüft Yuan-Abwertung, Japan verkauft US-Anleihen

Chinas Präsident Xi Jinping, Donald Trump: Die Schmerzen für die USA werden größer

Bislang setzt US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit vor allem auf Drohung und Einschüchterung - doch dieser Streit könnte den USA selbst teuer zu stehen kommen. China prüft eine Abwertung seiner Währung Yuan - mit der Folge, dass US-Produkte auch ohne Strafzölle in China teurer und chinesische Exporte billiger würden. Und Japan, neben China einer der größten Gläubiger der USA, scheint in größerem Stil US-Anleihen zu verkaufen - auch dies setzt der US-Wirtschaft zu.

Im Handelsstreit mit den USA prüfe China Insidern zufolge eine Abwertung seiner Währung Yuan. Führende Offizielle untersuchten diese Möglichkeit sowohl als Druckmittel gegen den Rivalen als auch zur Linderung der Folgen des Konflikts, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag mit Verweis auf mit der Sache vertraute Personen. Dies bedeute jedoch noch nicht, dass das Instrument tatsächlich zum Einsatz kommen werde. Chinas Zentralbank wollte die Aussagen zunächst nicht kommentieren.

Die chinesische Währung Yuan gab am Devisenmarkt nach und fiel auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen. US-Präsident Donald Trump hatte China im Wahlkampf immer wieder vorgeworfen, den Kurs künstlich zu schwächen. Peking wolle damit der eigenen Exportindustrie durch entsprechend sinkende Preise für ausgeführte Waren auf dem Weltmarkt Vorteile verschaffen. Zuletzt war Trump aber von diesem Vorwurf abgerückt.

Seit geraumer Zeit stärkt China seine Währung eher künstlich, als sie zu schwächen. Anders als etwa der Euro Börsen-Chart zeigen oder der Dollar Börsen-Chart zeigen ist der Yuan nicht vollständig den Marktkräften unterworfen, sondern kann gegenüber einem täglich festgelegten Richtwert lediglich in einer vorgegebenen Spanne frei schwanken.

Peking hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, den Kurs flexibler zu halten und die Währung abwerten zu lassen. Dies führte im Herbst 2015 und Anfang 2016 zu heftigen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten.

Japanische Investoren verkaufen US-Bonds: 33 Milliarden im Februar

Aber auch Japan scheint auf Distanz zu den USA zu gehen: Japanische Investoren werfen in großem Umfang amerikanische Anleihen auf die Finanzmärkte.

Wie aus am Montag veröffentlichten Zahlen des Finanzministeriums in Tokio hervorgeht, haben Gläubiger aus Japan allein im Februar US-Staatspapiere im Wert von 3,6 Billionen Yen (33,7 Mrd US-Dollar) verkauft.

Die USA trifft dies an einem wunden Punkt. Denn erst vor wenigen Wochen hatten bloße Gerüchte über einen schrittweisen Rückzug Chinas als Gläubiger die Zinsen auf US-Anleihen steigen lassen - und dadurch die Finanzierung von Washingtons Schuldenberg verteuert.

Die Finanzierung des US-Schuldenbergs wird teurer

Zwar wurde im Februar der bisherige Rekord-Abverkauf der Japaner vom April 2017 nicht ganz erreicht. Damals waren kurz nach dem Amtsantritt Trumps Papiere im Wert von 3,7 Billionen Yen abgestoßen worden. Nun handelt es sich aber um den fünften Abverkauf in Folge, die längste Verkaufsserie seit Jahren.

Mit einem Bestand von US-Staatspapieren von rund 1,1 Billionen US-Dollar sind die Japaner die zweitgrößten ausländischen Gläubiger Washingtons. Dicht davor liegen die Chinesen, die Anleihen im Wert von 1,2 Billionen Dollar besitzen.

Die USA sind international hoch verschuldet und haben seit langem ein großes Handelsdefizit. Der Überschuss der Importe gegenüber den Exporten ist der Hauptgrund für die Verschuldung, die vor allem über Staatsanleihen abgedeckt wird.

Flucht aus US-Anleihen: Deutsche Staatsanleihen gesucht

Zunehmende Unsicherheit treibe die Anleger aus US-Papieren, sagte Masayuki Kichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui. Als Alternative wählten die Japaner zuletzt verstärkt deutsche und französische Papiere. Unterm Strich wurden im Februar rund 300 Milliarden Yen zusätzlich in deutsche Anleihen gesteckt, der doppelte Betrag in französische.

Der zugespitzte Handelsstreit zwischen den USA und China setzt den Dollar momentan zusätzlich unter Druck. Für japanische Besitzer von US-Staatsanleihen ist das ein besonders großes Problem, weil der Yen an den internationalen Finanzmärkten als sicherer Hafen gilt und sein Wert in unsicheren Zeiten meist kräftig zulegt. In Yen gemessen ist ein Wertverfall der US-Papiere aufgrund von Unsicherheit damit tendenziell besonders hoch.

Warum China eher den Yuan abwertet als US-Bonds zu verkaufen

Zwar beäugt Peking neben dem handelspolitischen Konfrontationskurs Trumps auch dessen Steuerreform und Haushaltspolitik mit Argwohn, weil der US-Schuldenberg immer weiter steigt. Für Peking ist die Lage aber vertrackt, denn ein Kursverfall bei US-Papieren infolge von Verkäufen würde den Wert des verbleibenden Bestands stark reduzieren.

Daher könnten andere Wege gesucht werden, um den USA zu schaden. Am Montag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen, China prüfe eine Abwertung seiner Währung Yuan als mögliches Druckmittel. Dies würde die Produkte der Volksrepublik auf dem Weltmarkt billiger machen und dadurch der heimischen Exportindustrie helfen.

Viele Beobachter befürchten, dass sich zwischen Washington und Peking nach der Ankündigung wechselseitiger "Strafzölle" eine Spirale mit immer neuen Vergeltungsschritten ergeben könnte. Ähnliche Wettläufe sind mit der Abwertung von Währungen möglich. Im schlimmsten Fall kann das neben einem Handels- auch zu einem Währungskrieg führen.

Amerikas Tech-Unternehmen raten der US-Regierung dringend von Strafzöllen ab. Stattdessen ermutige man die Administration, internationale Koalitionen aufzubauen, um gegen Chinas unfaire Handelspraktiken vorzugehen, hieß es am Montag in einem offenen Brief des Lobby-Verbands ITI (Information Technology Industry Council) an Finanzminister Steven Mnuchin. "Zölle funktionieren nicht", schrieb ITI-Präsident Dean Garfield. Seine Organisation vertritt die Interessen der amerikanischen Technologie-Firmen. Zu den Mitgliedern zählen Branchengrößen wie Apple, Amazon oder Facebook. Zuvor hatten sich schon andere US-Unternehmen wie die größten Autobauer General Motors und Ford oder der Flugzeughersteller Boeing ähnlich geäußert.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH