Montag, 11. Dezember 2017

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Indikator für Kursrutsch Goldman Sachs berechnet den Börsencrash

Die New Yorker Investmentbank bestimmt einen Indikator, der die Wahrscheinlichkeit eines Börsencrashs festlegen soll. Der ist so hoch wie seit der Krise 2008 nicht mehr. Trotzdem gibt sich Goldman gelassen.

Der Weltwirtschaft geht es so gut wie seit neun Jahren nicht mehr. Der Aufschwung macht sich in fast allen Volkswirtschaften bemerkbar - nicht zuletzt in der Euro-Zone, wo die Länder sich auf eine teilweise beeindruckende Weise erholen. Die deutsche Wirtschaft ist unter Dampf. Statistikern zufolge erreicht die größte Volkswirtschaft Europas 2017 ein Plus von 0,6 Prozent seit Ende 2016. Mit anderen Worten: Deutschland ist ein ökonomischer Riese, der binnen zwölf Monaten Güter und Dienste für 3129 Milliarden Euro produziert.

Das ist schön und gut. Im gleichen Atemzug kommt jedoch die Frage auf: Wann knallt es mal wieder so richtig? Oder anders formuliert: Wie groß ist die Gefahr eines Börsen-Crashs? Die Analysten von Goldman Sachs sind diesen Fragen in einer Strategiestudie nachgegangen.

Darin bestimmen sie ihren sogenannten "Bear Market Risk Indicator". Bärenmarkt steht an der Börse für anhaltend sinkende Kurse. Aktuell liegt dieser Indikator bei 67 Prozent, das ist das höchste Niveau seit der Finanzkrise 2008. Und das trotz geringem Inflationsdruck und einem relativ entspannten Finanzsystem.

Der Indikator signalisiert damit ein beträchtliches Rückschlagrisiko. Allerdings gibt es eine Besonderheit: Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen gibt sich trotz der steigenden Risiken gelassen - und scheint die Ergebnisse der eigenen Studie nicht wirklich ernst zu nehmen. "Seit der Weltwirtschaftskrise sind die Ängste über ähnliche Krisen nie weit weg gewesen", sagte Goldman in Bezug auf die Studie.

Bewertungen von Aktien sehr hoch, Wachstumsdynamik nimmt ab

Um die Wahrscheinlichkeit einer Krise zu berechnen, ziehen die die Autoren fünf Faktoren heran: Marktbewertung, ISM Manufacturing Index (Wachstumsdynamik), Arbeitslosenquote, Inflation und Renditekurve.

Da die Börse weiterhin Rekordhöhen erreicht, werden die Bewertungen tageweise in die Höhe gestreckt. Sowohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E Ratio) als auch der Gewinn pro Aktie (EPS) verbleiben in ungewöhnlicher Höhe, nämlich deutlich über dem jeweiligen 5- und 10-Jahres-Durchschnitt. Von den fünf Faktoren zählt Goldman Sachs den Faktor Marktbewertung als "am meisten gestreckt".

Zudem ist der Wert des ISM Manufacturing Index (der Index verfolgt die Anzahl von Herstellungsaktivität) aus dem Monat Juli mit 53,9 Prozent der niedrigste seit August 2016 und damit unter dem Durchschnitt der letzten zwölf Monate. Die niedrigen Zahlen lassen eine abnehmende Stimmung am Markt vermuten.

Trump wird zum Börsenrisiko

Die wiederum hat ihre Ursache an der Gesetzgebung der neuen amerikanischen Regierung. Nach einer Reihe von Pro-Business-Versprechen hat der US-Präsident Donald Trump keine wesentlichen Gesetze durch den Senat und das Weiße Haus gebracht.

Weil aber Inflation derzeit kein bedrohliches Thema ist, sondern Teuerung aktuell eher gewünscht wird, steht die Risiko-Ampel der Strategen zufolge "nur" auf Orange. Die schwache Inflation, die von Politikern im Auge behalten wird, habe jeglichen kurzfristigen wirtschaftlichen Abschwung hinausgezögert. Zudem habe sie die Zinsen gesenkt, was Kreditaufnahme und Investitionen fördert. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie rechnen deshalb eher mit einer längeren Phase schwindender Kursgewinne als mit einem Crash.

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